Erfolgreicher Transfer-Machtkampf: Magath investiert jetzt die Millionen
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 12:16Düsseldorf (RPO). Schalkes Trainer Felix Magath darf einkaufen gehen – und zwar im großen Stil. 25 bis 30 Millionen Euro haben ihm die Königsblauen für die Verstärkung des Kaders garantiert. Eine Summe, die auch bitter nötig ist. Schließlich gilt es, einige Baustellen beim Vizemeister zu schließen.
Magath hatte wochenlang Druck auf die Verantwortlichen des Klubs ausgeübt, er hatte genörgelt und gemeckert. Schließlich wurde er am Mittwoch erhört: "Das war ein sehr konstruktives Gespräch, in dem wir uns einvernehmlich darauf geeinigt haben, dass wir das eingenommene Geld aus der vergangenen Saison in die Mannschaft investieren", sagte der S04-Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies.
Auf der Jahreshauptversammlung des Traditionsvereins am 10. Mai hatten die Mitglieder den Antrag auf eine Satzungsänderung verweigert, die Magath im Rahmen eines vorher festgelegten Budgets bei Transfers weitgehend freie Hand gelassen hätte. Der 56-Jährige hatte auf dieses Misstrauensvotum äußerst verstimmt reagiert und Tönnies mit angeblichen Verhandlungen mit seinem früheren Klub Hamburger SV sowie dem aufstrebenden Regionalligisten Red Bull Leipzig provoziert.
Magath ist zufrieden
Doch jetzt ist Magath zufrieden. Zunächst einmal. Jetzt ist er handlungsfähig und kann mit dem neuen Manager Horst Heldt hochkarätige Spieler verpflichten, die er nicht nur in der Bundesliga, sondern vor allem in der Champions League dringend benötigt, um konkurrenzfähig zu sein. "Mit der Lösung können die Finanz-Abteilung und auch ich leben. Ich kann jetzt auf den Markt gehen und meine Vorstellungen umsetzen", erklärte Magath nach dem gewonnenen Machtkampf mit der Vereinsspitze.
Schalkes Baustellen sind offenkundig. Magath sucht mindestens einen Angreifer, einen Spielmacher und einen Linksverteidiger. Sein üppiges Shopping-Budget würde sogar noch aufgebessert, sollte sich ein Käufer für den brasilianischen Rechtsverteidiger Rafinha finden, dem schon seit Jahren Abwanderungsgedanken unterstellt werden. Kompensiert würde sein Abgang mit dem bereits verpflichteten Japaner Atsuto Uchida.
Suche nach Kuranyi-Ersatz
Im Angriff steht Magath in Jefferson Farfan bislang nur ein namhafter Angreifer neben zahlreichen Perspektivspielern zur Verfügung. Erik Jendrisek kam ablösefrei vom Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern, kann jedoch nicht das durch den Abgang von Top-Stürmer Kevin Kuranyi entstandene Vakuum im Sturmzentrum füllen. Deshalb hat Magath bereits die Angel nach zwei weiteren Angreifern ausgeworfen. Real Madrids Stürmerlegende Raul soll ablösefrei von den Königlichen zu den Königsblauen wechseln, zudem soll der Franzose Guillaume Hoarau von Paris St. Germain nach Gelsenkirchen kommen. Der 26-jährige 1,92-Meter-Brecher besitzt in der französischen Hauptstadt aber noch einen Vertrag bis 2013 und dürfte somit ungefähr zehn Millionen Euro Ablöse kosten.
Für die Mittelfeld-Zentrale sucht Magath händeringend nach einem klassischen Spielmacher, da er Alexander Baumjohann diese Rolle noch nicht zutraut. Favorit auf den Posten des Regisseurs ist der Bosnier Zvjezdan Misimovic, der noch bei Magaths Ex-Klub VfL Wolfsburg unter Vertrag steht. Auch seine Ablösesumme dürfte sich im zweistelligen Bereich bewegen, womit ein Löwenanteil der sichergestellten Transfersumme schon beinahe verbraucht wäre. Ebenfalls im Gespräch ist der niederländische Nationalspieler Ibrahim Afellay, der bei der PSV Eindhoven spielt. Auch er soll um die zehn Millionen Euro Ablöse kosten.
Wackelkandidaten: Pander und Metzelder
In der Abwehr drückt der Schuh auf links. Christian Pander heißt der Hoffnungsträger, doch sein Gesundheitszustand macht den Knappen Sorgen. In den vergangenen drei Spielzeiten absolvierte der 26-Jährige gerade einmal ein Drittel aller Bundesligaspiele. Auch in der Vorbereitung streikt sein Körper aktuell. Allrounder Heiko Westermann kann auf dieser Position aushelfen, er wird aber eigentlich in der Innenverteidigung benötigt. Denn auch dort ist Schalke dünn besetzt: Marcelo Bordon durfte ablösefrei in die Wüste wechseln, so dass U21-Nationalspieler Benedikt Höwedes und Bundesliga-Heimkehrer Metzelder die einzig namhaften Alternativen zu Westermann in der Mitte sind. Doch auch Metzelder klagte in der Vergangenheit oft über Verletzungen, kam in Spanien nur sporadisch zum Zuge. Für die rechte Seite käme neben Uchida auch noch der aus Mainz gekommene Tim Hoogland in Frage.
Magath und sein neuer Mitstreiter Heldt haben alle Hände voll zu tun, denn schließlich hängt eine Konsolidierung der Finanzen auch mit dem sportlichen Erfolg zusammen. Zudem ist es fraglich, ob alle Spieler an ihre starken Leistungen aus der vergangenen Saison anknüpfen können – auch hier ist Magath gefordert.
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