Bundesliga
| 08.30 Uhr
Beckenbauers Wort zum Spieltag
Kaiser Franz und die empfindlichen Holländer
Sprüche von und über Franz Beckenbauer
Sprüche von und über Franz Beckenbauer FOTO: AP
Düsseldorf. Der große Völkerforscher Franz Beckenbauer hat die Welt mit einer neuen Einsicht beschenkt. Sie entstammt der jahrzehntelangen begleitenden Beobachtung der Niederländer an sich und der ein paar Jahre kürzeren Feldstudie über den niederländischen Staatsbürger Arjen Robben im Besonderen. Von Robert Peters

Und also sprach der Ehrenpräsident des FC Bayern München, bevor sich seine Mannschaft in der Champions League unspektakulär mit 1:0 beim OSC Lille durchsetzte, über Robben, der am Erfolg in Frankreich aus gesundheitlichen Gründen nicht mitwirken konnte: "Er ist ein bisschen empfindlich. Aber er ist ein Holländer, die sind alle ein bisschen empfindlich."

Im erstaunten Publikum das Kaisers befand sich zumindest einer, der eine derart gekonnte Einschätzung gewiss aus eigenem Wesen hätte bestätigen können. Für eine entsprechende Fußnote fand sich allerdings der wie Robben im Land unseres westlichen Nachbarn aufgewachsene und als Fußballer von Welt erzogene Ruud Gullit nicht bereit.

Robben seinerseits hatte der Schlussfolgerung seines Ehrenpräsidenten Nahrung gegeben, indem er im für derartige Bemerkungen sicher aufgeschlossenen niederländischen Fernsehen Rücktrittsgedanken in die Kamera gejammert hatte. Nach vierwöchiger Verletzungspause sei ihm die Idee im Kopf herumgegeistert, mit 28 Jahren "die Fußballschuhe abzugeben und Schluss zu machen". Seine Landsleute haben dazu verständnisvoll genickt, und beim FC Bayern brach augenblicklich bestürzte Betriebsamkeit aus. Erst das große Wort des großen Beckenbauer ließ alle innehalten, weil er wieder mal bewiesen hatte, dass alles sowieso nicht so schlimm ist.

Vielleicht hätte er das vor knapp 40 Jahren auch mal seinem alten Kumpel Johan Cruyff stecken können. Den traf die Niederlage im WM-Finale gegen vergleichsweise schrecklich unbegabte Deutsche so ins Mark, dass er seine Karriere im Nationalteam aufgab und seither als Obernörgler von Holland in Erscheinung tritt. Das reichte ihm aber nicht. Er war derart beleidigt, dass er den FC Barcelona erfand, der bis in des Kaisers Ehrenpräsidentschaft nun die Bayern ärgert.

Robbens Empfindsamkeit ist zum Glück nicht so nachhaltig, dass er gleich morgen zur Gründung des nächsten Fußballriesen auf dem Kontinent aufbricht. Schon ein paar Stunden nach Beckenbauers Wort zum Spieltag sagte der Holländer mannhaft entschlossen: "Keine Sorge, ich bin bald wieder da! Rücktritt? Absolut nicht."

Vielleicht muss der Völkerforscher Franz seine Theorie noch mal überprüfen.

Quelle: RP/can/rm
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