Krise bei Borussia Mönchengladbach: Netzer greift Präsident Königs an
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 13.12.2010 - 11:38Mönchengladbach (RP). Borussia war einmal sein Leben, sportlich jedenfalls. Danach kam der Hamburger SV. Die Zwischenstation mit dem ganz großen Namen, Real Madrid, zählt Günter Netzer (66) nicht auf, wenn er die Vereine auf dem Weg vom Spieler zum Fußball-Manager aufreißt und die Klubs nennt, an denen er bis heute hängt. Doch seit er den Wechsel zum Sportrechtehändler und Fußballkommentator vollzogen hat, ist er zurückhaltend mit Äußerungen zu Gladbachs Vereinspolitik.
Jetzt aber ist dem Mann, der in den 60er und Anfang der 70er Jahre als "King vom Bökelberg" Borussias Senkrechtstart aus der Provinz in die Spitze des europäischen Fußballs geprägt hat, der Kragen geplatzt. "Ich habe mich jahrzehntelang nicht eingemischt", sagte er gestern unserer Zeitung. "Doch was Max Eberl am Freitag gesagt hat, das hat mich sehr gestört."
Es geht um die harsche Kritik des Gladbacher Sportdirektors an Netzers Freund und einstigen Weggefährten Berti Vogts – als Replik auf dessen Kritik an Eberls Arbeit in "Bild". "Ich finde Bertis Kritik richtig und lobenswert. Denn sie kommt aus Sorge um Borussia. Ich bin vielleicht der große Name. Aber Berti hat mehr für den Verein getan als ich", sagt Netzer. "Borussia schmort seit Jahren in ihrem eigenen Saft. Berti Vogts hat sich als Reformer und Helfer angeboten. Man sollte ihm dankbar sein und nicht so unpassend und unverschämt reagieren wie Max Eberl. Noch hat er nicht bewiesen, dass er den Klub voranbringen kann."
Kritik übt Netzer auch an der Vereinspolitik, betont aber, dass er nicht zur vergangene Woche an die Öffentlichkeit getretenen "Initiative Borussia" gehöre: "Ich bin zwar mal angesprochen worden, weiß aber nicht, wer dazu gehört. Doch die Forderung, dass sich etwas ändern müsse, ist berechtigt. Borussia wird seit Jahren vom Alleinherrscher Rolf Königs regiert, der sich sein eigenes Reich geschaffen hat und seine Macht festigt. Und obwohl der Verein immer wieder beträchtliche Summen in neue Spieler gesteckt hat, bleiben Erfolge aus. In den Aufsichtsrat müssen Leute aus Wirtschaft und Sport."
Netzer macht sich Sorgen um Borussias Zukunft. Und meint, dass "der Verein, in dem meine Wurzeln sind und in dem ich die schönste Zeit als Fußballer verbracht habe" sich höhere Ziele setzen müsse als gegen den Abstieg zu spielen: "Es gibt doch heute um Borussia herum mehr Begeisterung als zu meiner Zeit. Es ist bedauerlich, dass sie es nicht schaffen, dies in Erfolge umzumünzen."
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