Bundesliga: Kellerkinder rüsten zur Aufholjagd
zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 08:36Berlin (RPO). Der VfL Bochum stärkt den Teamgeist, der 1. FC Nürnberg setzt auf neues Personal, und Hertha BSC Berlin peilt nicht weniger als ein Wunder an: Die drei Kellerkinder der Fußball-Bundesliga haben die Hoffnungen auf den Klassenerhalt noch lange nicht aufgegeben.
Dabei verfolgt das Trio in der Vorbereitung auf die Rückrunde unterschiedliche Strategien, die aber alle nur eines zum Ziel haben: den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit zu vermeiden.
Beim Club sollen dies vor allem prominente Zugänge und ein neuer Trainer richten. Coach Dieter Hecking, Nachfolger des entlassenen Michael Oenning, warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen: "Eine Garantie kann ich nicht geben. Es wäre vermessen, wenn ich sagen würde, dass nun alles toll ist, nur weil der Hecking da ist."
Hoffnungen machen die Wintertransfers Andreas Ottl und Breno, die beide vom Rekordmeister Bayern München ausgeliehen wurden und sich beim 1:0 im Test gegen den Zweitligisten MSV Duisburg gut einfügten. Hecking jedenfalls fand nur lobende Worte: "Breno tut uns mit seiner Ausstrahlung gut, und Ottl gibt sofort Kommandos. Er soll ein Eckpfeiler des Teams sein. Solche Leute haben in der Hinrunde gefehlt."
Dies kann man als Seitenhieb auf Mittelfeldspieler Peer Kluge verstehen, der Nürnberg in Richtung Schalke 04 verließ. "Reisende soll man nicht aufhalten. Ich kann hier nur mit Spielern arbeiten, die sich hundertprozentig mit der schweren Aufgabe identifizieren", sagte Hecking.
Auch Hertha hat mit Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen), Lewan Kobiaschwili (Schalke) und Roman Hubnik (FK Moskau) personell aufgerüstet, doch das Trio allein wird den Zehn-Punkte-Rückstand auf das rettende Ufer nicht wettmachen können. Gerade weil die Situation so hoffnungslos scheint, demonstrieren die Klubbosse und Trainer Friedhelm Funkel im Traingslager auf Mallorca Zweckoptimismus.
Präsident Werner Gegenbauer meinte gar, die Chancen auf den Klassenerhalt würden größer sein als die auf den Abstieg: "Auch wenn unsere Chancen nicht mehr weit über 50 Prozent liegen, wir werden sie nutzen." Manager Michael Preetz forderte von der Mannschaft in der Rückrunde "25 Punkte Plus x". Nach seiner Rechnung hätte der Tabellenletzte, der in der blamablen Hinrunde nur sechs Zähler einfuhr, am Ende mindestens 31 Punkte auf dem Konto. Diese Ausbeute hatte in der vergangenen Saison für den Klassenerhalt gereicht.
Eine wesentlich bessere Ausgangsposition besitzen die Bochumer mit derzeit 16 Zählern und dem Relegationsplatz. Da dem Revierklub das Geld für teure Zugänge fehlt, soll der teaminterne Zusammenhalt gestärkt werden. Dafür organisierte Trainer Heiko Herrlich eine Zwei-Tages-Tour ins Karwendelgebirge inklusive Bergwanderung auf den 2102 m hohen Schafreuter.
"Wir wussten nicht genau, wie die Mannschaft diese Maßnahme annimmt. Doch die Tour ist bei allen gut angekommen, und die Mannschaft ist enger zusammengerückt", sagte Herrlich.
Nicht mit dabei war Anthar Yahia. Der algerische Nationalspieler, der seit geraumer Zeit an einer Schambeinverletzung laboriert, wird den Bochumern auch in der nächsten Zeit nicht zur Verfügung stehen. Der 27 Jahre alte Abwehrspieler will zum Afrika-Cup nach Angola reisen, was beim VfL auf Unverständnis stößt.
"Das gefällt uns natürlich gar nicht. Wir sehen die Gefahr, dass Anthar wieder in eine Drucksituation gerät und plötzlich für Algerien spielen muss, obwohl er noch nicht fit ist", sagte VfL-Manager Thomas Ernst.
Unterdessen bestätigte Ernst das Interesse an der Verpflichtung des serbischen Nationalspielers Milos Maric vom belgischen Erstligisten AA Gent, der als Ersatz für Shinji Ono kommen soll. Der Japaner möchte in seine Heimat zurückkehren.
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