Bayern München: Jetzt kommt Timoschtschuk
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.08.2009 - 09:57Düsseldorf/München (RP). Die Verletzung von Bayern Münchens Kapitän van Bommel ist die Chance für den ukrainischen Elf-Millionen-Mann. Heute beim Bundesliga-Klassiker gegen Werder Bremen wird er die zentrale Position im defensiven Mittelfeld übernehmen.
An den Frühsommer 2008 erinnern sich Bayern Münchens Fans sehr gern. Ihr Team war mal wieder mit weitem Abstand zur Deutschen Meisterschaft gestürmt, und es sollte alles noch viel besser werden. Schließlich stand Deutschlands Fußball-Reformer Jürgen Klinsmann mit einer kleinen Hundertschaft von Assistenten, reichlich Elektronik und tüchtig Lust auf eine große Aufgabe vor der Tür des Trainingsgeländes an der Säbener Straße.
An den Spätsommer des Jahres haben die Bayern-Anhänger weniger schöne Erinnerungen. Klinsmann hatte sich schnell selbst entzaubert, und die Mannschaft bekam von Werder Bremen eine Lektion. 2:5 unterlag die vermeintliche Weltauswahl im eigenen Stadion – zwischenzeitlich hatte Werder mit 5:0 geführt. "Bitter, peinlich", findet nicht nur Tim Borowski den Gedanken an diesen Septembertag.
Der lange Nationalspieler hatte ohnehin kein erfreuliches Jahr in München, und er kehrte ins Bremer Biotop zurück. Es trifft sich, dass Werder am zweiten Spieltag, wieder im zumindest späteren Sommer, heute bei den Bayern antritt.
Diesmal sind jedoch schon die Vorzeichen anders. Dem Reformer Klinsmann folgte auf der Bayern-Bank der niederländische Fußball-Pädagoge Louis van Gaal. Der macht nicht nur durch verblüffende Deutschkenntnisse mächtig Eindruck, sondern auch durch klare Vorstellungen. Nicht nur taktischer Art. So preist er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung Fußball als einen "Sport, der mit Gehirn gespielt wird". Und er verrät, dass er nicht nur im Kontakt mit seinen Spielern auf Ordnung und Distanz setzt. Er lässt sich sogar von seinen beiden inzwischen 33 und 31 Jahre alten Töchtern siezen. "Ich bin eine andere Generation, das müssen sie wissen", sagt der Holländer, "natürlich sagen auch meine Spieler Sie."
Anatoli Timoschtschuk vielleicht noch nicht so oft. Das liegt aber nicht an einem Mangel an Höflichkeit, sondern an (noch) fehlenden Sprachkenntnissen. Der Ukrainer hat sich zwar in der Schule durch Deutsch-Lektionen quälen müssen, die Erinnerung daran aber ähnlich bereitwillig verdrängt wie die Bayern-Fans die 2:5-Niederlage gegen Bremen in der zurückliegenden Saison.
Und obwohl van Gaal die deutsche Sprache zum Pflichtprogramm erhoben hat (Klinsmanns Amtssprache war Englisch), wird er Timoschtschuk gegen Werder die zentrale Rolle im defensiven Mittelfeld anvertrauen. Nicht weil er über Nacht altersmilde geworden wäre, sondern weil sein ebenfalls sehr sprachbegabter Landsmann Mark van Bommel vier Wochen verletzt ausfällt. Eine echte Bewährungschance. Denn van Gaal hat seinem Kapitän van Bommel zwar eine Stammplatzgarantie ausgestellt, erklärt aber: "Mark kann auch eine andere Position spielen, falls Timoschtschuk es sehr gut macht." Man beachte allerdings das Wörtchen "falls". Da schwingt denn doch ein leises Misstrauen mit. Van Gaal hat es in dieser Woche in einem Gespräch mit dem Fachblatt "Kicker" sicher nicht unfreiwillig unterstrichen. "Mit dem Einkauf von Timoschtschuk habe ich nichts zu tun", hat er da gesagt.
Einstweilen spielt der blonde Ukrainer, für den die Bayern elf Millionen Euro an Zenit St. Petersburg überwiesen, auf Bewährung. Vielleicht schiebt er auch schon Zusatzschichten auf der Sprachschule.
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