Bayer Leverkusen: Leverkusen siegt – doch die Laune ist schlecht
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 10:36Leverkusen (RP). Die Leverkusener Fans pfiffen, und Thomas Tuchel verließ das Stadion wutschnaubend. Alle waren sie unzufrieden. Bayers Anhänger mit der Leistung beim Rückrunden-Auftakt ihrer Mannschaft - trotz des 3:2-Erfolgs.
Und der Mainzer Trainer mit der vielleicht folgenschwersten Entscheidung von Michael Weiner an diesem Abend. Der Schiedsrichter hatte die Partie kurz vor Schluss weiterlaufen lassen, obwohl der Leverkusener Verteidiger Michal Kadlec den Angreifer Adam Szalai gelegt hatte. "Das war ein Foul, wir hätten einen Elfmeter bekommen müssen", sagte der zur Pause eingewechselte Ungar ganz richtig.
Ebenfalls in der Nachspielzeit hatte der Mainzer Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting ja auch noch aus spitzem Winkel den Außenpfosten getroffen. Leverkusens Torhüter Bernd Leno, der lange nicht so souverän auftrat wie in den meisten Hinrundenspielen, stand das Glück zur Seite.
Es fehlte nicht viel und die Leverkusener Träume von einer erneuten Qualifikation für die Champions League hätten sich schon jetzt erledigt. Doch auch sieben Zähler Rückstand auf Borussia Mönchengladbach, das auf dem Qualifikationsplatz zu Europas mit Abstand wichtigstem Klubwettbewerb steht, sind angesichts der Konstanz der Spitzenklubs viel Holz. "Wir sind noch ein gutes Stück davon entfernt, über 90 Minuten eine gute Leistung zu bringen", sagte der Leverkusener Trainer Robin Dutt.
Die Lage der Mainzer hat sich zugespitzt. Sie stehen auf Rang 15 und damit unmittelbar vor dem Relegationsplatz. "Gier, Leidenschaft und Galligkeit" fehlten Tuchel bei seiner Mannschaft. Die Begegnung am kommenden Sonntag mit dem SC Freiburg bekommt in dieser Konstellation große Bedeutung.
Dutt verzichtete auf Angreifer Stefan Kießling und auf Spielführer Simon Rolfes. Viel brachte das nicht. Denn Eren Derdiyok als Sturmspitze und der nach einer Stunde ausgewechselte Michael Ballack gehörten zu den Enttäuschungen. Die Begleitumstände dieser Auswechslung führten wieder zu Diskussionen um das Verhältnis zwischen Trainer und Capitano, das sich zuletzt normalisiert hatte. Dutt, der sonst fast die ganze Zeit an der Linie stand, zog sich auf die Bank zurück, als Ballack vom Platz kam. Und der wiederum machte keine Anstalten, dem Trainer die Hand zu reichen. Erst in der Kabine kam man sich später wieder näher, wie Dutt berichtete.
Für Belebung hatte in der Anfangsphase der 18-jährige Danny da Costa gesorgt. Der rechte Außenverteidiger, der zuvor nur bei der 0:3-Niederlage beim FC Bayern München als überforderter Widersacher für Franck Ribéry zum Einsatz gekommen war, schlug den Ball so in die Mitte, dass ihn Zdenek Pospech ins eigene Tor lenkte. Nach Manuel Friedrichs Treffer zum 2:0 für Bayer schien die Partie gegen einen schwachen Gegner gelaufen.
Doch die Nachlässigkeiten der Hausherren und der in der Pause neu erwachte Elan der Rheinhessen ließen die Partie kippen. Eugen Polanski und Marco Caligiuri sorgten mit ihren Toren für den verdienten Ausgleich. Dutt sah, wie "das zarte Pflänzchen Selbstbewusstsein" ganz schnell verwelkte. "Das waren ganz schlechte zehn Minuten", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, "wir konnten froh sein, dass wir nicht noch das dritte Gegentor bekommen haben." Lars Bender, Bayers Bester, stellte mit einem Kopfball den Endstand her. Für gute Laune sorgte er aber nicht.
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