Talente beim BVB: Klopp macht Dortmund jung
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 15.07.2009 - 07:22Donaueschingen (RP). Der BVB ist sparsam geworden. Aus der finanziellen Not besann sich der Fußball-Bundesligist auf die Nachwuchsförderung. Der Trainer setzt auf Talente wie Subotic, Hummels, Santana und Sahin.
Borussia Dortmund will hoch hinaus. Die Spieler haben das deswegen schon mal geübt. In einem Klettergarten hangelten sich die Profis über eine 26 Meter hohe Schwarzwälder Steilwand, abgesichert, versteht sich. Nicht jeder war gleich begeistert vom neuesten Farbtupfer des Trainingslagers, besonders die unfreiwilligen Alpinisten mit ausgeprägter Höhenangst genossen eher die Rückfahrt ins Mannschaftshotel in Donaueschingen. Trainer Jürgen Klopp aber sieht den Ausflug in luftige Höhen als willkommene Abwechslung im Alltag. „Trainingslager sind nie leicht”, sagt er, „drei Einheiten am Tag über eine Woche. Da gibt es dann vor allem morgens nur das reine Leiden.” Klopp lächelt.
Ganz so freudlos ist die Lage eben nicht bei den Dortmundern. Dazu besteht nach einer überwiegend überraschend guten Vorsaison auch kein Grund. Dass die Mannschaft, der im Endspurt beinahe noch der Einzug in die Europa League gelang, mit erfreulich bescheidenen Mitteln personell verstärkt wurde, trübt die Stimmung natürlich ebenfalls nicht.
Dortmund, das zum Ende der 90er Jahre eine verhängnisvolle Verschwendungssucht an den Tag legte, ist sparsam geworden, musste sparsam werden. Aus der finanziellen Not besann sich der Klub auf die Schönheiten der Nachwuchsförderung. Und wo er Geld ausgab, tat er es nicht mit dem Blick auf große Namen, sondern mit dem Auge für das große Talent. Die Innenverteidiger in Klopps Team sind dafür das beste Beispiel. Für Neven Su-botic, Felipe Santana und Mats Hummels blätterte der BVB zwar Millionen hin, aber nicht nur der Trainer ist überzeugt davon, „dass jeder Einzelne heute ein Vielfaches dessen wert ist, was wir für alle zusammen bezahlt haben. Deshalb war das eine gute Investition in die Zukunft”.
Sie führt die Borussia nun sogar in ein regelrechtes Luxusproblem. Denn Hummels, der mehr als ein halbes Jahr ausgefallen war, ist wieder fit. Beim EM-Titelgewinn der deutschen U21 in Schweden stellte er das mit einer beeindruckenden Leistung im Finale für viele sichtbar unter Beweis. Und da spielte er auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition und nicht an seiner angestammten Stelle in der zentralen Deckung. Hummels, den die Bayern ziehen ließen und dem sie gewiss noch ein paar dicke Tränen nachweinen werden, gilt als Deutschlands bester Nachwuchsmann in der Innenverteidigung. Er ist schnell, verfügt über ein erstaunliches Stellungsspiel, und er leidet nicht unter technischen Schwächen, die frühere Wörterbücher unter dem Stichwort „Lederallergie” führten.
Er macht Druck auf die Kollegen Subotic, den Klopp vor einem Jahr aus Mainz mitbrachte, und Santana, den der Coach in ein paar Monaten von einem schlaksigen Stolperer in einen sachlichen Verwalter des Defensivwesens verwandelte. Sie werden sich keine Nachlässigkeiten erlauben können. „Ich bin froh über so eine Situation”, sagt Klopp. Er darf in Dortmund seine ausgeprägte pädagogische Begabung ausleben, denn wenige Klubs verfügen über eine derartige Auswahl von Talenten. „Unser Ziel muss sein, die Jungs so zu entwickeln, dass sie für jeden Bundesligisten interessant werden, wenn sie es hier nicht schaffen”, erklärt der Trainer. Bei den Innenverteidigern ist es längst so weit. Sie halten jeden Vergleich mit der Konkurrenz aus.
Auch Nuri Sahin, den Klopps Vorgänger bereits abgeschoben hatten, bevor er 20 Jahre alt war, bekommt mittlerweile neben der Anerkennung des Trainerteams Einsatzzeiten in der ersten Elf. Er dankt es im defensiven Mittelfeld mit überragenden Leistungen. Und er wird nicht der letzte Twen sein, den Klopp zur Stammkraft in der Ersten Liga aufbaut. Auch deshalb ist die Laune gut bei den Dortmundern - den üblichen Trainingslager-Leiden zum Trotz.
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