"Das ist das Ziel, das wir uns gesetzt haben": Magath will mit Wolfsburg den Titel
VON GIANNI COSTA UND FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2011 - 07:41Düsseldorf (RP). "Nicht sofort, aber das ist das Ziel, das wir uns gesetzt haben", sagt der Trainer und Manager des Fußball-Bundesligisten. In dieser Saison aber kämpft er mit seinem Team gegen den Abstieg. Einmal mehr stehen Magaths Methoden der Menschenführung in der Kritik.
Vor drei Jahren hatten Felix Magath und die Fußballprofis des VfL Wolfsburg zur Saisonhalbzeit der Bundesliga 20 Punkte auf dem Konto. Am Ende kletterten sie noch auf einen Uefa-Cup-Platz. Es war der Beginn eines imposanten Höhenflugs, den sie 2009 überraschend sogar mit dem Meistertitel krönten.
Am Samstag kann das Team aus der Autostadt mit einem Heimsieg gegen den VfB Stuttgart erneut auf 20 Zähler kommen, den gleichen Stand wie im Herbst 2008 nach 17 Spielen. Diesmal allerdings ist die Situation bei den Grün-Weißen anders. Sie ist dramatisch. Der ehrgeizige Verein, der mit dem VW-Konzern im Rücken hohe Ambitionen hat und auf die europäische Bühne zurückkehren will, liegt nur noch zwei Punkte über dem Relegationsplatz 16. Es sollte keine weitere Zitterpartie nach der vergangenen Saison geben, als die Niedersachsen erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sicher hatten. Doch Felix Magath erklärt unmissverständlich: "Wir spielen jetzt gegen den Abstieg." Der Trainer und Manager sagt allerdings auch, es gebe nicht die Vision, dass der VfL absteige. Er sei sicher, dass die Mannschaft auch diesmal in der Rückrunde bessere Ergebnisse erziele.
So enttäuschend die Hinrunde für den VfL Wolfsburg bisher auch verlaufen ist – Magath spricht im Interview mit der "Bild-Zeitung" davon, dass er mit dem Klub zum zweiten Mal deutscher Meister werden will. "Nicht sofort", sagt er, "aber das ist das Ziel, das wir uns gesetzt haben."
Der 58-Jährige hatte seine Spieler am Nikolaustag zu einem Ausflug eingeladen. Es ging auf die Betriebsversammlung von VW im Wolfsburger Werk. Die Profis wurden gnadenlos ausgebuht. "Es haben einige gepfiffen. Aber ich habe es eher so empfunden, dass da einige Braunschweiger Fans waren, die uns nicht mochten", sagt Nationalverteidiger Marcel Schäfer.
Der VfL Wolfsburg ist Volkswagen. "Die Menschen in der Stadt identifizieren sich über die Erfolge des VW-Konzerns und natürlich den Tabellenplatz des Fußballklubs", sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer, der sich seit Jahren mit der Entwicklung von VW beschäftigt. "Magath hat die Unterstützung von VW-Chef Martin Winterkorn. Der ist einfach ein Fan des Vereins und will die Mannschaft siegen sehen. Er will den Erfolg – egal wie. Der Auftrag von Magath ist klar. Die Führungskräfte untereinander verstehen sich."
Das schließe auch ein, dass Magath zur Umsetzung der Ziele maximalen Handlungsspielraum bekomme mit manchmal recht zweifelhaften Methoden der Menschenführung. Magath trage das Risiko. Sollte er die hohen Ansprüche der VW-Spitze nicht erfüllen, sagt Dudenhöffer, dann stünde der gebürtige Aschaffenburger selbst ganz schnell auf der Abschussliste: "Volkswagen braucht den VfL nicht, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Das Unternehmen kennt einfach jeder. Es geht vor allem darum, der Belegschaft vor Ort etwas zu bieten. Man soll stolz auf den Standort sein."
Zwölf Spieler hatte Felix Magath im Sommer geholt – gefruchtet hat der umfassende Personalwechsel nicht. In der Winterpause wollen die Wolfsburger nachrüsten. "Im Sommer haben wir in die Breite investiert, jetzt investieren wir in Qualität und Talente", erklärte Magath. Mit dem Klub werden Dortmunds früherer tschechischer Mittelfeldstar Tomas Rosicky (31 Jahre/Arsenal London) und Ivica Olic (32/Bayern München) in Verbindung gebracht. Der Kroate, lange verletzt, wurde beim Rekordmeister in dieser Saison bei sieben Bundesliga-Einsätzen immer nur eingewechselt. Olic könne zum VfL passen, glaubt Magath. "Und so, wie ich das mitbekommen habe, denke ich: Er möchte wechseln. Aber die Frage ist ja: Was will Bayern?"
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