Rekordtransfer für 30 Millionen Euro: Martinez im Anflug auf München
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.08.2012 - 08:35München (RP). Am Nachmittag wurde noch eifrig dementiert. Und am frühen Abend hieß es beim FC Bayern: "Bei uns gab es in der Sache keine Bewegung." Aber am späteren Abend stand nach Informationen der "Bildzeitung" und des Sportinformationsdienstes fest: Bayern München hat den spanischen Nationalspieler Javi Martinez (23) von Athletic Bilbao für fünf Jahre verpflichtet.
30 Millionen Euro sollen die Münchner ins Baskenland überweisen. Damit Bilbao die für den Wechsel ins Ausland festgeschriebenen 40 Millionen einstreichen kann, verzichtet der Mittelfeldspieler dem Vernehmen nach jährlich auf zwei Millionen Euro Gehalt. Die Bayern wollten den Transfer bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht bestätigen.
Bevor die Fakten über die Einigung durchsickerten, hatte Münchens Sportdirektor Matthias Sammer erklärt: "Tatsache ist, dass Javier Martinez ein hochinteressanter Spieler ist. Klar ist aber auch, dass das Verhältnis Sport und Wirtschaft passen muss. Erst wenn wir einen Weg finden, dass er bei uns nicht der Rekordtransfer ist, dann wird er für uns wieder interessant." Bislang hatten die Münchner nur für Mario Gomez bei dessen Wechsel vom VfB Stuttgart an die Isar wenig mehr als 30 Millionen Euro gezahlt.
Martinez auf für die Abwehr geeignet
Martinez erweitert die taktischen Möglichkeiten des Rekordmeisters. Bei Bilbao stieg er zum Nationalspieler auf, weil er im defensiven Mittelfeld dem Spiel seiner Mannschaft Struktur verleihen und gleichzeitig gefährlich nach vorn stoßen konnte. Darüber hinaus haben sich seine Qualitäten im Zweikampf auch bei den Münchnern herumgesprochen.
Und es ist durchaus denkbar, dass Trainer Jupp Heynckes mit der Verpflichtung nicht nur den Mittelfeldspielern Druck machen will. Dort ist nun lediglich der Arbeitsplatz von Bastian Schweinsteiger sicher – wenn der sich von seinen Verletzungen vollständig erholt. Es ist aber auch möglich, dass die Münchner den neuen Mann in der zentralen Deckung sehen. Bislang hat vor allem Jerome Boateng auf der Position des Innenverteidigers nicht jene Fähigkeiten nachgewiesen, die auf der ganz großen europäischen Bühne gefragt sind.
Martinez ist in der Spieleröffnung bestens geschult, körperlich stark und taktisch auf der Höhe. Möglicherweise versprechen sich die Münchner allein durch den Transfer bereits, Boatengs Phlegma durch Konkurrenz wirksam zu bekämpfen. Vielleicht wollen sie dem deutschen Nationalspieler einfach nur Beine machen.
Nur darum kann es allerdings nicht gegangen sein. Denn es wäre selbst für einen Klub mit einem noch besser bestückten Festgeldkonto, wenn es den überhaupt gibt, ein unverantwortlicher Luxus, 30 Millionen für einen Motivations-Lehrgang auszugeben. Ganz sicher ist der Transfer ein Beweis dafür, wie ernst die Münchner nun um die deutsche Meisterschaft kämpfen werden. Dass Borussia Dortmund ihnen zweimal in Folge die Schale weggeschnappt hat, empfinden gerade die Ober-Bayern in Vorstand und Aufsichtsrat als Majestätsbeleidigung. Mit Martinez wollen die Münchner ihren natürlichen Anspruch auf den Titel einlösen.
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