Nach Blamage gegen Werder: Magath kündigt Shopping-Tour an
zuletzt aktualisiert: 11.12.2011 - 12:22Bremen (RPO). Der VfL Wolfsburg läuft seinen eigenen Ansprüchen noch immer weit hinterher. Statt in der Nähe der Europacup-Plätze dümpeln die Niedersachsen nach der 1:4-Abfuhr bei Werder Bremen mehr denn je in der Nähe der Abstiegsränge. Trainer Felix Magath kündigte bereits Maßnahmen an.
Schweigend und mit gesenktem Blick wie geprügelte Hunde, stapften die Spieler des VfL Wolfsburg nach der 1:4 (0:2)-Blamage gegen Werder Bremen durch die Katakomben des Weserstadions. In den 90 Minuten zuvor hatte sich der Meister von 2009 nach Kräften blamiert. Die Millionentruppe von Trainer Felix Magath zementierte am 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht nur ihre Stellung als ligaweit auswärtsschwächstes Team, sondern ließ über weite Strecken auch die Klasse vermissen, um im Abstiegskampf zu bestehen. Nur Magath konnte der Dienstreise an die Weser noch etwas Positives abgewinnen.
"Sie werden es nicht glauben, aber ich bin froh. Froh, dass die Auswärtsspiele für dieses Jahr vorbei sind", sagte der VfL-Coach. In dem Perfektionisten brodelte es nach dem Debakel. Ideenlos, mutlos, willenlos: Seine zahnlosen und mit vielen VW-Millionen aufgemotzten "Wölfe" blieben zum wiederholten Mal hinter den hohen Erwartungen zurück. Statt um die Europapokal-Plätze zu rangeln, hat sich kurz vor Ende der Hinrunde das Abstiegsgespenst in den Köpfen des Tabellen-14. eingenistet.
"Ich denke schon, dass man sich da Gedanken machen muss", sagte der eingewechselte Sebastian Polter angesichts der nur drei Punkten Abstand zum Relegationsplatz. Polter, erst 20 Jahre alter Bundesliga-Debütant, war übrigens einer der wenigen Wolfsburger Spieler, die sich hinterher noch äußern wollten.
Dabei hatte Magath vor dem Spiel alles versucht und seine Mannschaft zu einem Kurztrainingslager inklusive Bowlingabend geladen. Der 58-Jährige wollte "das Miteinander fördern". Doch nach dem Führungstreffer durch Sokratis (18.) fiel sein Team völlig auseinander und ergab sich wehrlos in ihr Schicksal. "Wir haben uns bestrafen lassen, gegen offensiv starke Bremer Lücken offenbart und verdient verloren", sagte Magath. Der ganz starke Claudio Pizarro (45.), Markus Rosenberg (55.) und Marko Arnautovic (71.) erzielten die weiteren Treffer für Werder. Marcel Schäfer gelang in der 86. Minute nur noch Ergebniskosmetik.
Nicht nur weil die Bremer leicht und locker noch höher hätten gewinnen können, will Magath im Winter erneut auf Shoppingtor gehen. Ein Abstieg wäre für den Klub und den Geldgeber eine Katastrophe. "Wir werden schauen, was auf dem Transfermarkt möglich ist und den einen oder anderen Spieler holen, der uns weiterbringen kann und den einen oder anderen Spieler abgeben", sagte Magath, der in dieser Saison bereits 30 Akteure eingesetzt hat.
In Bremen haben die Verantwortlichen ganz andere Probleme. Die Grün-Weißen haben durch den siebten Sieg im achten Heimspiel zwar als Tabellenfünfter mit 29 Punkten den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt, in überbordenden Jubel brach die Truppe von der Weser aber nicht aus. "Wir hätten das noch klarer gestalten können, wenn nicht müssen. Das ärgert mich", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs und hatte dabei wohl auch Florian Trinks im Sinn. Der Youngster hatte in der 39. Minute eine Rosenberg-Hereingabe völlig freistehend über das Tor gesäbelt.
Gegen derart verunsicherte Wölfe verblüffte die Bremer aber nicht diese Nachlässigleit, sondern die miserable Leistung der Gäste. "Erstaunlich, dass es so einfach war", sagte Bremens Abwehrchef Naldo. Und Trainer Thomas Schaaf, der sonst immer ein Haar in der Suppe findet, konnte seiner Mannschaft hinterher nur ein "großes Lob" ausstellen.
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