St. Pauli besiegt Kaiserslautern: Kumpel "Stani" als Schleifer erfolgreich
zuletzt aktualisiert: 04.12.2010 - 13:49Hamburg (RPO). Der FC St. Pauli hat sich in der Fußball-Bundesliga nach sieben erfolglosen Wochen mit einem befreienden, wenn auch ein wenig glücklichen 1:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern zurückgemeldet. Dabei hat sich die zuletzt härtere Gangart des ansonsten eher kumpelhaften Trainers Holger Stanislawski offenbar bezahlt gemacht.
Es hätte ein ungemütlicher Abend für Holger Stanislawski werden können. Umso erleichterter war der Trainer des FC St. Pauli, nachdem seine Mannschaft die Talfahrt der vergangenen Wochen endlich gestoppt hatte. "Die Jungs haben sich richtig reingehängt und für den Sieg geackert, deshalb können wir uns über die drei Punkte wirklich freuen", sagte Stanislawski nach dem 1:0 (0:0) der Hamburger gegen den 1. FC Kaiserslautern. Das Erfolgsrezept deutete er nur kurz an: "Wir haben eine intensive Woche hinter uns. Es muss jedem klar sein, dass wir uns die Dinge immer wieder hart erarbeiten müssen."
Dass hinter der angemahnten professionellen Arbeitseinstellung mehr steckt, verdeutlichte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte. "Wir sind ein Verein, in dem es sehr menschlich zugeht. Aber irgendwann ist auch bei uns der Punkt erreicht, wo man mal reagieren muss", umschrieb der Manager das veränderte Klima beim Kiezklub. Im Klartext: Bei St. Pauli wehrt seit kurzem ein rauherer Wind.
Hatte Kumpel "Stani" sein Team nach den ersten Misserfolgen im Oktober und November noch mit Samthandschuhen angefasst, so ließ er nach der 0:3-Schlappe am vergangenen Wochenende bei Werder Bremen offenbar den Schleifer raushängen. "Wir haben in dieser Woche im Training etwas angezogen und wenig Rücksicht auf Regenerationsphasen genommen", berichtete der 41-Jährige. Mit dem Ergebnis war er zufrieden: "Die Jungs haben einiges davon umgesetzt, auch wenn man gemerkt hat, dass am Ende etwas die Kräfte schwanden."
Wie sehr es scheinbar nötig war, die Spieler mal wieder zur Räson zu bringen, verdeutlichte sich anhand einer weiteren auf St. Pauli eher ungewöhnlichen Maßnahme. Vor dem Spiel hatte Stanislawski gleich drei Stammkräfte wegen Disziplinlosigkeit aus dem Kader gestrichen: Carlos Zambrano, Charles Takyi und Deniz Naki. Was genau vorgefallen war, wollte der Coach nicht vertiefen ("Das gehört nicht in die Öffentlichkeit.") - nur soviel: "Es gibt in jeder Gruppe Verhaltensregeln. An diesen Kodex haben sie sich nicht gehalten."
Schulte machte deutlich, wie nötig die Disziplinarmaßnahme war: "Wenn wir uns in der Liga behaupten wollen, brauchen wir Spieler, die 100 Prozent geben." Ein Signal, das Wirkung zeigte. Bissig und kämpferisch wie lange nicht gingen die Braun-Weißen auf dem vom Schneefall schwer zu bespielenden Rasen des Millerntor-Stadions zu Werke. Wo es an fußballerischer Klasse mangelte, traten Zweikampfstärke und Entschlossenheit zu Tage. "Mir war vor allem wichtig, dass wir wieder mehr Zug zum Tor haben als zuletzt. Das habe ich gesehen", sagte Stanislawski.
Dass der Siegtreffer letztlich glücklich durch ein Eigentor des Lauterers Christian Tiffert (48. Minute) fiel, passte ins Bild. "Wir haben es irgendwie auch erzwungen", so Stanislawski. Da konnte auch sein Gegenüber Marco Kurz nicht widersprechen. "Wir waren die meiste Zeit viel zu passiv und sind erst nach dem Rückstand aufgewacht. Deshalb haben wir auch nicht mehr verdient", sagte der FCK-Coach, dessen Team nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen einen Rückschlag hinnehmen musste: "Wir haben die große Chance verpasst, uns unten etwas abzusetzen."
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Statistik
St. Pauli: Kessler - Rothenbach, Morena, Gunesch, Volz - Boll, Lehmann - Kruse (89. Schultz), Asamoah (64. Hennings), Bartels (75. Bruns) - Ebbers. - Trainer: Stanislawski
Kaiserslautern: Sippel - Dick, Amedick, Abel, Bugera - Tiffert (88. Nemec), Kirch - Ilicevic (87. Micanski), Moravek, Rivic (64. Hoffer) - Lakic. - Trainer: Kurz
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Tore: 1:0 Tiffert (48., Eigentor)
Zuschauer: 24.373
Beste Spieler: Kessler, Lehmann - Sippel, Moravek
Gelbe Karten: Morena - Amedick (3), Abel (3), Lakic (5)
Torschüsse: 19:12
Ecken: 2:3
Ballbesitz: 41:59 Prozent
Fouls: 11:15
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