Huntelaar auf Schalke angekommen: Magath: "Er weiß, wo das Tor steht"
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 07:19Gelsenkirchen (RPO). Klaas-Jan Huntelaar ist mit einer Ablösesumme von 14 Millionen Euro der teuerste Zugang in der Schalker Vereinsgeschichte. "Wir haben einen ganz starken neuen Mann", sagt Trainer Magath.
Für Raul haben sie den Innenraum der Arena einem mittelprächtigen Umbau unterzogen, das Steigerlied gespielt, Kinder Spalier stehen und zwei Bergleute mit einem Stück Kohle posieren lassen. Klaas-Jan Huntelaar muss es bei seiner offiziellen Vorstellung auf Schalke eine Nummer kleiner nehmen. Er begleitet Trainer/Manager/Vorstand Felix Magath durch den Kabinengang, und er darf mit dem neuen Trikot im Umkleideraum für die Fotografen lächeln.
Dabei ist er mit 14 Millionen Euro Ablösesumme, die der Gelsenkirchener Bundesligist an den AC Mailand überweisen muss, der teuerste Einkauf der bewegten Schalker Geschichte. Und sein Vorgesetzter Magath ist ganz sicher: "Mit ihm und den anderen Neuverpflichtungen hat unsere Mannschaft viel mehr Potenzial als die Truppe, die vergangene Saison hier so hervorragend gespielt hat." Zur Erinnerung: Sie wurde Vizemeister.
Magath für Freitag optimistisch
Deutlicher hätte Magath die Saisonziele nicht formulieren können. Und er weiß, dass er nach den beiden Auftaktniederlagen nun mächtig unter Druck steht. Äußerlich macht das keinen Eindruck auf den Fußball-Geschäftsmann. "Es war wichtig, Topleute zu holen", sagt er, "da ist es einfacher, möglichst schnell gute Mannschaftsleistungen abzuliefern." Und selbst wenn niemand auf Anhieb nun ein ganz kompaktes Gebilde erwarten dürfe, ist Magath "optimistisch, dass wir schon am Freitag aus Hoffenheim etwas Zählbares mitbringen".
Huntelaar soll dazu beitragen. Dass er "weiß, wo das Tor steht", wie sein neuer Trainer sagt, hat er zuletzt in der holländischen Nationalmannschaft nachgewiesen. In den ersten beiden EM-Qualifikations-Spielen (5:0 gegen San Marino, 2:1 gegen Finnland) erzielte er fünf der sieben Treffer. Und er hat vor allem als Stürmer von Ajax Amsterdam Torquoten gehabt, die gegnerische Verteidiger zuverlässig in Schwindelanfälle stürzen.
33 Treffer in 31 Spielen seiner ersten Saison, 33 Tore in 34 Spielen der zweiten Saison machten den ganz Großen Appetit auf diesen Angreifer. Doch weder bei Real Madrid noch beim AC Mailand erreichte er auch nur annähernd so einen Schnitt.
Er glaubt allerdings gern an eine positive Zukunft bei Schalke. Hoffnung machen ihm sein Sturmpartner Raul, den er aus Madrid kennt, und die Zusammensetzung des von Magath mächtig umgestalteten Teams. "Nach Jahren ohne Titel ist es für mich eine Herausforderung, mit diesem Verein Meister zu werden", betont der Holländer. Den Ausschlag für seinen Wechsel vom Weltklub Mailand ins Revier habe "ein sehr gutes Gespräch mit dem Trainer gegeben", sagt Huntelaar. Und natürlich die Gelegenheit, "endlich wieder zu spielen, auch wenn die Zeit in Madrid und Mailand nicht vertan ist. Ich bin ein besserer Spieler geworden".
Magaths Traum-System komplett
Magath sieht nun die Möglichkeit, sein Lieblingssystem "mit zwei Stürmern und einer Mittelfeldraute zu spielen". Nicht nur deshalb sei Huntelaar "der Spieler, auf den wir lange gewartet haben". Eine feste Torquote möchte er nicht vorgeben, "aber wenn wir diesen starken Mann ins Spiel bringen, wird er sicher zweistellig treffen". Huntelaar lässt sich ebenfalls nicht zu einer wagemutigen Prognose verleiten. "Wenn alles stimmt im Team, dann kommen die Tore von selbst", sagt er. Ein Spruch aus dem Handbuch artiger Fußballprofis.
Gutes Benehmen, Unterordnung in sein System glasharter Berufsauffassung – das passt in Magaths Weltbild. Deswegen genießt er den gemeinsamen Auftritt vor den Kameras. Anders als beim Vorstellungstermin für Raul, der das Herz der Fußball-Romantiker bedienen sollte, zu denen der Trainer nicht gehört, ist Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies nicht zugegen.
Er überlässt seinem starken Mann die Bühne. Der macht nur einen kleinen Fehler. Er nennt Klaas-Jan ausdauernd Jan-Klaas Huntelaar. Der Holländer tut so, als merke er es gar nicht. In den nächsten drei Jahren hat Schalke Zeit, sich die richtige Vornamen-Reihenfolge zu merken. Dann endet Huntelaars Vertrag.
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