Jos Luhukay im Interview: "Ich verlasse den FCA durch die Vordertür"
zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 - 20:49Augsburg (RPO). Jos Luhukay hat das Unmögliche möglich gemacht und mit dem FC Augsburg den Klassenerhalt geschafft. Dennoch wird der Trainer die Schwaben verlassen. Im Interview spricht er über die Gründe.
Herr Luhukay, Sie haben mit dem FC Augsburg den Klassenerhalt geschafft und damit einen großen und völlig unerwarteten Erfolg geschafft. Ihr Rücktritt kommt jetzt sehr überraschend.
Jos Luhukay (Trainer FC Augsburg) Die letzten Tage waren für mich nicht einfach. Ich habe schon in Gesprächen mit dem Vorstand schon Ende März angegeben, dass ich Zweifel habe über meine Zukunft. Und ich habe dann auch gesagt, dass meine Gedanken unabhängig davon sind, ob der FCA in der nächsten Saison in der ersten oder zweiten Liga auftauchen wird, ich mir aber Gedanken mache, ob ich den Weg und die Entwicklung des Vereins auch weiter fortsetzen möchte. Es ist mir unheimlich schwer gefallen, nicht so sehr die Situation als Trainer, aber vor allem auch als Mensch.
Was veranlasst Sie, Augsburg zu verlassen?
Luhukay Ich möchte erstmal dem Verein danken, vor allem auch dem Präsident für seine Wertschätzung vor der Saison, dass er gesagt hat, der Trainer darf 34 Spiele verlieren. Das war außergewöhnlich. Ich glaube, dass man sich das verdienen muss und ich glaube, dass ich mir das in den letzten drei Jahren auch verdient habe. Aber im Sport spielen auch Emotionen und Gefühle eine Rolle.
Was bleibt Ihnen von Ihrer Zeit in Erinnerung?
Luhukay Ich hatte den FCA in einer Situation angetroffen, in einem alten Stadion, wo die Klasse noch gehalten werden musste, wo der FCA zweimal nacheinander fast abgestiegen ist. Der FCA musste nicht runter in die dritte Liga, sondern konnte hier in das neue Stadion und hier eine neue Zukunft entwickeln. Ich hatte viel zu verlieren, viele haben meine Entscheidung nicht verstanden, weil die wahrscheinlich fanden, dass der FC Augsburg zu klein war. Ich habe trotzdem die Entscheidung getroffen und sie vom ersten bis zum letzten Tag nie bereut. Wir gemeinsam haben das Unmögliche geschafft. Wir haben den FC Augsburg, die Stadt, die Region auf die Landkarte in Fußball-Deutschland setzen können.
Der FC Augsburg hat in dieser Bundesliga-Saison auch viele Experten Lügen gestraft.
Luhukay Wir haben die Ruhe gehabt, wir haben die Geduld gehabt, der Mannschaft immer vertraut, nie gezweifelt an der Qualität. Wir haben eine unglaubliche Dynamik innerhalb der Mannschaft gehabt. Ich habe eine Mannschaft gehabt, die Charakter gezeigt hat, die Mentalität gezeigt hat und die vor allem Herz gezeigt hat. Und gemeinsam haben wir schon letzte Woche in Mönchengladbach den Klassenerhalt geschafft, was uns ja viele nicht zugetraut haben.
Wissen Sie bereits, wo Sie in Zukunft arbeiten werden?
Luhukay Jeder weiß, der den Menschen hinter dem Trainer ein bisschen kennt, dass ich auch für Normen und Werte stehe. Ich möchte die Gerüchte, dass ich mit anderen Vereinen Gespräche habe, völlig dementieren. Ich habe mich vom ersten bis zu diesem Spieltag aber völlig, mit all meiner Leidenschaft und mit viel Herz, für den FCA eingesetzt. Und ich möchte noch betonen, dass ich noch nicht weiß, wo die Zukunft hingeht, aber dass ich dem FCA alles Gute und viel Erfolg wünsche, damit er im nächsten Jahr die nächste Geschichte schreiben kann. Ich habe hier als Mensch und Trainer etwas hinterlassen. Der Zeitpunkt ist für einen Trainer nie so erfreulich, es tut auch verdammt weh. Aber ich möchte den FCA als Trainer und als Mensch durch die Vordertür verlassen, weil ich auch durch die Vordertür gekommen bin.









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