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Interview mit Winfried Schäfer: "Ich traue mir die Bundesliga noch zu"

zuletzt aktualisiert: 02.04.2009 - 16:38

Mönchengladbach (RP). Winnie Schäfer kann sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt der Trainer auf seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach und beim Karlsruher SC zurück. Derzeit ist er im fernen Abu Dhabi tätig, bleibt aber durch RP ONLINE gut informiert.

Winfried Schäfer glaubt, dass eine afrikanische Mannschaft bei der WM weit kommen kann.  Foto: AP, AP
Winfried Schäfer glaubt, dass eine afrikanische Mannschaft bei der WM weit kommen kann. Foto: AP, AP

Sie sind als Spieler mit Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister und Uefa-Cup-Sieger geworden, haben als Trainer den Karlsruher SC zur sportlich erfolgreichsten Zeit seiner Vereinsgeschichte geführt. Am Sonntag treffen Ihre beiden Ex-Vereine in Karlsruhe aufeinander ­ und beide kämpfen verzweifelt ums Überleben in der Bundesliga. Wie sehr berührt Sie diese Situation?

Schäfer Borussia und der KSC waren die beiden Stationen, die mich und meine Karriere am meisten geprägt haben. Und an beiden hängt mein Herz wie an keinem anderen Verein. Am liebsten wäre mir, wenn beide den Klassenverbleib schafften. Doch das wird natürlich schwer.

Sie sind seit 2001 Trainer in Afrika oder nun schon seit vier Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wie genau kennen Sie den aktuellen deutschen Fußball?

Schäfer Natürlich nicht alle Details. Aber hier in Abu Dhabi werden an jedem Spieltag zwei Spiele live übertragen. Ich bekomme ARD und ZDF, sehe fern im Internet - und lese übrigens auch regelmäßig RP ONLINE. Ich bin also noch recht gut informiert ­und hoffe, dass Sonntag das Spiel KSC gegen Borussia hier live übertragen wird.

Karlsruhe hat nach dem Aufstieg 2007 einen sehr starken Start in die Bundesliga gehabt. Doch jetzt ist die Mannschaft Tabellenletzter. Woran liegt es?

Schäfer Nach dem Aufstieg haben sie zunächst die Euphorie mitgenommen. Doch die Rückrunden-Bilanz allein hätte schon nicht zum Klassenverbleib gereicht. Dies ist bei den Planungen für die neue Saison nicht berücksichtigt worden. Eggimann und Hajnal wurden verkauft, die Neuen passten nicht richtig. Und dann wird den Spielern immer wieder vorgehalten, dass sie keine Tore machen. Das fördert ganz gewiss nicht das Selbstvertrauen.

Eine zu geringe Torquote und fehlendes Selbstvertrauen gab es trotz des überzeugenden Wiederaufstiegs der vergangenen Saison auch bei Borussia.

Schäfer Aber das scheint ja jetzt überwunden. Ich habe das letzte Heimspiel gegen Bochum hier in Abu Dhabi live gesehen. Da war schon viel Kampfgeist, auf beiden Seiten. Am Ende haben Borussia der letzte Pass und auch ein bisschen das Glück gefehlt, um die Niederlage abzuwenden. Ich denke, dass Hans Meyer auch mit den Verstärkungen in der Winterpause die Struktur in die Mannschaft gebracht hat, die nach dem Aufstieg verloren worden war. Jos Luhukay hatte den Fehler gemacht, zu viel zu ändern. Damit gingen die Linie der Aufstiegssaison und auch das Kämpferische Element zeitweise verloren. Man darf nicht den Fehler machen, eine Mannschaft in ein System einpassen, wenn man nicht die richtigen Leute dafür hat. Das ist jetzt anders geworden.

Wer ist denn Favorit am Sonntag?

Schäfer Ich denke, die Chancen sind ziemlich ausgeglichen, vielleicht mit einem ganz leichten Vorteil für Borussia, wenn sie ähnlich gut aus der Abwehr kontert wie in Köln. Der KSC hat in München gut gespielt, mit Pech verloren. Aber er hat zu Hause das Problem, dass er nicht das Spiel machen kann. Auf der anderen Seite sind die Karlsruher Fans immer noch eine Macht, die man nicht unterschätzen darf. Sie können schon ein Spiel drehen. Viel wird davon abhängen, wer das Geschehen möglichst schon in der ersten Viertelstunde in den Griff bekommt. Das wirkt auch auf die KSC-Fans ­ so oder so rum.

Sie haben 2002 mit Kamerun die Afrika-Meisterschaft gewonnen, sind seit 2005 in Arabien, waren 2006 mit Al Ahli Dubai Meister der Vereinigten Arabischen Emirate und sind nun seit 2007 Trainer von Al Ain Club in Abu Dhabi. Wie läuft es dort? Al Ain ist immerhin Rekordmeister der Ersten Liga der Vereinigten Arabischen Emirate.

Schäfer Als ich kam, war der Club ziemlich im Tief. Doch jetzt stehen wie in den Endspielen beider Pokal-Wettbewerbe und in der Liga Dritter ­ mit Chancen, die beiden anderen noch abzufangen. Wir könnten also alle drei Titel holen.

Könnte es Sie noch einmal als Bundesliga-Trainer geben?

Schäfer Im Moment nicht. Viele sehen, dass ich seit 1998 aus der Bundesliga raus bin. Doch ich traue mir das noch mal zu. Und kaum ein Kollege hat so viel Erfahrung wie ich.

O.E. Schütz sprach mit Winfried Schäfer


 
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