1. Bundesliga 17/18
| 07.41 Uhr

Dritter Sieg ohne den Stürmerstar
Ist Köln ohne Podolski stärker?

Der Podolski-Aussetzer in Augsburg
Der Podolski-Aussetzer in Augsburg FOTO: APN
Hannover (RP). Dem 1. FC Köln glückt mit dem 4:1 bei Hannover 96 der höchste Auswärtssieg seit gut neun Jahren. Und der Nationalstürmer sitzt auf der Bank. Seine Mannschaft spielte fast königlich, doch der "Prinz" saß nur auf der Bank.

Tatenlos musste Nationalstürmer Lukas Podolski beim 4:1-Sieg in Hannover mitansehen, wie seine Kollegen vom 1. FC Köln 90 Minuten lang tricksten, trafen und das Abstiegsgespenst vertrieben. Irgendwie passte es ins Bild, dass die Gäste ohne ihren Superstar die vielleicht beste Saisonleistung ablieferten. Und es passte auch, dass ausgerechnet Podolskis Vertreter Zoran Tosic Matchwinner war.

"Lukas war die ganze Woche verletzt und hat nur zweimal trainiert. Er hat noch Probleme mit der Muskulatur", begründete Kölns Trainer Zvonimir Soldo den Verzicht auf Podolski. "Es war klar, dass er nur im Notfall reinkommt. Und den gab es nicht. Wir haben das Spiel kontrolliert." Podolski habe das professionell aufgenommen, sagte Soldo, und er lächelte verschmitzt.

"Wir haben nicht gewonnen, weil er nicht gespielt hat", sagte Manager Michael Meier. Dennoch war es für den FC der dritte Sieg in der Rückrunde – der dritte ohne Lukas Podolski. Probleme an der Bandscheibe, Fußprellung und am Wochenende die Nachwehen einer Bauchmuskelzerrung warfen den Publikumsliebling immer wieder zurück – spülte die Kölner in der Tabelle allerdings nach vorne.

In sechs Saisonspielen ohne Podolski sammelten die Geißböcke insgesamt elf Punkte (Schnitt: 1,83), mit dem Nationalstürmer sprangen 20 Punkte aus 22 Spielen heraus (Schnitt: 0,91).

Ohne Podolski läuft es besser

Wenn man die Milchmädchenrechnung aufmacht und die Punkte einmal auf 28 Spieltage hochrechnet, würden die Kölner ohne Podolski mit 51,24 Punkten auf Platz vier stehen. Das würde einen Platz in der Europa League bedeuten. Bei 25,48 Punkten mit dem 24-Jährigen würde der FC noch geradeso über dem ominösen Strich stehen.

Der Coach, der nach zuvor sieben Bundesligaspielen hintereinander ohne Sieg schon wieder in die Kritik geraten war, hatte gegen desolate 96er alles richtig gemacht. Tosic, der junge Serbe, im Januar auf Leihbasis von Manchester United verpflichtet, zahlte Soldos Vertrauen nicht nur mit seinem ersten Bundesliga-Tor zurück, sondern traf gleich im Doppelpack. Bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss wurde der 22-Jährige von den FC-Anhängern lautstark gefeiert.

"Zoran hat für uns schon gute, aber auch schlechte Spiele gemacht. In seinem Alter sind Leistungsschwankungen ganz normal", sagte Soldo und schickte ein dickes Lob hinterher: "In Hannover war es nun sogar eine Riesenleistung." Tosic gab sich brav zurückhaltend. "Natürlich freue ich mich über die Treffer", erklärte er. "Aber noch viel wichtiger ist, dass die Mannschaft das Spiel gewonnen hat." Gegen über weite Strecken wehr-, mut- und orientierungslose Gastgeber hatten die Rheinländer allerdings auch leichtes Spiel.

Soldo: "Die richtige Antwort"

Als Lohn für die Tore von Tosic, Petit und Milivoje Novakovic (Handelfmeter) standen am Ende Kölns höchster Auswärtssieg seit gut neun Jahren und ein fast schon wieder beruhigendes Polster auf die Abstiegszone. "Das war die richtige Antwort auf die Kritik der vergangenen Tage. Kompliment an meine Mannschaft. Sie war sehr diszipliniert", sagte Soldo. Er sitzt nun wieder fester im Sattel, zumal das Restprogramm den Verantwortlichen nicht gerade Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte.

Denn bis auf Werder Bremen warten auf die Kölner in den letzten sechs Saisonspielen nur Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Der Klassenerhalt scheint also gesichert. Ein Problem bleibt jedoch: Podolski. Nach dem Auftritt des Teams in Hannover dürfte es Soldo schwerfallen, die Startelf für das nächste Spiel gegen Hertha BSC Berlin zu verändern.

(chk)
 
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