Kommentar zur PR-Aktion des FC Bayern: Mit Gefühlen von Fans spielt man nicht
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012 - 11:17Düsseldorf (RPO). Die Nachricht, dass der FC Bayern "eine spektakuläre Neuverpflichtung für den Offensiv-Bereich" holt und auf einer Pressekonferenz auf Facebook um 14 Uhr präsentieren werde, schlug bei Bayern-Fans am Donnerstag wie eine Bombe ein. Am Ende verpuffte alles als Marketing-Aktion. Ein echtes Eigentor für den Rekordmeister.
34 Seiten lang war der Thread: "FC Bayern München verpflichtet neuen Spieler - PK um 14 Uhr" am Donnerstagabend im Fan-Forum des Klubs. Anfänglich herrschte dort eine regelrechte Euphorie, dann begann das muntere Rätselraten, welcher Superstar denn nun den Rekordmeister verstärken werde. Schließlich brach die Homepage des Rekordmeisters zusammen.
Die Hoffnungen waren berechtigt, schließlich verkündete der Verein ganz offiziell den Transfer auf seiner Homepage, mit O-Tönen von Sportdirektor Christian Nerlinger. Am Ende fühlten sich die Fans gelinde gesagt auf den Arm genommen. Auch auf Facebook machten Tausende User dem FC Bayern auf dessen Seite klar, was sie von dieser merkwürdigen Aktion hielten – nämlich nichts.
Daumen hoch, Daumen runter
Und das zurecht. Mit den Gefühlen von Fans spielt man nicht. Gerade nach dem verpatzten Rückrunden-Start bei Borussia Mönchengladbach sind viele Anhänger ohnehin frustriert. In der jetzigen Situation einen PR-Gag zu starten, war schon eine verwegende Idee des Rekordmeisters. Beim FC Bayern hatte man aber bei der Planung der Aktion wohl keinen Gedanken an die Fans verschwendet, wichtiger waren wohl die mediale Effekthascherei und viele "Gefällt-mir-Daumen" beim eigenen Facebook-Auftritt. Diese Wertung mussten die User nämlich abgeben, um der angeblichen Präsentation des neuen Superstars virtuell beizuwohnen.
Die Daumen wurden nach der Enttäuschung vom Publikum nahezu übereinstimmend gesenkt. Dem FC Bayern ist mit der Aktion ein klassisches Eigentor unterlaufen, selten war sich die Anhängerschaft so einig. Immerhin rang sich der Klub zu einer öffentlichen Entschuldigung durch, doch der Bundesliga-Tabellenführer sollte sich nicht zu sicher sein, dass alle Fans diese auch annehmen. Ein Teil der Anhängerschaft fühlt sich schon seit geraumer Zeit nicht als Fan, sondern als Kunde verstanden. Sollte der FC Bayern versucht haben, dieses Gefühl zu unterstreichen, so ist es ihm eindrucksvoll gelungen.
Wie die Reaktion der Zuschauer am Samstag gegen den VfL Wolfsburg aussieht, darf gespannt verfolgt werden. Einige Fans kündigten bereits Protestaktionen in der Allianz Arena an. Was für ein Eigentor des FC Bayern.
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