Gladbach zu Gast in Wolfsburg: Kaufrausch gegen Kontinuität
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 13:16Mönchengladbach (RP). Wolfsburg und Mönchengladbach stehen für zwei unterschiedliche Entwürfe. Die Niedersachsen setzen auf ständigen Personalwechsel, die Niederrheiner auf einen festen Stamm. Heute Nachmittag (15.30 Uhr/Live-Ticker) treffen die Teams in der Bundesliga aufeinander.
Kennen Sie Felipe Lopes? Ricardo Rodriguez? Oder Slobodan Medojevic? Nein? Es sind Spieler des VfL Wolfsburg. Sie nicht zu kennen, ist aber kein Problem. Denn die meisten werden eh bald wieder weg sein. Willkommen in Wolfsburg – dem Kaufhaus der Bundesliga.
Wenn Borussia Mönchengladbach Richtung Niedersachsen reist, wird Lucien Favre mit seiner Mannschaft auf einen runderneuerten Gegner treffen. Wolfsburg-Coach Felix Magath gab allein in diesem Winter mit freundlicher Unterstützung von Hauptsponsor Volkswagen 29 Millionen Euro für acht neue Spieler aus. Und das ist bei weitem keine Ausnahme.
97 Spieler für 159 Millionen Euro
In den vergangenen zehn Transferperioden in Wolfsburg, Schalke und wieder Wolfsburg verpflichtete Magath unglaubliche 97 Spieler für insgesamt 159 Millionen und schickte 86 Akteure weg. Er holte auf Schalke Auslaufmodelle wie Ali Karimi und Angelos Charisteas, zaubert auch heute immer wieder völlig unbekannte Namen für viel Geld aus dem Hut.
Die meist wenig gutwillig ausfallenden Urteile über seine Transferpolitik tut Magath als "haarsträubend" ab. Er inszeniert sich lieber als sorgenvoller Trainer-Vater. In einem Interview mit dem Magazin "11 Freunde" betonte Magath noch im Dezember, er habe sich im vergangenen Jahr sehr gefreut, zum VfL Wolfsburg zurückzukehren, um seine ehemaligen Spieler wiederzusehen. Nur: Welche meint er genau? Denn im Februar 2012 stehen noch genau zehn seiner Schützlinge, die er 2009 nach der Meisterschaft zurückgelassen hatte, im Kader. Unter ihnen zwei Ersatztorhüter.
Vor dem ersten Heimspiel der Rückrunde bat Magath die Fans deshalb in Bezug auf seine vielen neuen Gesichter: "Gebt ihnen eine faire Chance, und nehmt sie in die VfL-Familie auf." Eine Familie, in der die meisten spielenden Mitglieder ein Haltbarkeitsdatum von ein paar Monaten haben. Stolze 35 Akteure hat Felix Magath in dieser Spielzeit bereits eingesetzt – und damit seinen eigenen Rekord (2001 in Frankfurt) eingestellt.
"Was Magath macht", sagt Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl, "kann in der Liga kein anderer machen. Aber selbst wenn ich könnte: Für mich wäre das nichts. Unsere Philosophie im Klub ist es, eine Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln, dabei aber auf einen festen Spielerstamm zu setzen."
Acht der elf heute auflaufenden Gladbacher spielen seit mindestens 2009 im Verein, drei kommen aus der eigenen Jugend. Martin Stranzl, Mike Hanke (der übrigens auch mal für den heutigen Gegner stürmte) und Havard Nordtveit sind die "jüngsten" Zugänge – sie kamen vor genau einem Jahr, als auch Eberl einmal auf dem winterlichen Markt zuschlug. Ihre Verpflichtungen werden inzwischen als Paradebeispiel für gelungene Notkäufe gesehen – das Trio kam zu Schnäppchenpreisen, trug jedoch in hohem Ausmaß zur Stabilisierung der Mannschaft und der daraus resultierenden Wunderrettung bei.
Gladbach plant für die Zukunft
In diesem Winter investierte Borussia Mönchengladbach nur in die Zukunft, verpflichtete Alexander Ring und Tolga Cigerci. Beide sind Nachwuchsspieler mit Perspektive für die Mittelfeldpositionen. Cigerci sah solche Perspektiven im Wolfsburger Team unter Felix Magath nicht mehr.
"Wolfsburg hat viel investiert, aber auch gute Spieler geholt", sagt Borussias Trainer Lucien Favre vor dem Spiel seiner Mannschaft in der Autostadt. Vor allem in den Heimspielen sei der VfL eine echte Größe, erklärt der Schweizer, der nicht einmal darauf verweisen muss, dass sich Mönchengladbach bei den zurückliegenden Auftritten in Wolfsburg sehr schwer tat. Das wissen die Borussen ohnehin.
Dass Geld jedoch nicht immer die entscheidenden Tore schießt, musste Felix Magath bereits zur Kenntnis nehmen. Denn den bislang einzigen Rückrundentreffer für den runderneuerten VfL Wolfsburg erzielte ein gewisser Sebastian Polter. Ein 18-Jähriger, der aus der eigenen Jugend kam.
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