1. Bundesliga 16/17
| 10.25 Uhr

Hingucker des 30. Spieltags
Ein Manager wird "handgreiflich" und ein Oldie jagt Rekorde

Allofs muss in Bremen auf die Tribüne
Allofs muss in Bremen auf die Tribüne FOTO: dpa, crj jai
Düsseldorfer. Claudio Pizarro erlebt seinen mindestens dritten Frühling, Klaus Allofs geht auf Tuchfühlung mit dem Vierten Offiziellen und Kevin Kampl feiert ein Traum-Comeback. Das waren die Hungucker des 30. Bundesliga-Spielags.

Fehlgriff des Tages: Klaus Allofs

Nach seinem folgenschweren Fehlgriff plagte Klaus Allofs das schlechte Gewissen. "Ich wollte zwischen unserem Trainer und dem vierten Offiziellen schlichten und habe seinen Arm runtergedrückt", sagte der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg und entschuldigte sich flugs: "So etwas macht man nicht."

Was war passiert? Es läuft die 54. Minute des Nordduells bei Werder Bremen, als Wolfsburg-Coach Dieter Hecking sich lautstark über ein Foul des Bremer Verteidigers Santiago García beschwert. Der vierte Offizielle Christian Fischer ermahnt Hecking, Allofs springt seinem Trainer, nicht nur verbal, zur Seite - und fliegt vom Platz. Den Rest des Wolfsburger Trauerspiels (2:3) muss der VfL-Manager von der Tribüne aus verfolgen.

"Es war die richtige Entscheidung", sagte Allofs zum ungewöhnlichen Platzverweis durch Schiedsrichter Wolfgang Stark. Die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte Weserstadion hatte er sich anders vorgestellt. Dies hatte allerdings weniger mit seinem Fehlgriff als mit der erschreckend schwachen Leistung seiner Profis zu tun.

Comeback des Tages: Kevin Kampl

Kevin Kampl konnte sein Glück kaum fassen. Nachdem er mit seinem ersten Ballkontakt in der Bundesliga seit fast zwei Monaten Bayer Leverkusen 1:0 gegen Eintracht Frankfurt in Führung geschossen hatte, setzte er zum Spurt an und sprang seinem Trainer Roger Schmidt in die Arme.

"Eigentlich sollte ich noch nicht zum Kader gehören, dann hat sich der Trainer aber doch für mich entschieden, und ich durfte sogar 20 Minuten spielen. Das war ein tolles Gefühl", sagte der 25-jährige Slowene, der exakt 36 Sekunden nach seiner Einwechslung die Werkself auf die Siegerstraße geschossen hatte.

"Ich wusste gar nicht, dass er so mit Brachialgewalt schießen kann. Ich wollte ihn eigentlich heute gar nicht einwechseln, aber wir haben ihn gebraucht", kommentierte Schmidt nach dem 3:0 gegen die Hessen den Auftritt seines Jokers, für den im Februar noch das Saison-Aus befürchtet worden war. Bei der 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund am 21. Februar zog sich der Mittelfeldspieler einen Wadenbeinbruch zu. Nach den düsteren Prognosen im Winter freute sich Kampl umso mehr über seinen zweiten Saisontreffer, der zugleich der 2100. in der Bundesligageschichte von Bayer war.

Fotos: Leverkusens Kampl trifft mit erstem Ballkontakt seit zwei Monaten FOTO: dpa, skm

Rekord des Tages: Claudio Pizarro

Claudio Pizarro genoss das Bad in der Menge und ließ sich von seinen Mitspielern feiern, doch reden wollte Werder Bremens neuer Rekord-Torjäger nicht. Statt Worten ließ er Samstag ausschließlich Taten sprechen: Mit dem wichtigen 1:0 gegen den VfL Wolfsburg erzielte der Sturm-Oldie sein 102. Bundesliga-Tor (184 Ligaspiele) für die Grün-Weißen und schwang sich zum alleinigen Rekord-Torschützen des Klubs auf.

Mit dem verwandelten Foulelfmeter überflügelte Pizarro am Samstag den heutigen Aufsichtsrats-Chef Marco Bode, dem 101 Treffer für die Bremer gelangen. Ganz nebenbei war es seine elfte (!) Bude in der Rückrunde, gegen die Wölfe traf er in seinem fünften Bundesliga-Spiel in Folge. Eine solche Serie war dem heute 37-jährigen Pizarro zuletzt im Frühjahr 2001 als 22 Jahre alter Jungspund geglückt.

Der Altmeister, dessen Vertrag an der Weser im Sommer ausläuft, erweist sich für die Bremer im Abstiegskampf immer mehr als personifizierte Lebensversicherung. Zweimal musste der peruanische Nationalspieler (Faserriss in der Bauchmuskulatur} zuletzt passen, zweimal verloren die Bremer. In den letzten vier Partien mit Pizarro holten die Bremer zehn Punkte.

Kletter-Verweigerer des Tages: Julian Nagelsmann

Nein, auf den Zaun zu klettern und mit den Fans zu feiern, das wäre doch etwas übertrieben gewesen. 1899 Hoffenheim hat unter Julian Nagelsmann einen Lauf und in zehn Spielen nun 20 Punkte gesammelt - nur der FC Bayern und Borussia Dortmund waren in diesem Zeitraum erfolgreicher. Für das in der Bundesliga geliebte Ritual ist der 28-jährige Trainer-Novize aber (noch) nicht zu haben. "Ich hab' mich als Kind oft beim Klettern verletzt, schlechte Erfahrung. Wenn wir sicher in der Liga bleiben, dann kann sein, dass ich mal so einen Ausflug wage - auf den Zaun oder zumindest an den Rand des Zauns", sagte er nach dem 2:1 (1:1) am Samstag gegen Hertha BSC.

So war es für Nagelsmann nur ein weiterer wichtiger Sieg im Abstiegskampf. Keinen Grund, groß darauf anzustoßen. "Ich hatte Durst beim Spiel, ich hab' mir ein stilles Wasser genommen und mich gefreut, dass die Mannschaft glücklich ist und mit den Fans gefeiert hat." Der Blick auf die anderen Ergebnisse gaben ihm recht. "Es bleibt unten schön kuschelig in der Region, in der wir uns befinden. Kuschelig ist Gott sei Dank nicht so schlecht im Leben - vor dem Kamin. In der Tabelle eher ungünstig." Immerhin hat Hoffenheim als 13. nun sieben Punkte Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz. "Noch ein Sieg, und es müsste reichen", meinte Mäzen Dietmar Hopp.

Faustpfand des Tages: Alfred Finnbogason

Nach seinem nächsten wichtigen Treffer für den FC Augsburg freute sich Goalgetter Alfred Finnbogason erst mal auf ein Steak. Eine Belohnung hatte sich der isländische Stürmer nach seinem fünften Saisontor beim 1:0 (1:0) gegen den VfB Stuttgart auch verdient. Denn der 27-Jährige wird immer mehr zum Faustpfand der Augsburger im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Viermal traf Finnbogason in den vergangenen fünf Spielen. Auf ihn ist Verlass.

"Er ist immer am Wühlen. Weltklasse, dass er das Tor macht", lobte Verteidiger Philipp Max die Leihgabe von Real Sociedad San Sebastián.
Offensivmann Halil Altintop bescheinigt Finnbogason "Topniveau", er habe diese "gewisse Kaltschnäuzigkeit". Diese hob auch Stefan Reuter hervor. "Wenn er Chancen im 16er hat, ist er da", betonte der FCA-Manager, der sich in "guten Gesprächen" wegen eines Verbleibs des Torjägers über den Sommer hinaus wähnt.

Finnbogason bewertete seine Leistung zurückhaltend. "Das wichtigste ist, dass ich der Mannschaft mit Toren helfen kann", erklärte er in hervorragendem Deutsch und attestierte sich den für einen Torjäger nötigen Instinkt. Nach Erfolgen nacheinander will Finnbogason mit dem FCA nun im Kampf um den Klassenverbleib nachlegen. "Ich hoffe, wir können eine Serie von mehreren Siegen machen", sagte er.

Ironie des Tages: Hannover 96

Fast-Absteiger Hannover 96 hat mit dem umjubelten 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach sieben Rückrundenpunkte geholt. Damit kann das Team nicht mehr die schlechteste Rückrunden-Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga werden.

Ironie des Schicksals: Der Negativrekord bleibt dennoch bei Hannover 96. In der Saison 1985/86 spielte das sieglose 96-Team viermal Remis in der Rückserie. Der Minuswert von vier Punkten wurde sogar von Tasmania Berlin übertroffen. Der legendäre Verlierer-Klub sammelte 1965/66 immerhin sechs Zähler in der Rückrunde.

Spieler des Tages: Robert Lewandowski

Damit müssen Torjäger leben. Dass ihnen die Minuten vorgerechnet und die Spiele aufgezeigt werden, in denen sie schon nicht mehr getroffen haben. 390 Minuten und vier Spiele waren es bei Robert Lewandowski gewesen, ehe er beim 3:0 gegen Schalke seine Flaute beendete.

Mit seinen Ligatoren Nummer 26 und 27 brachte der Pole, der zuletzt in Lissabon gar nur auf der Bank gesessen hatte, den bis dahin sehr müden FC Bayern auf die Siegerstraße. "Ich freue mich sehr", meinte Lewandowski anschließend entspannt und lächelte bei der Frage, ob er in einer Krise gesteckt habe: "Das war natürlich keine Krise. Du kannst nicht die ganze Saison treffen. Man muss Geduld haben."

Vier Spiele hat Lewandowski, der insgesamt schon 38 Pflichtspieltreffer in dieser Saison erzielt hat, nun noch die Möglichkeit, als erster Stürmer seit knapp 40 Jahren wieder die 30-Tore-Marke in der Bundesliga zu knacken. 1976/77 hatte der Kölner Dieter Müller 34-mal getroffen. Karl-Heinz Rummenigge(1980/81) und Klaas-Jan Huntelaar (2011/12) mit jeweils 29 Treffern kamen Müller am nächsten. "Ich kann das versuchen", meinte Lewandowski lapidar - wohl wissend, dass es bei Torjägern auch Flauten geben kann.

Notbremse des Tages: Rene Adler

Der Hamburger SV erlebte am Sonntag eine Partie zum Vergessen. Nach einem guten Beginn schockte der BVB die Gäste mit zwei Treffern vor der Halbzeit. Auch nach Wiederanpfiff sollte es für den HSV nicht besser werden. Nach einer Notbremse an Shinji Kagawa sah Torwart Rene Adler die Rote Karte und musste vom Platz. Später erzielte Adrian Ramos das 3:0 für die B-Elf von Borussia Dortmund und nach einer Verletzung von Albin Ekdal musste der HSV das Spiel mit acht Feldspielern über die Bühne bringen.

 

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