1. Bundesliga 17/18
| 13.36 Uhr

Führerschein weg
Tah erweitert die Verkehrssünderkartei "Fußball"

Verkehrssünder im Fußball
Verkehrssünder im Fußball FOTO: dpa, chc hak hpl
Düsseldorf. Raserei auf der Autobahn, Fahren ohne Führerschein und eine Verfolgungsjagd mit einer Straßenbahn: Die Kartei der Verkehrssünder im Fußball ist lang. Nun hat sich auch der Leverkusener Abwehrspieler Jonathan Tah in die Liste eingetragen. Von Antje Rehse

Der Nationalspieler muss für einen Monat seinen Führerschein abgeben, weil er sich auf der A46 bei Neuss eine Art Privatduell mit einem anderen Fahrer geliefert haben soll. Die Konsequenz: ein Monat Fahrverbot, 600 Euro Bußgeld und zwei Punkte in Flensburg. Von seinem Verein muss er keine Konsequenzen fürchten. Damit kommt Tah im Vergleich mit anderen Fußballern noch vergleichsweise glimpflich weg. 

Marco Reus musste 2014 wegen Fahrens ohne Führerschein nämlich eine satte Geldstrafe in Höhe von 540.000 Euro bezahlen. Der 25-Jährige hatte seit September 2011 insgesamt fünf Bußgeldbescheide wegen überhöhter Geschwindigkeit bekommen, ohne jedoch überhaupt eine Fahrerlaubnis zu besitzen. Reus hatte nie eine Prüfung gemacht. "Marco hat sich zu dem Schritt entschieden, ohne Führerschein zu fahren, als er 18 oder 19 Jahre alt war. Anschließend erst kam diese unfassbare Prominenz", hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke damals der "Welt" gesagt. "Da konnte er natürlich schwerlich zu einer Fahrschule fahren und sagen: "Ich möchte gern den Führerschein machen'. Das wäre ja sofort rausgekommen, und es war ja bekannt, dass er schon zuvor Auto gefahren war." Mittlerweile ist Reus aber ganz legal mit Fahrerlaubnis auf den Straßen unterwegs.

Löw musste Zug fahren

Wie es ist, wenn man ohne Führerschein von A nach B kommen muss, weiß auch der Bundestrainer. Joachim Löw geriet vor der WM 2014 in die Schlagzeilen, weil er zu oft zu schnell unterwegs war und seinen Führerschein zeitweise abgeben musste. "Es gibt da nichts schön zu reden, natürlich muss ich jetzt mit den Konsequenzen leben und nutze häufig die Bahn", sagte Löw damals und betonte, seine Lektion gelernt zu haben. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff fand die ganze Angelegenheit aber gar nicht schlimm: "Das ist nichts besonderes, so etwas passiert. Wir werden mit unserem Generalsponsor Mercedes-Benz sprechen, dass man Jogi nur noch Autos gibt, die tempolimitiert sind."

Die offizielle Karnevalsparty seines Vereins wurde derweil 2012 Miso Brecko zum Verhängnis. Der damalige Profi des 1. FC Köln wurde mit 1,7 Promille getestet, nachdem er mit seinem BMW X5 einer Straßenbahn gefolgt war und sich im Gleisbett seine Reifen und den Unterboden zerstört hatte. Auch der Slowene musste den Lappen abgeben. Weitere Beispiele für Fußballer, die in Flensburg Punkte gesammelt haben, finden Sie hier.

Sportwagen für Offensivspieler

Immerhin: Breckos Gefährt passte zur Position. Denn wie das englische Gebrauchtwagenportal Carspring herausgefunden haben will, fahren Verteidiger genau wie Torhüter besonders gerne Geländewagen. Die extravaganten Sportwagen, mit denen sich die Fußballer immer wieder gerne zeigen, sind demnach vor allem eine Marotte der Offensivspieler. 35 Prozent der Stürmer und 46 Prozent der Mittelfeldspieler fahren einen Sportwagen. Bei den Torhütern sind es nur 6 Prozent.

Angreifer also gleich Angeber? Das Protzen mit dem Auto gehört bei vielen Torjägern jedenfalls zum guten Ton. Cristiano Ronaldo präsentiert bei Instagram regelmäßig seinen Fuhrpark an Luxus-Sportwagen. Bugatti, Ferrari, Lamborghini - hauptsache italienisch. Auch der Dortmunder Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang liebt es schnell und bunt. Max Kruse wurde in Freiburg "Maserati-Max" genannt und verblüffte während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach mit einem Maserati in Tarnfarben. "Ein sehr wertvolles Auto ist für Profis ein allseits wahrnehmbares Erkennungszeichen für herausragenden Erfolg", sagte Bernhard Schlag, Professor für Verkehrspsychologie an der Technischen Universität Dresden, vor einigen Jahren dem "Spiegel". 

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Dass auch blutjunge Profis oftmals als Fahranfänger zum Sportwagen greifen, ist der Spielergewerkschaft VDV ein Dorn im Auge. Sie veranstaltet in den Jugendleistungszentren Workshops, um die angehenden Profis auch in dieser Hinsicht zu beraten. Wegen der üppigen Gehälter, die im Fußball gezahlt werden, ist die Versuchung aber groß. So schrieb der damals 18-jährige Donis Avdijaj 2014 schon mit einem Unfall Schlagzeilen, den er mit seiner Luxus-Karosse gebaut hatte, bevor er überhaupt sein erstes Bundesliga-Spiel absolviert hatte. Schalke-Präsident Clemens Tönnies sagte damals: "Ich hätte mir in seinem Alter vielleicht noch nicht so ein großes Auto gekauft. Für uns ist aber wichtig, dass er gut Fußball spielt und Tore schießt." Das tut der mittlerweile 21-Jährige derzeit nur in der zweiten Mannschaft. Bei Schalke-Trainer Domenico Tedesco spielt er keine Rolle.

 
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