Doppelpack gegen Freiburg: Mölders trifft für seine Tochter
zuletzt aktualisiert: 07.08.2011 - 12:52Augsburg (RPO). Mit seinen beiden Toren hat Sascha Mölders seinem FC Augsburg ein Unentschieden gegen Ligakonkurrent Freiburg gerettet. Seinen Erfolg widmete der Stürmer seiner Tochter Joy.
Mölders nahm es gelassen. Zwar hatte der 26 Jahre alte Torjäger dem FC Augsburg mit seinem Doppelpack die Bundesliga-Premiere gerettet, aber wie hätte er als Papa auch anders können? "Meine Tochter hat mich heute Morgen angerufen und mir gesagt, dass sie so gerne die Torhymne hören will. Also musste ich ein Tor schießen", sagte der Neu-Augsburger nach dem 2:2 (0:0) gegen den SC Freiburg zum Start in die Beletage ziemlich unbeeindruckt.
Nicht nur die zweieinhalbjährige Joy jubelte zur Melodie "Eine Insel mit zwei Bergen" aus der Augsburger Puppenkiste: 30.403 historische Zeugen des ersten Bundesliga-Punktes des 51. Klubs der Ligageschichte feierten ihren Helden. Und der? Blieb cool.
"Es ist ja ganz schön, dass ich zwei Tore geschossen habe, aber der Punkt geht an die ganze Mannschaft", sagte er in vorbildlicher Augsburger Manier - und tat gut daran. "Für solche Treffer haben wir ihn geholt. Sascha hat ein Wahnsinnsspiel gemacht, aber ich will nicht nur einen Spieler loben", sagte Trainer Jos Luhukay, Geschäftsführer Andreas Rettig ergänzte: "Wir werden keine einzelnen Lorbeerkränze verteilen. Ohne gute Flanken hilft der beste Stürmer nichts."
Schon das erste Spiel im Oberhaus hat gezeigt: Augsburgs höchste Trümpfe sind "Teamgeist und Geschlossenheit" (Luhukay). Helden soll es spätestens nach den Erfahrungen des Anfang der Woche suspendierten meinungsfreudigen Publikumslieblings Michael Thurk nicht mehr geben. Auch wenn es ein ganz schöner Nebeneffekt war, dass die Diskussionen um die umstrittene Freistellung nach dem zufriedenstellenden Einstand zumindest für kurze Zeit verstummt sein dürften.
"Wir sind kein Dosenfutter"
"Das kann man nicht planen und umsetzen", sagte Luhukay - ein bisschen Genugtuung sah man dem Niederländer aber durchaus an. Auch Mölders will keineswegs als "Thurk-Ersatz" gelten: "Ich will mich nicht mit ihm vergleichen. Er hat gezeigt, dass er in jeder Liga Tore schießen kann, das habe ich noch nicht", sagte er kurz angebunden. Überhaupt wirkte der Neuzugang vom FSV Frankfurt (200.000 Euro) nach seiner zwölften Bundesliga-Partie - die ersten elf hatte er in der Saison 2007/08 für den MSV Duisburg absolviert - fast enttäuscht: "Es wäre mehr drin gewesen".
Der Rest des Augsburger Teams zeigte weitaus mehr Freude. "Wir können zufrieden nach Hause gehen. Es gibt noch einiges zu verbessern, aber wir sind kein Dosenfutter", sagte etwa Mittelfeldspieler Axel Bellinghausen. Luhukay zeigte sich höchst erfreut über die "Kraft und Energie" der Mannschaft.
Den Respekt hatte der Aufsteiger gegen anfangs ebenso ängstlich wirkende Freiburger in der zweiten Halbzeit abgelegt. Zweimal gingen die Gäste aus dem Breisgau durch Papiss Cisse (48.) und Cedric Makiadi (55.) in Führung, zweimal glich Mölders jeweils per Kopf aus (54./81.). "Wir haben gezeigt, dass wir auch in der ersten Liga Spiele drehen können", sagte Bellinghausen. Kapitän Uwe Möhrle räumte aber auch ein, für den ersten Punkt im Oberhaus zunächst Lehrgeld bezahlt zu haben - die zwei Gegentreffer fielen binnen acht Minuten.
Sogar Gästetrainer Marcus Sorg lobte den Kampfgeist des Liga-Neulings, obwohl er sich seinen Einstand als Bundesliga-Trainer anders vorgestellt hatte: "Uns fehlt der Rückenwind. Wir hatten uns deutlich mehr versprochen", gab der 45-Jährige zu. Ein Befreiungsschlag nach dem bitteren Aus im DFB-Pokal sieht anders aus.
Thurk saß auf Tribüne
Thurk hatte von der Tribüne aus zugesehen, wie die Mannschaft ohne ihn Moral und Kampfgeist zeigte. Vom Tisch ist der "Fall Thurk" sicherlich noch nicht, die Protest-Plakate gegen die Suspendierung waren aber überschaubar. "Es ist ein sensibles Thema. Aber wir können die Entscheidung nur akzeptieren", sagte Möhrle.
Nach den "turbulenten Tagen" soll es im Liga-Alltag keine Nebenkriegsschauplätze mehr geben: "Von dem Punkt haben wir noch nicht viel. Wir müssen uns noch 33 mal beweisen". Zunächst kommenden Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern. Ohne Thurk. Ohne Helden. Aber mit Mölders.
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