1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 09.42 Uhr

18. Bundesliga-Spieltag
Hingucker: Kopfstand, Schwindler, Fußball-Gott

1. FC Köln stellt Trikot erfolglos auf den Kopf
1. FC Köln stellt Trikot erfolglos auf den Kopf FOTO: dpa, mb fpt
Düsseldorf. Der Ball rollt endlich wieder in der Bundesliga. Am ersten Spieltag nach der Winterpause gab es wieder zahlreiche Kuriositäten zu bestaunen. Ganz vorne in den zehn Bundesliga-Hinguckern: das Karnevalstrikot des 1. FC Köln.

Kopfstand des Tages: Karnevalstrikot des 1. FC Köln

Schon der Start verlief denkbar schlecht für das neue Kölner Karnevalstrikot. Es war noch gar nicht auf dem Markt, da hatte das Sessions-Shirt im Oktober bereits den ersten Shitstorm hinter sich. Rot und Weiß, mit stilisierten Quasten, Knöpfen und Kragenschmuck, so haben es die "Roten Funken" in der Fünften Jahreszeit zwar zu einigem Ruhm gebracht – von den FC-Profis wünschten sich zahlreiche Fans dann aber doch ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit. Und so fielen nach der Onlinepräsentation auch viele Reaktionen aus. Der geplante erste Einsatz des Trikots gegen Mainz 05 wurde dann verlegt, eine Woche nach den Terror-Angriffen von Paris schien den FC-Verantwortlichen die Zeit nicht reif für eine launige Marketing-Maßnahme.

Und beim lang erwarteten Debüt am Samstag gegen den VfB Stuttgart wirkte das Karnevalstrikot dann auf eine ganz andere Art unpassend. Die Kölner Profis begannen hoffnungsvoll, gerieten in Rückstand, kämpften dann tapfer aber zunehmend aussichtslos gegen die 1:3-Niederlage an - und sahen dabei über 90 Minuten aus wie elf Gardisten der Roten Funken. Ungewollte Komik ist immer die Gefahr bei solchem Klamauk, und auf den Online-Spott musste der Klub anschließend nicht lange warten. Getreu dem Sessionsmotto "Mer stelle alles op der Kopp" werden allerdings alle diese offenkundigen Nachteile des Karnevalstrikots auf den Kopf gestellt, wenn es sich ordentlich verkauft – und genau das scheint mal wieder der Fall zu sein. "Der Abverkauf ist in Relation gut", sagt Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle: Man sei schon vor dem ersten Spiel im Trikot "sehr zufrieden" mit den Zahlen gewesen. Und dafür lohnt sich dann wohl jeder Shitstorm.

Schwindler des Tages: Sandro Wagner

Sandro Wagner humpelte zum Bus, um sein lädiertes linkes Sprunggelenk hatte der Angreifer einen dicken Eisbeutel geschnürt. "Ich bin noch lange nicht bei 100 Prozent", sagte der Angreifer von Darmstadt 98 nach seinem Doppelpack (31. und 47.) bei Hannover 96. Doch genau das - volle Einsatzfähigkeit – hatte Wagner seinem Trainer Dirk Schuster vor der Partie zugesichert. "Da habe ich etwas geflunkert  0150 weil ich unbedingt spielen wollte", sagte der 28-Jährige. Die kleine Notlüge dürfte ihm Schuster nicht übel nehmen, schließlich sorgte Wagner fast im Alleingang für das verdiente 2:1 (1:1) des Aufsteigers in Hannover. Zweimal stand er in bester Mittelstürmer-Manier goldrichtig.

"Dass wir nach dem 0:1 den Kopf nicht hängen gelassen, sondern weitergespielt haben, war heute ausschlaggebend", sagte Wagner, der im Winterurlaub beim Joggen umgeknickt war und deshalb sogar vorzeitig aus dem Trainingslager in der Türkei abreisen musste. In Hannover schrieb Wagner sogar ein Stück Klub-Geschichte. Erst zum zweiten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte gewann Darmstadt auswärts nach einem Rückstand - dieses Kunststück war den Lilien bisher nur im Juni 1979 in Bochum gelungen (ebenfalls 2:1).

Doppelpack des Tages: Robert Lewandowski

Robert Lewandowski posierte geduldig mit dem goldenen Pokal für ein paar Fotos. Eine Teenie-Zeitschrift hatte den Angreifer von Bayern München zum Sportler des Jahres in Polen gekürt, doch viel wichtiger als die Ehrung waren ihm natürlich seine zwei Tore und der Sieg beim Hamburger SV (2:1). "Wir waren effektiv", sagte Lewandowski nach seinem Doppelpack in Hamburg (37., Foulelfmeter und 61.). Genau wie der Rest der Münchner überzeugte auch der 27-Jährige zum Rückrundenauftakt nicht völlig. "Uns ist klar, dass wir nach der Winterpause noch ein bisschen Zeit brauchen", sagte Lewandowski: "Wichtig war, dass wir die ersten drei Punkte im neuen Jahr geholt haben."

Nur Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (18) ist bisher noch treffsicherer. Lewandowski hat nach seinem Doppelpack von Hamburg aber auch schon 17 Tore auf dem Konto und damit nach 18 Spieltagen bereits so viele Treffer erzielt wie in der gesamten letzten Saison. Kein Wunder, dass der Pole immer wieder mit anderen Top-Klubs wie Real Madrid oder Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht wird. Doch Bayerns Sportvorstand schob allen Transfergerüchten ganz schnell einen Riegel vor: "Vergesst so einen Schmarrn."

Fehlstart des Tages: Thomas Schaaf

Ernüchternder hätte der Einstand von Thomas Schaaf bei Hannover 96 kaum sein können. Durch das 1:2 gegen Darmstadt 98 rutschten die Niedersachsen unter ihrem neuen Trainer auf den letzten Platz. "Es hat keiner gesagt, dass das eine einfache Aufgabe wird", stellte Schaaf fest. Nicht einmal die 1:0-Führung durch Winter-Zugang Hugo Almeida genügte auf eigenem Platz, um eine Wende zum Besseren einzuleiten. Hannover hatte Schaaf in der Winterpause als Retter geholt, als großen Hoffnungsträger im Abstiegskampf – aber nach nur 90 Minuten ist die Aufbruchstimmung schon wieder ziemlich verpufft. Doch Schaaf, ganz abgezockter Psychologe, hob das Positive nach dem missratenen Rückrundenauftakt heraus.

"Wenn wir die Leistung aus der Anfangsphase über 90 Minuten zeigen, gehen wir als Sieger vom Platz - mit Sicherheit", sagte Schaaf. Seine Mannschaft zeigte in den ersten 15 Minuten ja wirklich eine ansprechende Vorstellung, Zugang Hugo Almeida (10.) brachte die Roten mit einem schönen Treffer früh in Führung. Aber dann war Hannover "wieder in alte Muster zurückgefallen", wie Schaaf ebenfalls richtig erkannte. Der 54-Jährige bemängelte vor allem, dass sein Team vor dem Tor viel zu zögerlich war. Nach dem Motto: "Mach' Du mal, ich hab noch nicht die Traute."

Borussia des Tages: Borussia Dortmund

Angesichts von weiterhin acht Punkten Rückstand auf den Rekordmeister verbietet sich der Begriff Bayern-Jäger für Borussia Dortmund. Das 3:1 in Mönchengladbach war indes ein starker Auftritt und der erste Sieg im Borussia-Park seit sechs Jahren. "Die Art und Weise macht Mut für die nächsten Wochen", sagte Nationalspieler Ilkay Gündogan, der nach einem spannenden Schlagabtausch in der 75. Minute für die Entscheidung in dem Top-Spiel beim Tabellen-Vierten sorgte.

Einen kleinen Seitenhieb für die Bayern hatte der Mittelfeldspieler dann aber doch noch parat: "Durch die Bayern weiß man ja, dass man hier auch mit 0:3 nach Hause geschickt werden kann", meinte Gündogan sichtlich zufrieden nach dem Schlusspfiff "gegen einen so starken Gegner. Wie wir kombiniert haben, macht auch Mut und Vorfreude auf die nächsten Wochen". Reus beklagte an seiner früheren Wirkungsstätte nur mangelnde Konsequenz: "Wir hatten viele Balleroberungen in Gladbachs Hälfte, da haben wir sie aber schlecht ausgespielt. Wir hätten früher führen können."

Verletzung des Tages: Jerome Boateng

Jerome Boateng ist beim FC Bayern nicht zu ersetzen. Der Abwehrchef wird dem deutschen Rekordmeister Bayern München aufgrund eines Muskelbündelrisses im Adduktorenbereich möglicherweise drei Monate fehlen. Das berichtet die "Sport Bild". Die Bayern hatten nach einer Untersuchung des 27 Jahre alten Innenverteidigers am Samstag lediglich von einer Muskelverletzung im Adduktorenbereich und einer "längeren Pause" gesprochen.

Die "Bild" berichtet sogar von einem möglichen Saison-Aus des Abwehrchefs. Das hätte auch gravierende Auswirkungen auf die EM und die deutsche Nationalmannschaft. Boateng ist nicht zu ersetzen Ohne Boateng wird der vierte Münchner Meistertitel in Serie wohl kaum in Gefahr geraten. Für Guardiolas finale Champions-League-Mission mit dem FC Bayern ist sie jedoch schon mit Blick auf die Achtelfinalhürde Juventus Turin am 23. Februar und 16. März fatal.

Neben Torhüter Manuel Neuer ist Boateng der Spieler in der Münchner Defensive, der nicht zu ersetzen ist. "In der Verteidigung wird es personell langsam eng", stöhnte Kapitän Philipp Lahm angesichts der Ausfälle von Medhi Benatia, Rafinha und Juan Bernat in Hamburg.

Torschütze des Tages: Ömer Toprak

Ömer Toprak erzielt nicht viele Treffer. In der Bundesliga kommt der türkische Innenverteidiger von Bayer Leverkusn in 120 Bundesligaspielen auf genau vier Treffer. Im Spiel bei der TSG Hoffenheim war es mal wieder soweit. Alle seine Bundesliga-Treffer erzielte der Abwehrspieler per Kopf. Doch damit nicht genug, er verteilt seine Treffer auch sehr genau. Pro Saison erzielt er genau ein Tor. Allzu große Hoffnungen auf einen weiteren Treffer Topraks in der laufenden Spielzeit sollten die Bayer-Fans also nicht machen, der Türke dürfte sein Pulver bereits verschossen haben.

Serie des Tages: VfB Stuttgart und 1. FC Köln

In den letzten 19 Spielen zwischen dem 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart schaffte keines der beiden Teams einen Heimsieg (elf Auswärtssiege, acht Remis) – die längste derartige Duell-Serie der Bundesliga-Historie! Die Schwaben gewannen 3:1 und machten dabei sogar einen Rückstand wett. Kölns Top-Torschütze Anthony Modeste (19.) hatte den FC per Foulelfmeter zunächst in Führung gebracht, Daniel Didavi (36.), Timo Werner (51.) und Christian Gentner (83.) drehten das Spiel jedoch.

Das Hinspiel hatten die Kölner mit 3:1 in Stuttgart gewonnen. Damals hatte es bis zur 75. Minute noch 0:0 gestanden, ehe ebenfalls Modeste per Strafstoß den Bann brach. Simon Zoller, Yuya Osako und Stuttgarts Didavi hatten für den Endstand gesorgt.

Aufreger des Tages: Handelfmeter in Ingolstadt

Es war die entscheidende Szene des Spiels und nach dem 1:0 (1:0) des FC Ingolstadt gegen den FSV Mainz 05 ein heiß diskutiertes Thema. Als der Mainzer Stefan Bell einen Schuss von Ingolstadts Pascal Groß mit dem Arm abwehrte und Schiedsrichter Florian Meyer nach einigem Zögern auf den Punkt zeigte, war die Endlosdebatte um Handspiele im Strafraum wieder einmal präsent.

"Es war für mich kein Elfmeter", sagte Bell später, nachdem Moritz Hartmann (41.) die Situation zum Tor des Tages genutzt hatte, "ich denke, es war eine ganz normale Körperhaltung". Das Gefühl trog Bell zwar etwas, denn seine Arme gingen in einer Art Schutzreflex nach oben Richtung Kopf, als sich der Verteidiger abwendete - und damit war die Auslegung "unnatürliche Haltung" vertretbar. Dennoch: Wieder einmal führte ein Handspiel zu ganz unterschiedlichen Interpretationen. Der Fehler liegt im System, sprich Regelwerk. So sah das auch der Betroffene. "Man weiß nicht mehr, wie man sich verhalten soll", klagte Bell.

Dreierpack des Tages: Alexander Meier

Mit seinen Saisontoren acht bis zehn hat Alexander Meier seinem einen perfekten Start in die Rückrunde beschert. Dank eines Dreierpacks (66., 73 und 90+3) seines Torjägers gewann Eintracht Frankfurt mit 3:2 gegen den VfL Wolfsburg. Für Meier war es bereits der zweite Dreierpack in dieser Saison. Die Fans der Eintracht feierten ihren Helden noch lange nach dem Schlusspfiff mit lauten Sprechchören. "Alex Meier, Fußball-Gott", hallte es durch die Commerzbank-Arena.

Der Matchwinner selbst blieb nach seiner Gala bescheiden: "Der Erfolg gebührt immer der Mannschaft und nie einem alleine", sagte Meier bei Sky. "Wir haben uns in die Partie zurückgekämpft. Vielleicht haben wir nicht verdient gewonnen, aber einen Punkt hatten wir auf alle Fälle verdient. Wir haben nach der ersten Halbzeit die Ruhe bewahrt. Die Moral in der Mannschaft war immer gut", so Meier.

(can/RP/sid/dpa)
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