Dortmunder Fanklub aufgelöst: Metzelder verkaufte "Anti-Schalke-Shirts"
zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 16:28Dortmund (RPO). Der ehemalige Dortmunder Fußball-Profi Christoph Metzelder hat mit seinem überraschenden Wechsel zum Revier-Rivalen Schalke 04 einige seiner einst treuesten Fans verloren. Der Fanklub Metzelder FC aus Lüdinghausen etwa hat sich vom einstigen Liebling distanziert - und sich abgemeldet.
"Der offizielle BVB-Fanclub 'Christoph Metzelder FC' ist aus aktuellem Anlass mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden. Auf die sonst im Wechselfall angebrachten guten Wünsche für die Zukunft verzichten wir aus Gründen der Pietät ersatzlos", hieß es auf der Internetseite des Fanklubs.
Die Anhänger aus Deutschland, Dänemark und Japan hatten ihrem Star unter dem Leitspruch "Christoph Metzelder - für immer Feuer und Flamme" seit Oktober 2000 die Treue gehalten. Der Ex-Nationalspieler Metzelder, der von Real Madrid zu den Königsblauen wechselte, ist zudem Mitglied bei den Dortmund-Fanklubs "Schneller Reifen" (er hat dort die Mitgliedsnummer 21) aus Hamburg und Ehrenmitglied bei den "BVB-Tigers" aus Belgien.
1995 erlebte er ein "absolutes Katastrophen-Jahr" in Gelsenkirchen, 2007 verkaufte er auf seiner Homepage sogar "Anti-Schalke-Shirts", nun folgt Metzelder dem Lockruf von Felix Magath. Der Vize-Weltmeister von 2002 wechselt im Sommer ablösefrei zu Schalke 04 und kehrt damit nach drei unglücklichen Jahren bei Real Madrid zurück in die Bundesliga. In der laufenden Saison absolvierte der oft verletzte Innenverteidiger nur drei Pflichtspiele für die Königlichen.
"Ich bin heilfroh, dass dieser Transfer zustande gekommen ist", sagte Schalke-Trainer Felix Magath: "Wir müssen uns für die Champions League vorbereiten und unseren Kader dahingehend aufstellen. Christoph wird dabei mit seiner Erfahrung eine sehr wichtige Rolle spielen." Zudem lobte er den 29-Jährigen als einen "etwas anderen Profi, ein Führungsspieler mit hohem Verantwortungsbewusstsein."
Dass die Wahl des 47-maligen Nationalspielers, der seit dem verlorenen EM-Finale 2008 gegen Spanien (0:1) kein Länderspiel mehr bestritt, für Magath aber ein "ehemaliger und künftiger Nationalspieler" ist, ausgerechnet auf den Bundesliga-Zweiten fiel, überrascht jedoch. Spielte Metzelder doch von 2000 bis 2007 für den Erzrivalen Borussia Dortmund. Als er den Schalkern mit dem BVB durch ein 2:0 am vorletzten Spieltag 2007 den Meistertitel verdarb, verkaufte der heute 29-Jährige über seine Homepage T-Shirts mit der Aufschrift "Meister der Herzensbrecher".
"Dass er sich damals für seinen Verein eingesetzt hat, spricht eher für ihn", meinte Magath schmunzelnd: "Dass Ressentiments bestehen, ist normal. Aber er ist nicht der erste Spieler mit einer Dortmunder Vergangenheit, der nach Schalke wechselt".
Zudem ist Metzelders Wechsel nach Gelsenkirchen genau genommen eine Rückkehr, doch die Saison 1995/96 in der B-Jugend der Gelsenkirchener beschreibt der Innenverteidiger als "eine absolute Katastrophe". Seine Zeit bei den Königsblauen würde er "am liebsten sofort wieder vergessen", schreibt Metzelder auf seiner Homepage: "Pleiten, Pech und Pannen waren an der Tagesordnung. Alles in allem eine völlig verkorkste und verlorene Saison für mich. Schon während der Winterpause war mir klar: Ich werde den Verein wieder verlassen. "
Der gebürtige Haltener wechselte zu Preußen Münster und empfahl sich dort für höhere Aufgaben. 2000 wechselte er nach Dortmund und wurde mit dem BVB 2002 deutscher Meister und stand im UEFA-Cup-Finale (2003 gegen Feyenoord Rotterdam). Insgesamt bestritt Metzelder 126 Bundesliga-Spiele für den BVB und galt unter den Fans als Identifikationsfigur. Dementsprechend sorgte die Ankündigung seines Wechsel nach Schalke am Montagabend im Lager beider Klubs für höchst emotionale Reaktionen der Fans. In zahlreichen Beiträgen wurde er als "Judas" bezeichnet.
Magath sicherte sich in Metzelder nur wenige Tage nach der sicheren Qualifikation für die Champions League eine erfahrene Korsettstange für sein junges Team. Da die Schalker, die zwei Spieltage vor dem Saisonende punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München auf Platz zwei der Bundesliga-Tabelle stehen, ausgerechnet in den Innenverteidigung fast überbesetzt waren, scheint der Transfer ein deutliches Signal für einen Abgang. Entweder werden Nationalspieler Heiko Westermann oder der vom Hamburger SV umworbene U21-Europameister Benedikt Höwedes den Verein am Saisonende verlassen oder Routinier Marcelo Bordon beendet seine Karriere.
Daran ist laut Magath aber "nicht gedacht". Und Höwedes, nur wenige hundert Meter von Metzelder entfernt in Haltern aufgewachsen, erklärte: "Ich freue mich, dass ich endlich mit Christoph zusammenspielen kann. Er wird unserem Verein helfen. Für mich ist ein Wechsel kein Thema."
Wechsel von Ex-Dortmundern nach Schalke oder umgekehrt waren übrigens stets von lauten Aufschreien der Fans begleitet, waren aber meist erfolgreich. Der langjährige S04-Keeper Torhüter Jens Lehmann schloss sich 1999 für vier Jahre Dortmund an und war wie Metzelder 2002 einer der Garanten für den Titel. Andreas Möller wechselte 2000 sogar direkt vom BVB nach Gelsenkirchen und wurde dort zum Leistungsträger.
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