Köln siegt in München: Klinsmanns Aschermittwoch
zuletzt aktualisiert: 22.02.2009 - 08:29München (RPO). Christoph Daum genoss seinen ersten Sieg bei Bayern München, die glückseligen Kölner Anhänger feierten auf der Tribüne ausgelassen Karneval - der deutsche Rekordmeister dagegen erlebte durch die dritte Niederlage im vierten Rückrundenspiel einen sportlichen Aschermittwoch.
Bayern München spielte beim 1:2 (0:2) gegen den kessen, selbstbewussten Aufsteiger 1. FC Köln miserabel. In der vielleicht wichtigsten Phase der Saison hat sich die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann eine unwillkommene Auszeit genommen.
"Wir müssen jetzt schnell die Kurve kriegen", mahnte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge mit gerötetem Kopf nach der zweiten Pleite der Saison in der eigenen Arena und ergänzte: "Wir müssen schauen, dass wir schon am Mittwoch damit anfangen."
Dann bestreitet der FC Bayern das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Sporting Lissabon. Noch ein Rückschlag, und die hohen Ziele der Münchner unter Klinsmann drohen außer Sichtweite zu geraten. Staatsmännisch betonte Rummenigge schon mal vorsorglich: "Wir werden nicht hektisch werden."
Trainer Jürgen Klinsmann steht gewaltig unter Druck. Ein Ausscheiden in der Champions League könnten weder er noch der Klub verkraften. Es müssen nächste Woche zwei Siege her.
Der Rekordmeister bedankte sich derweil bei den derzeitigen Konkurrenten im Mehrkampf um die Meisterschaft, dass die Titelverteidigung nicht schon längst zu einer Utopie geworden ist. "Ich bin nicht so pessimistisch, dass ich nach heute schwarz sehe, in der Tabelle ist nicht viel passiert", sagte Rummenigge unmittelbar nach dem Spiel. Er war sich aber auch einig mit Manager Uli Hoeneß, der betonte, bei den vorangegangenen Pleiten habe die Mannschaft wenigstens noch gut gespielt: "Berlin und Hamburg waren okay, das heute war nicht okay."
Lasche Zweikämpfe, Abwehrschwächen und keine Ideen in der Offensive, "wir waren schlecht", sagte Klinsmann. Vor allem erzürnte ihn der "viel zu hektische Spielaufbau" nach dem Rückstand durch Fabrice Ehret (22.), dem bald darauf noch der Gegentreffer durch Daniel Brosinski (34.) folgte. Und er bemängelte: "Man muss erst mal mit Feuer in die Zweikämpfe gehen und dem Gegner den Scheid abkaufen."
Glück auf Kölner Seite
Womöglich wäre das Spiel anders gelaufen, hätte Schiedsrichter Babak Rafati (Hannover) nicht in der 13. Minute auf Geheiß seines Assistenten Christoph Bornhorst (Damme) einen Treffer von Miroslav Klose zu Unrecht aberkannt. Schon zuvor gab es eine Szene, bei der Klose im Strafraum von Kölns Super-Sechser Petit über den Haufen gerannt worden war. Einen Elfmeter gab es freilich nicht.
"Da hatten wir Glück", gab Daum zu. Er attestierte den Bayern zudem, die "bessere Mannschaft" gewesen zu sein. Doch Rummenigge betonte: "Bis auf die letzten zehn Minuten haben wir es nicht geschafft, die Kölner unter Druck zu setzen." Der Treffer von Daniel van Buyten fiel tatsächlich zu spät (84.).
Die Kölner verkauften sich in der Arena glänzend: selbstbewusst, diszipliniert, laufstark. "Viele Spieler sind an ihre Leistungsgrenze gegangen", lobte Daum. In einer durchweg homogenen Mannschaft fiel besonders Nemanja Vucicevic auf, der beide Treffer der Gäste mit viel Geschick einleitete. "Die Mannschaft hat mit unglaublich viel Herz gespielt", sagte Daum und betonte, dieser Sieg sei schon "ein Meilenstein" für seine Auswahl: "Beim kommenden deutschen Meister zu gewinnen, ist schon etwas Besonderes."
Daum wünscht Bayern nur noch Siege
Für den erkennbar gerührten Daum war der Erfolg auch persönlich eine Genugtuung: Noch nie hatte er als Trainer in München gegen den FC Bayern gewonnen. "Erstmals hier zu gewinnen, ist schon etwas, was mich bewegt", gab er gerne zu. Ausflippen mochte er aber deswegen nicht. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff nahm er Klinsmann tröstend in den Arm, vor dem Eintauchen in den heimischen Karneval sagte er dann auch: "Ich wünsche dem FC Bayern, dass das die letzte Niederlage in dieser Saison bleibt. Und das meine ich ehrlich."
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