1. Bundesliga 16/17
| 16.06 Uhr

Keine Angst vor dem Terror
DFL bestätigt: Spieltag am Wochenende findet statt

Sicherheit im Fußball: Fragen und Antworten
Sicherheit im Fußball: Fragen und Antworten
Nach der Absage des Länderspiels in Hannover hält die Deutsche Fußball Liga an den Bundesliga-Spielen des Wochenendes fest. "Die Sicherheitsbehörden vor Ort entscheiden über die zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen und stehen dafür mit den zuständigen Behörden der Länder und des Bundes in engem Kontakt", hieß es einen Tag nach der Absage des Länderspiels Deutschland gegen Niederlande in einer Erklärung der DFL am Mittwoch.

 

Die Spielansetzungen blieben unverändert, erklärte die DFL. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert verteidigte die reguläre Austragung des nächsten Bundesliga-Spieltags und warnte vor einer zu großen Angst vor Terroranschlägen beim Fußball. "Sicherlich müssen wir alle wachsam sein. Aber es gibt keine Erkenntnisse von jedweder Gefährdung. Wir sollten nicht in Panik verfallen, sondern uns auf das konzentrieren, was über Jahre im Sicherheitsbereich entwickelt wurde", sagte er am Mittwochnachmittag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main.

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Auch die Uefa sieht keinen Grund für eine Absage der nächsten Spiele im Europapokal. "Alle Partien werden wie geplant ausgetragen", teilte die Europäische Fußball-Union am Mittwoch mit Blick auf die Spiele in der Champions League und der Europa League in der kommenden Woche mit. Zudem verwies der Dachverband auf seine strikten Sicherheitsbestimmungen. In Zusammenarbeit mit den Gastgeber-Vereinen und den örtlichen Behörden werde die Uefa sicherstellen, dass allle nötigen Maßnahmen getroffen würden.

Im Europapokal sind in der kommenden Woche auch alle sieben deutschen Vertreter wieder im Einsatz. Dabei sind der VfL Wolfsburg (in Moskau), Bayer Leverkusen (in Borissow) und Borussia Dortmund (in Krasnodar) auswärts gefordert. Eine Auflage für Gästefans werde die Uefa nicht aussprechen, hieß es. Dies liege in der Zuständigkeit der jeweiligen Sicherheitsbehörden. In der französischen Liga sind am nächsten Spieltag am Wochenende in keinem Stadion Fans der Gastmannschaften zugelassen.

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Frymuth "Ganze Gesellschaft wird bedroht"

Peter Frymuth, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, war bereits vor der offiziellen Bestätigung der DFL davon ausgegangen, dass der Ball am Wochenende rollen wird. "Nicht der Fußball wird von den Terroristen bedroht, sondern unsere ganze Gesellschaft", sagte Frymuth unserer Redaktion.

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"Gestern war ein Fußballspiel betroffen, es hätte aber auch jede andere Sport- oder Musikveranstaltung treffen können. Es geht um die grundsätzliche Frage, wie wir leben wollen. Wir dürfen uns nicht unsere Freiheit von Extremisten nehmen lassen."

Das für Dienstagabend in Hannover geplante Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden war wegen einer Terror-Warnung abgesagt worden. DFB, DFL und Vereine seien in engem Austausch mit den Ordnungskräften, so Frymuth. "Es gibt schon jetzt  für jedes Spiel, für jede Veranstaltung, bei der viele Menschen zusammenkommen, eine genaue Sicherheitseinschätzung", sagt Frymuth. "Man kann nicht pauschal ein Urteil fällen, sondern muss sich den Einzelfall ansehen und dann zu einer Beurteilung kommen."

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Bundesländer, Roger Lewentz, appellierte an die Anhänger, auf das Mitbringen von Pyrotechnik und Böllern am Wochenende zu verzichten. "In der aktuellen Lage wäre es geradezu fahrlässig. Liebe Fans, lasst die Pyrotechnik zu Hause, ihr helft in dieser angespannten Sicherheitslage damit der Polizei", sagte Lewentz, der auch rheinland-pfälzischer Innenminister ist.

Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln haben nach der Absage des Länderspiels allerdings erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für die kommenden Heimspiele angekündigt. Die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen haben Beratungen über weitere Sicherheitsmaßnahmen aufgenommen.

Das erklärte Vereinssprecher Dirk Mesch am Mittwoch. Es sei klar, "dass man auf diese Ereignisse reagieren muss". Und es sei wichtig, den Zuschauern und Fans das Gefühl zu geben, dass sie sicher seien. Doch man müsse auch Faktenlagen schaffen, mit den anderen beteiligten Clubs und mit der Deutschen Fußball Liga reden.

Die Kontrollen beim Einlass würden "spürbar erhöht", teilte die Borussia vor der Begegnung gegen Hannover 96 am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) mit. Auch Nachbar Köln will in der Partie gegen Mainz die Zahl der Ordnungskräfte "sichtbar erhöhen".

Konkrete Hinweise auf eine Gefahrenlage gebe es jedoch nicht, sagte Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers: "Dennoch haben wir uns aufgrund der Ereignisse der vergangenen Tage und der allgemeinen Lage dazu entschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen."

In Mönchengladbach öffnen die Stadiontore aufgrund der Kontrollen bereits um 13 Uhr. Der Klub rät allen Fans, möglichst frühzeitig anzureisen. Nur vier Tage später steht für Gladbach in der Champions League gegen den FC Sevilla ein weiteres Heimspiel an.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund hat sich für die Durchführung des anstehenden Bundesliga-Spieltages am Wochenende ausgesprochen. "Dass gespielt wird, steht außerhalb jeder Frage. Das wäre eine solche Kapitulation, das würde ja Freudenstürme in Syrien und anderswo auslösen", sagte Watzke (59) am Mittwoch auf Anfrage dem Sport-Informations-Dienst (SID) und forderte: "Wir müssen weiterleben, sonst triumphieren die Terroristen."

Auch Präsident Martin Kind von Hannover 96 warnte vor vorschnellen Reaktionen. "Am Wochenende sollte definitiv gespielt werden. Wir sollten nicht in Hektik und Aktionismus verfallen", meinte der 71-jährige Kind, der aber eine Sicherheitsdebatte anregte und dabei die Deutsche Fußball Liga (DFL) in die Pflicht nahm: "Der Fußball wird sich nach gestern mit allen Themen auseinandersetzen müssen. Besonders mit der Sicherheit. Die DFL muss die Meinungsführerschaft übernehmen, dann müssen wir gemeinsam Antworten finden."

Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt wird trotz der Vorkommnisse am Rande des Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland (2:0) am vergangenen Freitag in Paris und der Spielabsage von Hannover am Samstag "ohne Angstgefühle" ins Stadion gehen. "Es bleibt mir nichts anderes übrig, als entspannt zu sein. Wir werden in Absprache mit den Sicherheitsbehörden die nötigen Schritte einleiten. Aber das Leben muss weitergehen", sagte Bruchhagen (67) dem SID und fügte an: "Nach dem 11. September 2001 hat man auch gedacht, die Welt bricht zusammen. So schrecklich das auch war, aber die Welt ist nicht zusammengebrochen."

Auch Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05, warnte vor Kurzschlussreaktionen. "Es ist wichtig, auch gesellschaftlich gesehen, jetzt den Weg in die Normalität zu gehen", sagte der Jurist dem SID: "Ich glaube, unsere Sicherheitsmaßnahmen bei den Bundesligaspielen sind ausreichend. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, mit noch mehr Kontrollen vorzupreschen." Es sei "seit Jahren" die Problematik, "dass so etwas passieren" könne, dass "es Irrsinnige gib", sagte Strutz: "Natürlich hat es nun eine neue Qualität, aber es ist wichtig, dass wir versuchen, uns den Fußball nicht zerstören zu lassen."

Der frühere DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn hat vor Panikreaktionen nach der Absage des Länderspiels gewarnt. "Wir müssen sensibel mit der Bedrohung umgehen, aber – so schwer es fällt – auch eine gewisse Gelassenheit und Ruhe bewahren", sagte Spahn in einem Sport1-Interview. Er erwarte allerdings, dass die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Spieltag der Bundesliga am Wochenende "definitiv" verschärft werden.

(seeg/are/sid/dpa)
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