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Borussias starke Hinrunde: Mönchengladbach krönt historisches Jahr

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011 - 07:14

Mönchengladbach (RP). Das Lob kam von höchster Stelle. "Lucien Favre ist für mich der Trainer des Jahres", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Was er davon halte, wurde der Schweizer, der Borussia Mönchengladbach in nur zehneinhalb Monaten vom Fast-Absteiger zum Bundesliga-Vierten und nach dem 3:1-Erfolg über Schalke 04 zum Pokal-Viertelfinalisten gemacht hat, gefragt. Favre grinste und sagte: "Er hat Recht." Danach lachte er.

Favre ist ein bescheidener Mann und nahm das nicht persönlich, sondern machte seine Selbsteinschätzung an der Bilanz fest: "Es war ein Superjahr für uns." Gladbachs Sportdirektor Max Eberl erlebte ein Jahr, das "reif ist für ein Buch, es wird unvergessen bleiben".

Als Favre Mitte Februar den Job im Borussia-Park übernahm, war der Traditionsklub Letzter, und kaum jemand gab noch einen Pfifferling auf die Rettung. Favre schaffte es, Gladbach setzte sich in der Relegation gegen Bochum durch und spielte nun die beste Hinrunde seit 35 Jahren. Insgesamt sammelte Borussia 2011 saisonübergreifend 59 Punkte und krönte die verblüffende Hinserie mit dem 3:1 im Pokal gegen Titelverteidiger Schalke.

Damit buchte Borussia bereits eine Pokalreise nach Berlin, denn Hertha BSC, Favres Ex-Verein, ist der Gegner im Viertelfinale. "In der Liga haben wir dort gewonnen – und es soll nicht unsere letzte Fahrt nach Berlin sein in dieser Saison", sagte Eberl. Was das Weiterkommen genau einbringt, hängt unter anderem davon ab, ob das Spiel im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird, aber der Sieg gegen Schalke dürfte rund eine Million Euro wert sein.

Zudem sind die Borussen, die in der Liga zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Europapokal-Rang haben, auch im Pokal dem internationalen Geschäft einen Schritt näher gekommen. Juan Arango und Marco Reus (2) schossen die Tore gegen die eine Halbzeit lang kaum vorhandenen Schalker.

Nur mit dem zweiten Durchgang, da war der Perfektionist Favre nicht einverstanden. "20 Minuten waren katastrophal, es gab zu viele unnötige Ballverluste", monierte der Schweizer Trainer.

Schon häufiger überraschte er gerade nach großen Siegen mit überraschend deutlicher Kritik. Auch das gehört zum Prinzip Favre: Alles was gut ist, kann auch besser sein. Das spornt sein Team an, hinzu kommt der "Von-Spiel-zu-Spiel-Ansatz", der die Sinne für jede Aufgabe neu schärft. Favre war erst Retter, nun ist er Entwickler.

Das Vorbild für seinen ballorientierten Stil ist der FC Barcelona, der natürlich auf seine Art unerreichbar ist. Aber er gibt die Idealform vor. "Die Spieler haben schnell verstanden, was ich will, wir haben viele Spieler mit großer Spielintelligenz im Kader", betont der Trainer, "Das ist wichtig, denn ohne Spielintelligenz geht es nicht."

Marco Reus ist sein Musterschüler, Juan Arango der Mann mit den Ideen für das Gladbacher Spiel. Nicht von ungefähr entschieden die beiden das Spiel gegen Schalke. Favre will aber nichts davon wissen, dass er ein Spitzenteam betreut. "Wir sind ein Überraschungsteam, sind solide und spielen gut. 33 Punkte, das Viertelfinale – unglaublich. Wir haben die gleiche Mannschaft, die noch vor sechs Monaten 18. und dann 16. war. Es ist mehr als ein Wunder", urteilt der Schweizer. Das Geheimnis für diesen Aufschwung lüftet Verteidiger Martin Stranzl: "Der Zusammenhalt im gesamten Klub war immer da, auch als die Situation schwierig war. Alle sind ruhig geblieben, es war ein großartiges Miteinander. Wir haben gezeigt, was durch Zusammenhalt, harte Arbeit und den Glauben an sich möglich ist."

Quelle: RP/chk/rm/csi


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