Trainerwechsel beim FC St. Pauli: Musterschüler Schubert beerbt Stanislawski
zuletzt aktualisiert: 05.05.2011 - 15:53Hamburg (RPO). Andre Schubert wird neuer Trainer des FC St. Pauli. Holger Stanislawski feiert am Samstag gegen Bayern München wahrscheinlich tränenreich Abschied vom Millerntor. Die Fans wollen auf kreative Weise "Tschüs" sagen.
Ein Musterschüler geht, ein Klassenprimus kommt: Beim Fast-Absteiger FC St. Pauli setzt man auf dem Trainerposten weiterhin auf Top-Qualität. Andre Schubert, Lehrgangsbester 2004 an der Deutschen Sporthochschule in Köln, wird Nachfolger von Holger Stanislawski, der sich diese Auszeichnung an gleicher Stelle vier Jahre später erwarb und im Sommer zu 1899 Hoffenheim wechselt.
"Andre Schubert ist für die Situation, in der wir nächstes Jahr sind, genau der richtige Mann", begründet St. Pauli-Sportchef Helmut Schulte die etwas unerwartete Personalentscheidung. Als Favorit auf den Posten des Chefcoaches bei den Hamburgern galt eigentlich Marcel Koller, doch der Schweizer war den Hanseaten ganz offensichtlich zu teuer.
Nun soll es also der 39 Jahre alte Schubert richten, der beim Zweitligisten SC Paderborn schon unter Beweis gestellt hat, dass er aus wenig viel machen kann. Nach dem Aufstieg aus der 3. Liga vermied der gebürtige Kasselaner mit dem kleinsten Etat im "Unterhaus" gleich zweimal den Abstieg, nun aber sucht der glatzköpfige Fußballlehrer in der Hansestadt eine neue Herausforderung.
Denn die Ostwestfalen müssen noch mehr sparen, für Schubert der Anlass, dort aus seinem noch laufenden Kontrakt zum Saisonende auszusteigen und einen neuen Vertrag bei St. Pauli bis 2013 zu unterschreiben. Schubert: "Ich war nicht mehr davon überzeugt, mit den dort vorhandenden Möglichkeiten den Klassenerhalt zu sichern."
Auch am Millerntor muss in der neuen Spielzeit der Gürtel enger geschnallt werden, dennoch ist die Rückkehr in die Bundesliga das erklärte Ziel der Norddeutschen. "Präsident Stefan Orth: "Schubert und sein Co-Trainer Jan-Moritz Lichte werden unsere Mannschaft und und unseren Fußball weiterentwickeln. Sie passen hervorragend zu unserer sportlichen Philosphie."
Doch noch hat Stanislawski das Sagen und wünscht sich bei seinem letzten Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) gegen Rekordmeister Bayern München einen emotionalen Abschied mit einem guten Gefühl. "Nach 18 Jahren am Millerntor möchte ich dieses Highlight genießen und das ganz besondere Flair aufsaugen", sagt der Ur-Hamburger.
Pfiffe hat "Stani" in seinem Wohnzimmer keinesfalls zu erwarten, im Gegenteil: Die als kreativ bekannten Anhänger des Traditionsvereins arbeiten schon seit Tagen an vielen kleinen Aktionen, um dem Coach auf pfiffige Art und Weise "Tschüs" zu sagen. Eine Fankultur, die der unkonventionelle Trainer bei seinem neuen Arbeitgeber nicht vorfinden wird.
Am liebsten würde Stanislawski deshalb diese Begeisterung mit ins Kraichgau mitnehmen, doch ihm wird nur die Erinnerung an das Bundesliga-Freudenhaus bleiben: "Wenn man sieht, was in Frankfurt los ist, ist es wirklich großartig, wie unser Publikum mit der Situation umgeht und was da auf die Beine gestellt wird."
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