Interview mit Michael Ballack: "Ich bin Kapitän der Nationalmannschaft"
zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 07:59Leverkusen (RPO). Michael Ballack ist offiziell in Leverkusen vorgestellt worden. Im Interview spricht der Kapitän der Nationalmannschaft über die Perspektive der Werkself, die Stärke der Bundesliga und Philipp Lahm.
Herr Ballack, die WM in Südafrika ist gerade beendet, aber noch immer werden die Ansprüche von Philipp Lahm auf das Kapitänsamt im Nationalteam diskutiert. Was denken Sie darüber?
Michael Ballack: "Für mich ist das kein Thema. Ich bin Kapitän der Nationalmannschaft. Philipp Lahm hat Ansprüche zu einem Zeitpunkt gestellt, den ich für unpassend halte. Die Situation ist doch klar. Ich war verletzt und konnte mich nicht einbringen. Wenn Philipp das anders sieht, muss er mit dem Bundestrainer sprechen."
Sehen sie die Hierarchie im Nationalteam erschüttert?
Ballack: "Das ist kein Wunschkonzert, bei dem ein Spieler Wünsche äußern kann, wo er gerne spielen möchte. Genauso ist es beim Kapitän einer Mannschaft. Es gibt Hierarchien. Ich werde mit Philipp reden und das Thema ansprechen, wenn wir uns das nächste Mal treffen."
Was sagen Sie zu den Schlagzeilen um ihre Person während ihrer verletztungsbedingten Abwesenheit bei der WM?
Ballack: "Natürlich habe ich die Schlagzeilen registriert. Ich halte es für sehr unglücklich, wenn über einen gesprochen wird und man kann sich nicht wehren oder die Kritiker zumindest auf dem Platz überzeugen. Und wenn eine Mannschaft auch noch gut spielt, dann kommen solche Themen natürlich auf."
Ab der neuen Saison spielen Sie nun für Bayer Leverkusen. Es gab viele attraktive Angebote. Warum Leverkusen?
Ballack: "Ich konnte mir vor einigen Monaten nicht vorstellen, noch einmal in die Bundesliga zurückzukehren. Am Ende war die sportliche Perspektive für die Entscheidung ausschlaggebend und die Erinnerung an drei schöne Jahre, die ich hier schon hatte. Bayer hat eine gut funktionierende Mannschaft, die versucht, offensiv zu spielen, was der Trainer in der letzten Saison zudem verfeinert hat. "
Ist Ihre Rückkehr in die Bundesliga eine Bestätigung für die Attraktivität der Liga?
Ballack: "Wenn ich Vergleiche anstelle, dann sehe ich, dass die Liga stark ist, dass sie sich international nicht zu verstecken braucht. Die Bayern hätten zum Bespiel beinahe die Champions League gewonnen. Das zeigt doch, dass guter Fußball gespielt wird. Vielleicht ist England noch stärker, aber das ist hypothetisch."
Was sind Ihre Ziele mit Leverkusen?
Ballack: "Ich habe immer die Chance bekommen in Mannschaften zu spielen, die international und um die Meisterschaft mitspielen. Das hat meine Entscheidung beeinflusst. Die Bayern sind in der kommenden Saison natürlich wieder Favorit und dann kommen mehrere Mannschaften wie Schalke, Bremen oder Stuttgart dahinter, die es schaffen können. Ich hoffe, wir gehören auch dazu."
Wie sieht es mit der Reha nach der Sprunggelenkverletzung vor der WM aus?
Ballack: "Ich mache derzeit Kraftübungen, um verlorene Muskulatur wieder aufzubauen. In zwei bis drei Wochen möchte ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, um für den ersten Bundesliga-Spieltag fit zu sein. Alles läuft bisher nach Plan."
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