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Manipulations-Vorwürfe in der Bundesliga: Kurioses Gegentor schürt Zweifel

zuletzt aktualisiert: 31.08.2008 - 10:35

Düsseldorf (RP). Die schweren Manipulations-Vorwürfe im deutschen Fußball werden immer konkreter. Der malaysische Wettpate William Bee Wah Lim soll auf dreiste Art und Weise mehrere Partien verschoben haben, darunter auch das Bundesliga-Match zwischen Hannover und Kaiserslautern am 26. November 2005.

Jürgen Macho hat seinen Vertrag bis 2008 verlängert.  Foto: RPO
Jürgen Macho hat seinen Vertrag bis 2008 verlängert. Foto: RPO

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, habe Lim insgesamt eine Million Euro auf einen Sieg der Norddeutschen gesetzt. Über seinen Mittelsmann Adrian Simm in Miri, einer Stadt am südchinesischen Meer, platzierte er die Wetten - und gab Simm auch noch großzügig 5000 Euro "Trinkgeld".

Die Partie verlief für Lim beängstigend gut - bereits nach einer halben Stunde führte Hannover mit 2:0. Premiere-Kommentator Michael Born meinte damals entgeistert: "Unfassbar. Das ist desolat, was Lautern hier macht. Am Ende gewann 96 mit 5:1 - und Lim verdiente mal schnell 2,2 Millionen Euro.

FCK-Spieler beteuern Unschuld

Besonders das erste Gegentor Kaiserslauterns in der 13. Minute war kurios. FCK-Keeper Jürgen Macho faustete eine Ecke derart schlecht weg, dass die Kugel einem Hannoveraner am Fünf-Meter-Raum vor die Füße sprang. Lauterns Verteidiger Lembi reagierte überhaupt nicht, wirkte wie erstarrt.

Macho, mittlerweile bei AEK Athen unter Vertrag, will von Manipulationen aber nichts wissen. Gegenüber dem "Spiegel" erklärt der Österreicher, dass er in seiner Karriere schon schlimmere Tore bekommen habe. Lembi beteuert ebenfalls, kein Fehlverhalten begangen zu haben: "Ich habe nie Geld genommen. Gott ist mein Zeuge!"

Auch Ex-Trainer Wolfgang Wolf hält nichts von den Anschuldigungen gegen den früheren Bundesligisten Kaiserslautern. "Es sind viele dumme Tore gefallen, aber so etwas kann man nicht mit Absicht machen. Ich glaube an die Unschuld der Spieler", sagte der Coach der "Bild am Sonntag" mit Blick auf die 1:5-Niederlage, die angeglich durch Manipulation zustande kam.

Für Wolf, der erst drei Tage vor der Partie sein Amt bei den Pfälzern angetreten hatte, ist eine Manipulation aber dennoch nicht völlig auszuschließen. "Allerdings lege ich nach dem Hoyzer-Skandal für niemanden meine Hand ins Feuer", erklärte der 50-Jährige und forderte eine rasche Aufklärung: "Ich will einen sauberen Fußball haben. Wenn etwas gewesen sein sollte, muss es aufgeklärt werden."

Ebenfalls von Lims Wett-Machenschaften betroffen sein soll die Zweitligapartie des Karlsruher SC gegen die Sportfreunde Siegen vom 7. August 2005 (2:0) sowie das WM-Achtelfinale 2006 zwischen Brasilien und Ghana (3:0). Bei Letzterem setzten die Zocker offenbar darauf, dass Ghana mit mindestens zwei Toren Differenz verliert.

Der frühere Zweitligist Siegen hat die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. "Ich höre das zum ersten Mal. Das ist in Spielerkreisen auch noch nie ein Thema gewesen, und ich kann mich auch an keinerlei Auffälligkeiten erinnern", sagte Peter Nemeth, beim ins Visier geratenen 0:2 Spieler und heute Trainer des in die fünfte Liga abgestürzten Klubs: "Wir waren sehr schlecht an dem Tag. Aber es war unser erstes Zweitligaspiel. Wir waren nervös, von der Kulisse beeindruckt und haben es an dem Tag einfach nicht besser hinbekommen."

DFB noch ohne Anhaltspunkte

"Man muss die Berichte ernst nehmen. Wir haben die Fifa unterrrichtet, weil sie für die WM zuständig ist. Präsident Blatter wird die Vorwürfe sicher nicht bagatellisieren", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der "Bild am Sonntag" und reagierte damit auf ein "Spiegel"-Interview des kanadischen Journalisten Declan Hill, der am Montag in der ARD-Sendung "Beckmann" (22.45 Uhr) zu Gast sein wird.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Ligaverband erklärten unterdessen, dass sie bislang keine Anhaltspunkte hatten, dass die genannten Begegnungen manipuliert worden sein sollen. "Es ist gut, dass Dinge auf den Tisch kommen, aber im Augenblick sind es nicht mehr als Verdachtsmomente", sagte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball beim Pay-TV-Sender Premiere.

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: "Es ist positiv, dass solche Dinge aufgedeckt werden." Gleichzeitig betonte der ehemalige Nationalmannschaftskapitän, dass sich die Installierung von Wett-Frühwarnsystemen bewährt habe.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Verdachtsmomente bekräftigen DFB-Präsident Theo Zwanziger und Rauball aber auch, dass beide Verbände eine umfassende Aufklärung der Angelegenheit anstreben und die Täter bei nachweisbaren Verfehlungen konsequent nach allen Möglichkeiten bestraft werden.

Bereits am Samstagvormittag wurde das Unternehmen Sportradar mit einer Analyse der genannten Begegnungen beauftragt. Vom Weltverband FIFA sowie den genannten Klubs gab es bis Samstagmittag noch keine Stellungnahme.

Lim war bereits verurteilt

Der Malaysier Lim war bereits im Juni 2007 vom Frankfurter Landgericht wegen versuchter Manipulation von Spielen in der deutschen Regionalliga und in Österreichs erster Liga zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Die jetzt auffälligen Spiele waren nicht Gegenstand des Prozesses gegen Lim. 

Lim, der gegen Melde-Auflagen und eine Kaution in Höhe von 40.000 Euro freigelassen wurde, ist dem Bericht zufolge im Ausland untergetaucht. Gegen ihn bestehe deshalb in Deutschland seit Mitte Januar ein Haftbefehl. Sein Anwalt hat sich zu den Recherche-Ergebnissen des "Spiegel" bislang nicht geäußert und lediglich bestätigt, Lim sei ins Ausland gereist.

Alle Spieler, deren Verbindungen zu dem Wettpaten der "Spiegel" offenlegte, wiesen unterdessen jegliche Schuld von sich.

Der DFB und die Liga wollen die Vorwürfe aber genau prüfen. Im Rahmen des Wettskandals 2005, der bei dem außerordentlichen DFB-Bundestag am 28. April 2005 in Mainz aufgearbeitet wurde, sind alle notwendigen Regelungen getroffen worden, dass eventuelle Spielmanipulationen mit der notwendigen Konsequenz geahndet werden können.

"In den aktuellen Fällen wird daher zeitnah alles, was an belegbaren Fakten zusammengetragen werden kann, gewissenhaft von DFB und DFL überprüft. Falls es erforderlich sein sollte, werden dabei die DFB-Rechtsgremien sofort Ermittlungen einleiten und ihre Entscheidungen treffen. Darüber hinaus werden DFB und Ligaverband wie in der Vergangenheit auch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden auf Wunsch bei ihrer Arbeit unterstützen", hieß es in der gemeinsamen Presseverlautbarung.

Die genannten deutschen Klubs müssen aber auf keinen Fall rückwirkend sportrechtliche Konsequenzen für den Spielbetrieb fürchten. Denn der DFB hatte ebenfalls in Mainz beschlossen, dass Vorwürfe, die nicht bis zum Ende einer Saison jeweils am 30. Juni bei der DFB-Sportgerichtsbarkeit angezeigt sind, anschließend keine Relevanz mehr für die Wertung von Spielen haben.

Auch Ex-Bundesligaspieler Anthony Baffoe, 2006 ghanaischer Teammanager, bezweifelt mögliche Manipulationen. "Ich kann mir so etwas absolut nicht vorstellen. Ich war täglich mit der Mannschaft zusammen und habe nichts von irgendwelchen Absprachen mitbekommen", sagte der 43-Jährige der Tageszeitung Die Welt.

Dennoch wird Baffoe, der heute als Berater des ghanaischen Verbands arbeitet, eine Untersuchung der Vorfälle anregen: "Wir werden mit den Spielern und Funktionären sprechen und gegebenenfalls zurückschießen, wenn sich die Vorwürfe nicht konkretisieren lassen."


 
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