Chaos-Tage auf Schalke: Magath siegt - und fliegt?
zuletzt aktualisiert: 13.03.2011 - 13:58Gelsenkirchen (RPO). Der Wahnsinn auf Schalke nimmt kein Ende. Als ausgerechnet der "Panik-Kauf" Angelos Charisteas mit seiner ersten Ballberührung die Abstiegssorgen wegschoss, durfte sich Felix Magath als Sieger fühlen.
Der Wahnsinn auf Schalke nimmt kein Ende. Als ausgerechnet der "Panik-Kauf" Angelos Charisteas mit seiner ersten Ballberührung die Abstiegssorgen wegschoss, durfte sich Felix Magath als Sieger fühlen. Die Arena tobte nach dem 2:1 (1:0) gegen Eintracht Frankfurt, und der Trainer und Manager sammelte vor dem "Gespräch unter Männern" mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies über seine Zukunft einen weiteren Pluspunkt. Derweil wurde im Hintergrund alles für seinen Rauswurf vorbereitet.
Keine Details vom "Männergespräch"
Nach SID-Informationen wurde der Aufsichtsrat schon vor dem Spiel für Mittwoch zu einer Sondersitzung eingeladen. Auf der Tagesordnung: Anhörung und Abberufung des Vorstandsmitglieds Magath. Der einst allmächtige Trainer-Manager soll bereits am Samstagabend die satzungsmäßig vorgeschriebene Einladung zu diesem Tribunal bekommen haben. Details von seinem Treffen mit Tönnies am Sonntag sickerten zunächst nicht durch.
Am Samstag war Magath noch von einem weiteren Engagement auf Schalke ausgegangen. "Ja, wer denn sonst?", antwortete er süffisant auf die Frage, ob er auch in der kommenden Saison noch Trainer bei den Königsblauen sein werde. In der Arena war die Stimmung gegenüber dem 3:1-Triumph gegen den FC Valencia beim Einzug ins Champions-League-Viertelfinale jedoch umgeschlagen. "Felix Magath"-Rufe waren nicht zu hören, und die "Pro Magath, Tönnies raus"-Plakate waren in der Minderheit. Die meisten Transparente waren eindeutig: "Felix spaltet", "Die Zeit der Diktatur ist vorbei", "Niemals FC Magath" oder "Hoffnungsträger rausgeschmissen, auf die Fans geschissen, Magath raus!" Auch eine angekündigte Pro-Magath-Demo fiel mangels Interesse aus.
Dass am Ende die Schalker unter den 61.673 Zuschauern kollektiv feierten, hatten sie jedoch einem zu verdanken, der Magath besonders in die Bredouille gebracht hatte - Charisteas. Die Verpflichtung des griechischen EM-Helden von 2004, ebenso wie der Iraner Ali Karimi anderswo ausgemustert, hatte der Kritik an der Personalpolitik des Trainer-Managers eine neue Schärfe gegeben. "Es hat mich selbstverständlich gefreut, dass ausgerechnet er mit seinem ersten Kontakt sein erstes Tor macht", sagte Magath mit deutlicher Genugtuung, "nachdem gerade er so kritisch beurteilt wurde."
Manuel Neuer patzt
Dass Charisteas 50 Sekunden nach seiner Einwechselung nach einem langen Schlag von Torwart Manuel Neuer und einer unfreiwilligen Kopfballverlängerung von Marco Russ das Siegtor erzielte (84.), war das unglaubliche Ende eines kuriosen Spiels. Denn zuvor hatte ein Treffer der besonderen Art die Frankfurter Torflaute nach 793 Minuten beendet und für einen Bundesligarekord gesorgt: Aus 73 Metern schlug Georgios Tzavellas den Ball nach vorne auf den sieben Minuten zuvor eingewechselten Theofanis Gekas. Der verfehlte ihn aber ebenso wie Neuer (70.). "Das geht klar auf meine Kappe", gab der Nationaltorwart zu, "ich habe gedacht, Gekas nimmt den Ball mit. So hat der andere Grieche ein Supertor gemacht."
Schon die Schalker Führung in einem über weite Strecken schwachen Spiel war nicht alltäglich: Raul schlich sich von hinten an Eintracht-Keeper Ralf Fährmann heran und spitzelte ihm den Ball weg, daraufhin säbelte ihn der Ex-Schalker um. Den Elfmeter verwandelte Jose Manuel Jurado (45.+1).
Skibbe bleibt in Frankfurt
Während Magath trotz des zweiten Sieges innerhalb von vier Tagen um seinen Job bangen muss, darf Frankfurts Coach Michael Skibbe auf jeden Fall weitermachen. "Der Trainer genießt das Vertrauen. Er hat in der Hinrunde attraktiven Fußball spielen lassen, jetzt sind wir in einer tiefen Krise. Ich traue ihm aber zu, mit der Mannschaft die Kurve zu kriegen", erklärte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Die Lage allerdings ist prekär: Der Abstand zur Abstiegszone beträgt nur noch zwei Punkte.
Solche Sorgen hat Magath mit Schalke zumindest nicht mehr. Fünf Zähler vor der Eintracht sollte das Thema Abstiegskampf beim Tabellenzehnten erledigt sein. Nicht so klar ist jedoch die künftige tägliche Fahrtstrecke des 57-Jährigen. "Mal sehen. Das kann ich Ihnen noch nicht sagen, wo ich in Zukunft hinfahre", sagte er bei Liga total!. Nach Gelsenkirchen zumindest zunächst nicht - bis einschließlich Dienstag gab er trainingsfrei.
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