Wolfsburger Talfahrt: Magath droht der Abstieg
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 19.04.2011 - 14:42(RP). Mai 2011: Schalke 04 gewinnt den DFB-Pokal. Eine Woche später greift die Mannschaft aus Gelsenkirchen im Finale der Champions League nach den Sternen. Mai 2011: Der VfL Wolfsburg steigt aus der Bundesliga ab. Zwei Jahre nach dem Gewinn der Meisterschaft hat der Klub eine atemraubende Talfahrt hinter sich.
So muss es nicht, so kann es aber kommen am Ende einer Saison, die Wolfsburg nach der Verpflichtung des brasilianischen Spielmachers Diego in der Hoffnung begonnen hatte, wieder an der Ligaspitze mitzumischen.
Auch Felix Magath, dem dritten Cheftrainer in dieser Spielzeit nach dem Engländer Steve McClaren und Pierre Littbarski, ist es noch nicht gelungen, mit den Fußballern der Autostadt die Kurve zu kriegen.
So wird der für einen so erfolgreichen Coach wie ihn grotesk anmutende Albtraum womöglich Wirklichkeit: Während sein früherer Verein, Schalke, die Saison mit spektakulären Erfolgen beenden kann, droht dem Meistermacher des Jahres 2009 mit den Grünweißen der Absturz in Liga zwei.
Aus vier Spielen nach seiner von den Fans begeistert gefeierten Rückkehr hat Magath mit dem VfL mickrige drei Punkte geholt – den Ruf als "Magier" hat der 57-Jährige erst einmal verloren.
Das 2:2 im Heimspiel gegen den FC St. Pauli war schmeichelhaft, das Team musste sich Spottrufe der eigenen Fans ("Absteiger, Absteiger") anhören. Auch das war eine bittere Erfahrung für den im März vom Revierklub entlassenen Fußballlehrer.
Problemfall Diego
Es gibt etliche Gründe für die krasse Fehlentwicklung in dieser Saison. Torjäger Edin Dzeko wechselte zu Manchester City – eine erhebliche Schwächung der Wolfsburger Offensive.
Regisseur Diego, der Filigrantechniker und vermeintliche Superstar, ist zum Problemfall geworden durch nicht überzeugende Leistungen und undiszipliniertes Verhalten auf dem Spielfeld. Magath wechselte den Brasilianer gegen St. Pauli sogar aus.
Torhüter Diego Benaglio, den der Trainer vor dem Höhenflug zur Meisterschaft als Nummer eins holte, zeigt früher bei ihm nicht gekannte Schwächen. Die sechs im Winter neu verpflichteten Spieler müssen noch besser in die Mannschaft finden. Zudem hat Magath einen Laktattest durchführen lassen, weil er am Fitnesszustand des Teams zweifelte.
Besonders bitter kann die Entwicklung ausgerechnet für einen der deutschen Helden bei der WM in Südafrika werden: Arne Friedrich stieg vor knapp einem Jahr mit Hertha BSC Berlin ab, nun droht ihm in Wolfsburg das gleiche sportliche Schicksal. Magath will bleiben, selbst wenn er mit dem Team den Klassenverbleib nicht schafft.
Er hat einen Vertrag bis 2013 und will ihn erfüllen. Das Restprogramm nährt die Hoffnung, mit dem millionenschweren Kader das Schlimmste abwenden zu können. Denn die Gegner Köln und Kaiserslautern (zu Hause), Bremen und Hoffenheim (auswärts) verbreiten nicht gerade Angst und Schrecken.
"Wenn einer es schaffen kann, dann Felix Magath", sagt Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz. "Es ist ja bereits mehr Zug, mehr Disziplin in der Mannschaft." Er sagt aber auch, es sei "fünf vor zwölf".
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