1. Bundesliga 16/17
| 08.17 Uhr

Fußball an Weihnachten?
Liebe Bundesliga, lass andere Sportarten leben

Liebe Bundesliga, lass andere Sportarten leben
Wolfsburg-Manager Klaus Allofs. FOTO: afp, apr
Meinung | Düsseldorf . War das nicht schön in den vergangenen Wochen, als neben dem auch in der Winterpause vernehmlichen und durchaus unterhaltsamen Fußball-Grundrauschen noch andere Sportarten zur Geltung kamen? Skispringen und Biathlon, Handball und (für diejenigen, die darin eine Sportart sehen) Darts zum Beispiel. Von Martin Beils

Für Klaus Allofs freilich müssen die vergangenen Wochen ein Graus gewesen sein. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" forderte Wolfsburgs Sportchef seine Amtsbrüder auf, mal darüber nachzudenken, ob es "gut ist, dass wir in dieser Zeit anderen Ligen oder Sportarten das Feld überlassen".

 

Ja, lieber Herr Allofs, das ist zumindest im Blick auf andere Sportarten gut. Denn, lieber Herr Allofs, die sportliche Vielfalt ist ein Kulturgut, das unser Land über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Und, lieber Herr Allofs, die erdrückende Übermacht des Fußballs nimmt schon jetzt viel zu vielen anderen Sportarten den Raum. Der Vorstoß des Wolfsburgers zeigt, wie scheinheilig Solidaritätsprogramme der Bundesliga mit Athleten anderer Disziplinen (etwa über die Sporthilfe) sind.

Der Fußball macht sich breit und breiter. Ab 2017 wird es zum Beispiel montags Bundesligaspiele geben. Es passt in dieses Bild der allumfassenden Expansion, wenn Allofs im Verein mit seinen Kollegen Horst Heldt und Max Eberl aus Schalke und Gladbach an einem Tabu rüttelt. Sie bringen den zweiten Weihnachtsfeiertag als Bundesligaspieltag ins Gespräch. Nach dem Vorbild des Boxing Day in England.

Allein schon die Vorstellung, dass ein Großaufgebot von steuerfinanzierten Polizisten und Sicherheitskräften an diesem Fest der Familie ausrücken müsste, damit die Bundesligisten noch ein paar Milliönchen mehr einspielen könnten, ist arg verstörend. Der mit Milliarden zu beziffernde Vorsprung, den die englische Premier League zu Deutschlands höchster Klasse hat, lässt sich durch dieseen Tabubruch nur marginal verringern.

Liebe Bundesliga, lieber Herr Allofs, lasst bitteschön die Finger vom Weihnachtsfest. Und lasst andere Sportarten leben.

Quelle: RP
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