Schalke schlägt auf dem Transfermarkt zu: Magath verblüfft mit Einkäufen
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2011 - 07:11Gelsenkirchen/Düsseldorf (RP). Schalke holte am letzten Tag der Transferperiode den einst bei Bayern München mäßig erfolgreichen Iraner Karimi. Zuvor hatte der Elfte der Bundesliga den Griechen Charisteas und den Ghanaer Annan unter Vertrag genommen. Der Trainer will "den Konkurrenzkampf schüren".
Um 16.29 Uhr schickte der FC Schalke gestern die Meldung hinaus, auf die die Fußballwelt nicht gewartet hatte. "Angreifer Besart Ibraimi (24) wechselt in die Ukraine zu PFC Sevastopol", teilte der Bundesligist hochoffiziell mit. Vor Jahresfrist war der junge Mann aus Mazedonien von Renova Cepciste nach Gelsenkirchen gekommen. Bei Felix Magath konnte er sich nicht durchsetzen: zwei Bundesligaspiele, null Tore. Eine Randnotiz vom großen Geschacher nur, aber doch eine, die Magaths Politik charakterisiert. Er kauft und verkauft in atemraubendem Takt, und die allermeisten Probanden scheitern.
In der "Transferperiode II" des Spieljahres 2010/11 treibt Magath sein Managerspiel auf die Spitze. "Er modelliert wie ein fanatischer Künstler", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Nach dem zuletzt vereinslosen griechischen Ex-Europameister Angelos Charisteas (30) und Ghanas WM-Teilnehmer Anthony Annan (24) verblüffte er die Szene, als er seinem Kader Ali Karimi (32) ohne Ablöse hinzufügte und ihn mit dem Trikot des Regisseurs adelte: Der Iraner bekommt die "Zehn". Als Magath den Spieler 2005 zuletzt in Empfang nahm, lief dem ein Ruf wie Donnerhall voraus. "Asiens Fußballer des Jahres" kam zum FC Bayern, der "Maradona des Orients" wurde gepriesen.
In seinen zwei Münchner Jahren kam der meist etwas träge wirkende Karimi auf 33 Liga-Einsätze, wurde Meister und Pokalsieger, bei den Bayern aber genauso wenig glücklich wie Magath. Der Iraner wechselte 2007 nach Katar, von da zu seinem Stammverein Persepolis Teheran und dann innerhalb des Irans zu Steel Azin FC. Im vergangenen halben Jahr war er ohne Anstellung. Karimi soll Schalkes Problem lösen, "das Spiel aus dem Mittelfeld in den Angriff zu tragen" (Magath).
Seit seinem Amtsantritt 2009 verpflichtete Magath laut "Sportinformationsdienst" 39 Spieler, 34 Profis sortierte er aus. Allein in dieser Spielzeit holte er 18 Profis, während 22 den Vizemeister verließen. Magath erklärte, dass er den Konkurrenzkampf schüren wolle. Dabei arbeitet der dem Vernehmen nach mit jährlich sechs Millionen Euro entlohnte Magath in seiner Eigenschaft als Manager und Geschäftsführer in einem von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eng gesteckten Finanzrahmen. Kapitän Manuel Neuer kritisierte: "Es gehört zu einer Saison dazu, dass es im Sommer eine Wechselperiode gibt und auch im Winter. Natürlich muss eine Mannschaft damit klarkommen. Aber wir haben es im Sommer nicht geschafft, und auch jetzt haben wir unsere Probleme." Die Mannschaft steht zwar im Halbfinale des DFB-Pokals und im Achtelfinale der Champions League, liegt als Elfter der Bundesliga aber weit zurück.
Zu Magaths Sommereinkäufen 2010 gehörten etwa der 13 Millionen Euro teure José Manuel Jurado, der zuletzt nicht einmal mehr auf der Bank saß, und dessen Landsmann Sergio Escudero, der 2,4 Millionen kostete, aber kein Ligaspiel bestritt. Der rumänische Drei-Millionen-Mann Ciprian Deac hatte beim 0:1 gegen Hoffenheim einen seiner raren Auftritte – und bekam vom "Kicker" ein Ungenügend.
Aus der Zeit vor Magath, also vor dem Sommer 2009, sind nur noch vier Profis gehobener Klasse im Aufgebot: Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, der häufig verletzte Christian Pander und Jefferson Farfan. Dessen Transfer nach Wolfsburg platzte im letzten Moment.
Wir haben alle Transfers der Ära Magath auf Schalke für Sie zusammengefasst.
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