Bundesliga-Topspiel: Mangelberuf Innenverteidiger
VON MARTIN BEILS UND STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.11.2010 - 12:40Leverkusen (RP). Bayer Leverkusen trifft heute (18.30 Uhr im Live-Ticker) im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga auf Bayern München. Auch beim Duell der Topklubs zeigt sich, wie rar erstklassige Abwehrspieler für die Zentrale sind.
Es war ein Ritterschlag für Heiko Westermann, als er in der kalten Nacht von Göteborg am Mittwoch die Kapitänsbinde anlegen durfte. Der Innenverteidiger vom Hamburger SV stand unverhofft Deutschlands erster Auswahl vor. Und wie wichtig es für das Land ist, wer sein Nationalteam anführt, weiß man ja seit der scheinbar endlosen Lahm-Ballack-Debatte des vergangenen Sommers.
Nun also Westermann. Der profitierte zwar davon, dass der Bundestrainer auf eine Reihe in der Hierarchie höher angesiedelter Profis verzichtete. Doch die Verleihung der Kapitänswürde unterstrich, wie hoch Joachim Löw den ehemaligen Schalker einschätzt. Er hätte ja auch dem mit mehr Länderspielen ausgestatteten Mario Gomez nach Bastian Schweinsteigers Ausscheiden die Binde überlassen können.
Westermann gehört zu einer raren Spezies: deutsche Innenverteidiger. Neben Per Mertesacker, der in Werder Bremens Krise gefangen ist, war da zuletzt nicht viel. WM-Held Arne Friedrich fehlt dem VfL Wolfsburg nach seiner Bandscheibenoperation weiterhin. Schalkes Benedikt Höwedes stagniert bestenfalls.
Positiv fiel indes Mats Hummels auf. Ein Geheimnis des Dortmunder Erfolgs liegt darin, dass der Klub perspektivisch in seine Innenverteidigung investierte: Die 21-jährigen Hummels (4,2 Millionen an Bayern München) und Neven Subotic (4,5 an Mainz 05) bilden eine stabile Basis für Borussias Tempofußball.
Im Spitzenspiel am Samstagabend in Leverkusen treffen zwei Teams aufeinander, die im zentralen defensiven Bereich Probleme haben. Streng genommen dürften sie bei Bayer die Herren Hyypiä, Friedrich und Reinartz unter der Woche nur als gepolsterte Michelin-Männchen vor die Tür lassen.
Diese drei sind nämlich die einzigen, die sie im breiten Kader der Werkself in der Spalte für die Berufsbezeichnung "Innenverteidiger" eintragen können. Weil sich Stefan Reinartz aber auf St. Pauli die fünfte Gelbe Karte einfing und Routinier Sami Hyypiä noch an den Folgen seines Außenbandrisses laboriert, drohte Trainer Jupp Heynckes eine bedrohliche Vakanz.
Doch Hyypiä trainiert seit Wochenbeginn wieder mit der Mannschaft und hat grünes Licht für einen Einsatz gegeben. "Sami ist niemand, der wehleidig ist, und er geht auch über den Schmerzpunkt hinweg. Deswegen werde ich erst nach Absprache mit den Ärzten entscheiden, ob er spielt", sagte Heynckes und fügte eine große Portion Fürsorge hinzu: "Schließlich soll Sami auch nach seiner Karriere noch Sport treiben und mit seinen Kindern spielen können." Sollte Heynckes beim Finnen die Ampel von Grün auf Rot schalten, müsste Rechtsverteidiger Daniel Schwaab einrücken.
Der FC Bayern steht am Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft. Martin Demichelis (29) und Daniel van Buyten (32) haben wiederholt unter Beweis gestellt, dass sie den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden. Zu unbeweglich, zu langsam in ihren Handlungen. Nationalspieler Holger Badstuber (21) aber plagt sich noch mit den Folgen einer Schambeinentzündung.
Der gleichaltrige Breno machte zuletzt im ersten Einsatz nach seinem Kreuzbandriss einen vielversprechenden Eindruck. Doch die Geister scheiden sich an dem in der vergangenen Saison an den 1. FC Nürnberg ausgeliehenen Breno. Präsident Uli Hoeneß hat den Brasilianer mal als besten Innenverteidiger seiner Altersklasse in Europa bezeichnet. Den Beweis, dass er zur gehobenen Kategorie gehört, konnte Vinicius Rodrigues Borges, wie der Profi mit bürgerlichem Namen heißt, noch nicht antreten.
Zwölf Millionen Euro kostete Breno die Münchner vor zwei Jahren. Früher schnitzte sich jeder Bundesligist seine Innenverteidiger selbst, heute kosten sie viel Geld. Westermann brachte 7,5 Millionen in die Schalker Kasse.
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