Leverkusener feierte Comeback: Jetzt will Ballack den Stammplatz
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.01.2011 - 17:23Leverkusen (RPO). Wenn man Selbstbeherrschung sichtbar machen könnte wie Zigarettenqualm, würde es bei Bayer Leverkusen derzeit aussehen wie im Wohnzimmer von Altkanzler Helmut Schmidt. Es geht um Michael Ballack. Und in logischer Konsequenz auch um seinen Trainer bei Bayer 04.
Der heißt Jupp Heynckes. Beide reden sich dieser Tage getrennt von einander den Mund fusselig und strengen sich an, ihre konträren Meinungen so diplomatisch wie irgend möglich klingen zu lassen.
Dabei dreht sich alles um die eine Frage: Wann spielt Michael Ballack von Beginn an? Beim 3:1 am Sonntag in Mönchengladbach durfte der 34-Jährige die letzten 34 Minuten mitwirken. Weil Bayers Flügelflitzer Sidney Sam nach einem Kopfballduell mit Brummschädel ausgewechselt werden musste.
Ballack also nur der schnöde Nutznießer einer Verletzung? Nein, rechtfertigte sich Heynckes im Nachgang der Partie, er habe Ballack schon zur Halbzeit signalisiert, dass er ihn gleich einwechseln würde. Und da sei Sam ja noch unversehrt gewesen.
Ballack selbst nutzte seinen durchweg als gelungen bewerteten Kurzeinsatz, um die Forderung nach einem Stammplatz als Wunsch zu deklarieren: „Ich hoffe, dass ich jetzt von Anfang an spielen kann. Fitness holt man sich in keinem Test und in keinem Training, sondern nur im Spiel“, sagte der gebürtige Görlitzer.
Der – gewohnte – Konter seines Trainers ließ nicht lange auf sich warten: „Das sehe ich locker und gelassen. Dass ein Spieler mit seiner Reputation spielen will, ist doch nachzuvollziehen“, sagte Heynckes und ergänzte: „Ich denke heute sicher noch nicht über die nächste Aufstellung nach.“ Es sind zwei starke Persönlichkeiten, die in diesen Tagen das Spannungsfeld Bayer 04 bilden. Hier Ballack, der sich selbst als fit einstuft und es deshalb für nicht nachvollziehbar hält, dass Heynckes ihn dennoch nicht in die Startelf hievt.
Dort Heynckes, der sich mit 65 Jahren von keinem Spieler diktieren lassen will, wann er ihn wie einzusetzen habe. Selbst wenn der Spieler Michael Ballack heißt. Heynckes demonstriert dieser Tage: Seht her, ich verfahre mit der Re-Integration meines größten Stars genauso wie mit meinem Kapitän Simon Rolfes – nämlich behutsam. Das Problem: Während Rolfes in der vergleichbaren Phase stets lobend erwähnte, dass ihn niemand unter Druck setze, stellt Ballack nun aktiv Forderungen.
„Ich arbeite noch nicht so lange mit Jupp Heynckes zusammen“, sagt Ballack, „ich habe aber Erfahrungen mit Verletzungen und bin in der Vergangenheit immer schnell wieder zurückgekommen.“ Über dieser eigentlich ja vereinsinternen Diskussion schweben die kolportierten zwölf Millionen Euro, mit denen der Bayer-Konzern im Sommer Ballacks Rückkehr nach Leverkusen ermöglichte.
Die Experten, die damals den werberelevanten Gegenwert des Transfers berechnet hatten, dachten dabei bestimmt nicht an Testspiele mit dem „Capitano“ auf einem Nebenplatz des Bochumer Stadions, wie am vergangenen Dienstag. Ballack ist für sie vor allem eine Investition, die sich langsam auch mal auszahlen muss. Das weiß Heynckes. Das weiß Ballack. Nur eine einvernehmliche Lösung weiß im Moment keiner.
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