1. Bundesliga 16/17
| 08.22 Uhr

Bundesliga-Hingucker
Eine teure Taxifahrt und ein Eigentor als Geschenk

Max Kruse: Die teuerste Taxifahrt seines Lebens wird noch teurer
Max Kruse spielt in seiner Freizeit gerne Poker. FOTO: Twitter
Düsseldorf. Gladbachs Trainer André Schubert geht hart mit Youngster Mo Dahoud ins Gericht, Max Kruse vergisst frühmorgens mal eben 75.000 Euro in einem Berliner Taxi, Mario Götze darf auch mal wieder spielen, Frankfurts Keeper Hradecky sieht gegen Gladbach gar nicht gut aus. Wir haben die Hingucker des Spieltags für Sie.

Rüffel des Tages: Mahmoud Dahoud

Einen Rüffel vom Trainer gab es für Jungstar Mahmoud Dahoud vom Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. "Mich hat geärgert, was er am Ende gemacht hat. Er soll sich auf seinen Fußball konzentrieren und nicht anfangen zu spinnen", wetterte Coach André Schubert bei Sky nach dem 3:0 gegen Eintracht Frankfurt über den 20 Jahre alten Mittelfeldspieler.

Dahoud, der das 3:0 gegen die Hessen erzielte, hatte kurz vor dem Abpfiff die Frankfurter Szabolcs Huszti und David Abraham düpieren wollen. Das war ihm allerdings misslungen. Schubert weiter: "Vielleicht sollten wir alle den Jungen mal in Ruhe lassen, damit er nächste Woche auch so spielt. Wenn man es mit den spielerischen Fähigkeiten übertreibt, dann kommt auch mal ein Gegner, der sagt, das lasse ich mit mir nicht machen. Das muss er lernen. Sonst ist der Fuß plötzlich mal ab."

Taxifahrt des Tages: Max Kruse

Max Kruse rauschte wortlos davon. Mit ernster Miene verschwand der Nationalspieler in Richtung Teambus des VfL Wolfsburg und hinterließ viele offene Fragen. Ob dem 27-Jährigen seine schwache Leistung beim 0:1 bei 1899 Hoffenheim oder ein Medienbericht über den angeblichen Verlust von 75.000 Euro Bargeld in einem Berliner Taxi die Sprache verschlagen hatte, ist unklar. Klar ist dagegen, dass sein Chef beim VfL Redebedarf hat.

"Also, natürlich wollen wir mit dem VfL Wolfsburg für Schlagzeilen sorgen", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs. "Aber das sind Dinge, die nicht so toll sind." Er kündigte ein klärendes Gespräch mit dem Angreifer an. Denn schließlich wolle er da "doch ein bisschen mehr drüber wissen", meinte Allofs. "Anschließend werden wir es dann einordnen und gegebenenfalls auch reagieren." Wie Kruse gab auch sein Berater Thomas Strunz keinen Kommentar ab.

Dabei ist sehr vieles im Unklaren. Laut Bericht soll er die große Summe Bargeld an einem frühen Sonntagmorgen, dem 18. Oktober 2015, in einem Berliner Taxi vergessen haben. Anschließend habe er noch am selben Morgen Anzeige erstattet. Von dem Geld fehle bisher noch jede Spur, hieß es in dem Bericht. Die Berliner Polizei wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Wenige Stunden später soll Kruse wieder auf dem Trainingsplatz im über 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Wolfsburg gestanden haben.

"Wir haben das intern in einem Sechs-Augen-Gespräch zwischen Max, dem Trainer und mir aufgearbeitet. Das wird von uns sanktioniert. Wir haben ihm erklärt, welches Verhalten wir von unseren Spielern erwarten. Ich kann nur hoffen, dass es für ihn eine Lehre ist und dass er sein Verhalten etwas ändert", sagte Allofs der "Bild" (Montag). Dem Bericht zufolge muss Kruse mit einem Bußgeld in Höhe von angeblich 25.000 Euro rechnen. Eine teure Taxifahrt.

Abschied des Tages: SV Darmstadt 98

Die Bundesliga kann auch menschlich sein. Mit einer Schweigeminute nahmen die Profis von Darmstadt 98 Abschied von ihrem Fan Jonathan "Johnny" Heimes, der vor seinem Krebs-Tod die Spieler mit seinem Kampf gegen die Krankheit inspiriert hatte. Auch im Fanblock von Gegner FC Augsburg gab es Spruchbänder, die an Heimes erinnerten. Die Partie hatte keinen Sieger. Augsburg kam durch einen umstrittenen Foulelfmeter in der Schlussminute noch zum 2:2. Ausgleichende Gereichtigkeit: Zuvor war ihnen ein reguläres Tor aberkannt worden.

Fehlerteufel des Tages: Lukas Hradecky

Seinen Humor hatte Lukas Hradecky schnell wiedergefunden. "Wenn ich es positiv sehen will, habe ich hoffentlich alle meine Fehler in diesem Spiel gemacht", sagte der Torhüter von Eintracht Frankfurt nach der 0:3 (0:1)-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach und legte selbstironisch nach: "Hätten wir vier Tore kassiert, wäre ich wohl auch am vierten schuld gewesen."

Beim 0:1 faustete Hradecky Lars Stindl (36.) den Ball für die Füße, beim 0:2 durch Raffael (53.) misslang dem Schlussmann eine Abwehraktion außerhalb des Strafraums völlig. Beim dritten Gegentor ließ er sich durch einen Kunstschuss von Mahmoud Dahoud (79.) ins kurze Eck düpieren. "Das war ein Scheiß-Tag. Das war mein schlechtestes Spiel in der Bundesliga", sagte der in den vergangenen Wochen starke Hradecky. Trainer Niko Kovac nahm seinen Torwart in Schutz. "Lukas hat so viele gute Spiele gemacht. Er wird das verarbeiten", sagte Kovac nach seinem missglückten Einstand als Coach der Eintracht.

Comeback des Tages: Mario Götze

Mario Götze hatte seine schwarze Basecap tief ins Gesicht gezogen, doch dass seine Augen leuchteten, war gut zu sehen. 160 Tage war der WM-Held nach seinem Muskelfaserriss außen vor gewesen, ehe er am Samstag beim 5:0 (2:0) von Bayern München gegen Werder Bremen endlich wieder ran durfte - sogar von Beginn an. "Ich hatte eine lange Reha, es war keine leichte Zeit", sagte Götze, der zuletzt am 4. Oktober 2015 beim 5:1 gegen seinen ehemaligen Klub Borussia Dortmund gespielt hatte. Vier Tage später zog sich der 23-Jährige beim Länderspiel in Dublin gegen Irland (0:1) jene Muskelverletzung im Adduktorenbereich zu, die ihn so lange außer Gefecht setzte.

Beim Comeback spielte er ordentlich, war in der gut aufgelegten Münchner Offensive aber der Unauffälligste. Götze lief bis zu seiner Auswechslung (54.) starke 7,6 km, gewann aber nur bescheidene 33 Prozent seiner Zweikämpfe. Er hatte 48 Ballaktionen und gab zwei Torschüsse ab, vergab aber das mögliche 3:0 kläglich (49.). Außerdem zog er sich eine schmerzhafte Prellung am linken Ellbogen zu. Pep Guardiola bescheinigte Götze ein gutes Spiel und nannte den Weltmeister "speziell". Kaum ein Profi wisse so genau, wo er hinlaufen müsse, lobte der Trainer, Götze helfe damit den Kollegen sehr.

Bei den fünf Pflichtspielen zuvor saß Götze dennoch jeweils 90 Minuten auf der Bank. Nun, betonte er, sei er vom Spielrhythmus her wieder "bei 80, 90 Prozent" - und bereit für Juventus Turin am Mittwoch. Guardiola wird aber wohl auf ihn verzichten; auch Götzes Zukunft unter Carlo Ancelotti, der die Bayern im Sommer übernimmt, ist offen. Um sich dauerhaft zu empfehlen, braucht es mehr als ordentliche 54 Minuten gegen Bremen.

Generalprobe des Tages: Werder Bremen mit Juventus Turin vergleichen? Das hinkt gewaltig. Das 5:0 des FC Bayern München gegen die überforderten Hanseaten war somit eher ein Warm- denn ein Probelaufen für den deutschen Rekordmeister mit Blick auf das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League. Manche Personalien waren vermeldenswert. Mario Götze feierte nach fünf Monaten Verletzungspause ein 53-Minuten-Comeaback. Arjen Robben wurde komplett geschont. Am Mittwoch zählt es für die Bayern wirklich.

Pfiffe des Tages: Bastian Dankert

Die gereizte Stimmung nach einem Feuerwerk der Emotionen brachte Sandro Wagner am originellsten auf den Punkt. Der Torschütze von Darmstadt 98 flüchtete sich nach haarsträubenden Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Bastian Dankert beim 2:2 (2:0) gegen den FC Augsburg in Galgenhumor. "Diese Konzessionsentscheidung verstehe ich auch nicht. Aber ich bin wohl nicht klug genug für so etwas, deshalb bin ich ja auch Fußballer geworden", sagte Wagner. Das Lachen nach der verspielten 2:0-Führung der Hessen blieb dem Stürmer allerdings im Halse stecken.

Für Augsburgs Trainer Markus Weinzierl war Dankerts Doppel-Aussetzer Anlass genug, sich erneut für den Videobeweis stark zu machen, der frühestens ab der Saison 2018/19 bindend eingeführt wird. "Er könnte eine Hilfestellung geben. Die Fehler häufen sich bei den Schiedsrichtern", merkte Weinzierl kritisch an. Auch FCA-Manager Stefan Reuter forderte technische Unterstützung für die überfordert wirkenden Unparteiischen: "Dann hätten wir viele Fehlentscheidungen weniger. Das Spiel wird immer schneller. Und die Schiedsrichter stehen auch immer mehr unter Druck."

Zumindest durfte sich keine der beiden Mannschaften benachteiligt fühlen. Dankert hatte zunächst einen klaren Kopfballtreffer von Augsburgs Caiuby (77.) zum vermeintlichen 2:2 aus unverständlichen Gründen nicht anerkannt, ehe er den Gästen 13 Minuten später einen fast lachhaften Foulelfmeter zusprach. "Jeder pfeift ihn wahrscheinlich nicht", sagte selbst Weinzierl, der nach dem aberkannten Treffer seine Jacke wutentbrannt durch die Gegend geschleudert hatte.

Misslungenes Debüt des Tages: Niko Kovac

Jetzt weiß Niko Kovac, welche Aufgabe er in Frankfurt vor sich hat. Das 0:3 der Eintracht bei Borussia Mönchengladbach verschärfte die Krise der Hessen in der Fußball-Bundesliga.
Ausgerechnet der sonst so solide Torwart Lukas Hradecky war diesmal mit unglücklichen Aktionen bei allen Gegentreffern der Pechvogel.

"Positiv ist höchstens, dass ich heute alle meine Fehler in einem Spiel gemacht habe", befand der Frankfurter Schlussmann. "Wir müssen jetzt einen langen Atem haben, das ist Abstiegskampf", sagte Kovac. Ganz schnell müssen Punkte her. Am kommenden Samstag kommt Hannover 96 zum direkten Duell im Abstiegskampf.

Spieler des Tages: Leonardo Bittencourt

Ein Schmetterlings-Jubel für seine Cousins in Brasilien, zwei Treffer für seine persönliche Torbilanz und drei Punkte für den 1. FC Köln - besser hätte es für Leonardo Bittencourt in der WM-Arena am Maschsee kaum laufen können. "Ich habe viel am Torabschluss gearbeitet, das hat sich jetzt ausgezahlt", sagte der Mittelfeldspieler, der für die Gäste beim 2:0 (1:0)-Sieg bei Hannover 96 in der 43. und 61. Minute erfolgreich war.

24 Spieltage hatte man am Rhein vergeblich auf einen Torerfolg des 22-Jährigen gewartet, nun traf Bittencourt gleich doppelt. Vor Wochenfrist hatte er auch gegen Schalke getroffen. FC-Trainer Peter Stöger: "Ich weiß nicht, ob jetzt ein Knoten geplatzt ist, aber es ist schön, dass er getroffen hat, denn er hat sehr mit seiner Situation gehadert." Bei aller Freude über seinen Formanstieg, Bittencourt sprach den Niedersachsen, deren Trikot er von 2013 bis 2015 getragen hatte, Mut im fast schon aussichtslosen Abstiegskampf zu. "Vielleicht reicht es wenigstens noch zur Relegation", sagte er. Diesen 16. Platz nimmt aktuell Eintracht Frankfurt ein, am kommenden Wochenende nächster Gegner des norddeutschen Tabellenletzten.

Generalprobe des Tages: FC Bayern München

Werder Bremen mit Juventus Turin vergleichen? Das hinkt gewaltig. Das 5:0 des FC Bayern München gegen die überforderten Hanseaten war somit eher ein Warm- denn ein Probelaufen für den deutschen Rekordmeister mit Blick auf das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League. Manche Personalien waren vermeldenswert.

Mario Götze feierte nach fünf Monaten Verletzungspause ein 53-Minuten-Comeaback. Arjen Robben wurde komplett geschont. Am Mittwoch zählt es für die Bayern wirklich. "Wir haben bewiesen, dass wir gut drauf sind und schauen optimistisch auf Mittwoch", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Wie alle Münchner erwartet der Vorstandschef "ein schweres Spiel" gegen die alte Dame, in das der FC Bayern "mit Respekt" gehe. Zwar reicht nach dem 2:2 in Turin ein torloses Unentschieden, "aber wir sind nicht bekannt dafür, zu Hause auf 0:0 zu spielen", ergänzte Rummenigge, "das ist auch nicht der Stil von Pep Guardiola".

Der Katalane liebt den Angriffsfußball – wie in der einseitigen, 100. Bundesliga-Begegnung mit Werder gezeigt. Der überragende Thiago (9., 90.), der erstmals seit über zwei Jahren in der Liga traf, Weltmeister Thomas Müller (31., 65.) mit seinen Saisontoren 18 und 19, der eingewechselte Robert Lewandowski mit Treffer Nummer 24 (86.) und Kingsley Coman mit drei Assists erledigten den ehemaligen Rivalen.

Für Guardiola lieferte das Spiel gegen Bremens Fünferkette eine Blaupause für Juventus. "Es ist das Schwierigste im Fußball, zehn Spieler zu attackieren und dabei keine Konter zuzulassen", sagte er. Obwohl Italiens Rekordmeister am Mittwoch treffen muss, erwarten die Münchner einen auf Konter spielenden Gegner.

Geschenk des Tages: Albin Ekdals Eigentor

21 Eigentore verbuchten die Statistik-Nerds bis zum 26. Spieltag. Dann sorgte Hamburgs Mitelfeldspieler Albin Ekdal für das 22. Eigentor der Saison und für ein Geburtstagsgeschenk für Leverkusens Coach Roger Schmidt.

In der 18. Minute bugsierte Ekdal eine Bayer Flanke unglücklich ins eigene Netz. HSV-Torwart René Adler, der zwölf Jahre für Bayer spielte, war machtlos. Das Tor reichte Schmidt, der an seinem 49. Geburtstag wieder in die Coaching-Zone zurückkehrte, und seinem Team zum 1:0-Sieg. Dank des Treffers kann Schmidt nach den turbulenten Wochen zuvor wieder durchatmen.

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