Erster Härtetest beim T-Home-Cup: Meister Magath regiert auf Schalke
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 18.07.2009 - 11:32Gelsenkirchen (RP). Beim T-Home-Cup präsentiert sich Felix Magath am Wochenende zum ersten Mal als Schalker Trainer-Manager einem großen Publikum. Der Aschaffenburger ist ein strenger Verfechter von Disziplin, Ordnung und Fitness. Und er hat eine nahezu grenzenlose Machtfülle.
Es sind oft Spitznamen oder andere plakative Beinamen, die einen Menschen besonders treffend, wenn auch zuweilen überspitzt beschreiben. Dem Fußballlehrer Felix Magath hat man viele davon angehängt. "Magier", "Messias", "Quälix", "Schleifer", "Anti-Demokrat", "letzter Diktator Europas" und sogar "Saddam".
Die einen Attribute für den neuen Trainer des FC Schalke drücken Bewunderung aus, andere die Strenge, mit der er eine Mannschaft führt. Magath kann solche Titulierungen längst mit Gelassenheit ertragen, Denn der Erfolg gibt ihm recht. Vor allem, seitdem er den Mittelmaßklub VfL Wolfsburg innerhalb von zwei Jahren zum Meister machte.
T-Home-Cup in der Veltins-Arena
Halbfinale heute: 16.45 Uhr, Schalke 04 - VfB Stuttgart, 18.35 Uhr Bayern München - Hamburger SV
Spiel um Platz 3: Sonntag, 16.45 Uhr
Finale: Sonntag, 18.35 Uhr
Alle Halbzeiten sind 30 Minuten lang.
Die große Bühne
Macht und Macher: Das Wortpaar prägt die Vita des gebürtigen Aschaffenburgers, dessen Machtfülle nahezu grenzenlos ist. Auch beim FC Schalke, wo er nicht nur Trainer, sondern außerdem Manager und Vorstandsmitglied ist und wo der ebenfalls oft mit dem Attribut "mächtig" beschriebene Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sich erst einmal bewusst mit Interviews zurückhalten will.
Die große Bühne ist Magath vorbehalten. Schalkes Trainer-Manager, der sich am Wochenende beim T-Home-Cup erstmals bei seinem neuen Klub einem großen Publikum präsentiert, ist der Star. Da muss jeder Spieler schon Großes vollbringen, um aus dem Schatten des alles entscheidenden, alles beherrschenden Chefs herauszutreten.
Felix Magath, dessen erster Vorname Wolfgang ist, Sohn einer Ostpreußin und eines ehemaligen US-Soldaten aus Puerto Rico, sechsfacher Vater und Liebhaber grünen Tees, hat sich den Ruf als derzeit erfolgreichster Trainer der Bundesliga mit harter Arbeit und harter Hand erworben.
Doch auch in seiner zweiten Fußballerkarriere zeigt er Wesenszüge, die ihn bereits zu seiner aktiven Zeit prägten. Als Profi des Hamburger SV und Nationalspieler, als Regisseur in zentraler Position. Da zählte er trotz seiner bedeutenden Rolle auf dem Platz eher zu den Stillen, Zurückhaltenden, Distanzierten im Team.
Distanziertheit ist eine Eigenschaft, ja eine bewusste Haltung auch des Trainers Magath. Mit dem Verzicht auf kumpelhafte Nähe verstärkt er seine Autorität gegenüber der Mannschaft. Abstand hilft ihm, im Umgang mit den Spielern ein Klima hoher Anspannung zu schaffen, ein leistungs- und konkurrenzförderndes Druckpotenzial auf hohem Niveau. Abstand schafft Respekt.
Lehrjahre bei Happel und Zebec
Ernst Happel und Branko Zebec, seine strengen Lehrmeister beim HSV, haben ihn maßgeblich beeinflusst. Zwei Trainerautoritäten, die ebenfalls den Ruf hatten, unnahbar zu sein. Sie waren, wie Magath, Verfechter von Disziplin, Ordnung und Fitness als Grundvoraussetzungen für Erfolg.
Der kompromisslose Chef – das ist die eine Seite des Meistertrainers Magath. Dieser Mann von immerhin schon 55 Jahren hat, scheinbar paradox zum professionellen Arbeitsalltag mit dem Team, immer auch noch etwas Lausbubenhaftes, Verschmitztes, Hintergründiges an sich.
Er lächelt gern in die Kamera, und vielleicht macht gerade dieses Mienenspiel es besonders schwer, ihn und seine Absichten wirklich zu durchschauen. Magath ist ein Tüftler, der sich mit gutem Auge und Augenmaß einen Kader zusammenbastelt, mit geschärftem Blick für Fußballer, die er wie bei einem Puzzle zu einer Einheit formt.
In Wolfsburg ist ihm das formidabel gelungen mit einem Team, das die wenigsten als Titelkandidat auf der Rechnung hatten. Einen ähnlichen Aufschwung erhofft man sich nun auch in Gelsenkirchen – mit dem Unterschied, dass der Trainer-Manager nicht wie in Wolfsburg innerhalb von zwei Jahren stolze 60 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben kann.
Magath braucht Herausforderungen
Auf Schalke muss gespart werden. Aber gerade diese große Aufgabe hat Magath nach dem Wolfsburger Höhenflug gesucht als einer, der über sich sagt, "in gewisser Weise ein Getriebener" zu sein, der immer neue Herausforderungen braucht.
Auch mit Schalke will er Meister werden, irgendwann in den vier Jahren, für die er unterschrieben hat. Fast könnte man denken, er müsste auch den Zeitpunkt des auf Schalke herbeigesehnten Titeltriumphs schon genau kennen. Denn Magath ist passionierter Schachspieler.
Beim königlichen Spiel hat er gelernt, strategisch zu handeln, Züge vorauszuahnen. Deshalb rät er, sich auch im Fußball vom Schach inspirieren zu lassen – damit man in jeder Situation möglichst den besten Spielzug macht.
Die Figuren in Magaths Schachspiel – sie tragen jetzt alle die Farbe Königsblau.
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