Torwart des 1. FC Köln: Mondragon geht im Winter übers Wasser
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 09.12.2010 - 10:37Köln (RPO). So richtig lieb haben sie ihn in Köln nicht mehr. Der Vergleich mit Jesus, die Revolte gegen die Ersatzbankrolle und schließlich der provozierte Abgang. In Faryd Mondragon verlässt eine Persönlichkeit den 1. FC Köln.
Mondragon zieht es in der Winterpause über den großen Teich. Das Ziel des mit 39 Jahren ältesten Bundesliga-Profis: Philadelphia Union. Den Wechsel in die Major League Soccer meldet der "Kicker" jedenfalls als "definitiv". Mondragon pocht dem Vernehmen nach auf eine Absprache mit Ex-Manager Michael Meier, wonach er ablösefrei wechseln darf. Bislang galten die New York Red Bulls als Favorit.
Als Nachfolger wird neben dem Ex-Bayern-Keeper Michael Rensing nun auch Markus Pröll gehandelt. Der seit rund einem halben Jahr arbeitslose Torhüter lief zwischen 1998 und 2003 bereits 111 Mal für den FC auf.
"Auch Jesus wurde verraten"
Das Kölner Torwart-Theater wurde durch eine nicht so recht genehmigte Länderspielreise angestoßen und so richtig entfacht, als sich der einstige Publikumsliebling mit Jesus verglich. "Ich fühle mich, als hätte ich ein Messer im Rücken. Auch Jesus Christus wurde hinterhältig behandelt und verraten. So wird man im Leben eben immer wieder von Menschen enttäuscht."
In einem 20-minütigen Fast-Monolog (ein Übersetzer kam auch zu Wort) drückte Mondragon nicht nur seinen Unmut aus, sondern stellte in diesem Zuge auch fest, dass ein Platz auf der Ersatzbank nichts für ihn sei. Kölns Ex-Trainer Zvonimir Soldo schmiss ihn folgerichtig aus dem Kader und verhalf er dem erst 21-jährigen Miro Varvodic zu dessen Bundesliga-Debüt.
Knapp anderthalb Monate später stand Mondragon wieder im Tor, weil sein Ersatzmann die Bundesliga-Tauglichkeit nicht nachweisen konnte. Seitdem hält "Mondi" wieder glänzend, hatte durchaus entscheidenden Anteil an den paar Punktgewinnen der Domstädter.
Dennoch ist der Abschied beschlossene Sache, die Beziehung zwischen ihm und den Kölner Verantwortlichen ist nachhaltig gestört. In Erinnerung wird der Kolumbianer aber noch ein wenig bleiben. Seine Art, Zeit zu schinden (in Dortmund dehnte er sich einst eine Zerrung weg), seine Vorderleute wach zu rütteln (in der 2. Bundesliga schob er einen Gegenspieler zum Wechseln quasi vom Feld) und auch seine sportlichen Taten machten ihn zum Führungsspieler und zu einem der wenigen Leistungsträger der vergangenen Jahre.
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