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Manuel Neuer thomas müller panorama dapd 2011
  Foto: dapd, dapd
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Tränen bei Pressekonferenz auf Schalke: Neuer: Noch kein Ja-Wort für Bayern

zuletzt aktualisiert: 20.04.2011 - 17:15

Gelsenkirchen (RPO). Als Manuel Neuer die Scheidung von seiner großen Liebe Schalke 04 bekannt gab, schossen ihm die Tränen in die Augen. Der Nationaltorhüter kämpfte mit seinen Emotionen, während er dem königsblauen Herz am Mittwoch einen Stich versetzte und erklärte, dass er seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht verlängern wird.

"Es war weiß Gott keine einfache Entscheidung", sagte Neuer. Zu einem Ja-Wort für den FC Bayern München, der heftig um ihn buhlt, konnte er sich nicht durchringen - doch dies scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

"Ich möchte mich weiterentwickeln"

"Es gibt gewisse Tendenzen. Horst Heldt hat mich über das Interesse von Bayern München informiert", sagte Neuer. Bereits am Samstag, vor dem 1:1 bei Werder Bremen, hatte er die Verantwortlichen davon unterrichtet, dass er den Verein, dem der 25-Jährige seit mehr als 20 Jahren die Treue hält, verlassen will. Er habe "einige Zeit gebraucht für diese Entscheidung", gestand Neuer, aber: "Ich möchte mich weiterentwickeln und einen neuen großen Schritt in meiner Karriere machen". Immer wieder wurden seine Augen feucht.

Zwei Tage lang, berichtete Trainer Ralf Rangnick, habe Schalke noch einmal "mit Leib und Seele gekämpft, dass Manuel hier bleibt". Doch die Verlockungen und die Chancen der großen, weiten Fußball-Welt, die in Deutschland auf Dauer nur der FC Bayern bieten kann, waren stärker. "Ich möchte immer auf dem höchsten Niveau spielen, das ist die Champions League. Als Persönlichkeit einen Schritt machen, auf eigenen Beinen stehen", sagte Neuer, der bei Schalke 2006 vom Fan seit Kindertagen zum Stammtorhüter aufgestiegen war.

"Wo ein Wille ist, da ist ein Weg"

Wann und wohin Neuer geht, ließ er offen. Aller Voraussicht nach aber wird er noch in diesem Sommer zum FC Bayern wechseln, nur in diesem Fall erhielte Schalke noch eine Ablösesumme. "Es gibt eine klare Tendenz. Die Frage ist nur, wie schnell man eine Lösung findet", hatte der Münchner Sportdirektor Christian Nerlinger bereits wissen lassen. Dies legt nahe, dass es nur noch um die Höhe der Ablösesumme geht. Voraussichtlich wird der FC Bayern um die 20 Millionen Euro zahlen müssen.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß glaubt nicht, dass der Transfer daran scheitern wird und hofft auf einen Wechsel Neuers im Sommer. "Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Ich denke, dass wir gewillt sind, das zu realisieren – und wenn die Schalker nächstes Jahr keine Ablöse bekommen, dann werden sie sich schon so bewegen, dass man sich einigen kann. Wir hoffen, dass er dieses Jahr kommt. Und wenn er nicht dieses Jahr kommt, kommt er nächstes Jahr", sagte Hoeneß dem "ZDF".

"Bayern hat um ein Treffen gebeten"

Aus Sicht der Schalker wird es bald nur noch auf das Verhandlungsgeschick von Heldt ankommen, der aus dem Abschied Neuers finanziell das Beste machen muss. "Bayern München hat um ein Treffen gebeten. Wir haben gesagt, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein Treffen nicht möglich ist. Wir haben gerade wichtige sportliche Ziele. Aber irgendwann wird es sicherlich ein Treffen geben, und die Gespräche werden aufgenommen", sagte Heldt. Dass Neuer gehen werde, damit "müssen wir leben und die Entscheidung akzeptieren", ergänzte er.

Erwartungsgemäß entsetzt reagierten die Schalker Anhänger. "Ich weiß, dass das bei euch auf Unverständnis stößt", schrieb Neuer auf seiner Facebook-Seite, und so war es dann auch: Der Torhüter wurde in den Tausenden Kommentaren zu der Mitteilung unter anderem als "Verräter" und "Judas" beschimpft. Für das Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern rechnet Neuer mit bösen Reaktionen: "Das ist kein schöner Moment für die Fans von Schalke 04. Mit 10 Jahren, als ich selbst in der Kurve stand, hätte ich es wahrscheinlich auch nicht verstanden."

Für Neuer steht erst einmal weiter Schalke im Vordergrund. Seine "volle Konzentration" gelte den anstehenden Saisonzielen, betonte er. Königsblau hat das Halbfinale der Champions League gegen Manchester United erreicht (27. April und 4. Mai) und steht im Pokal-Endspiel gegen den Zweitligisten MSV Duisburg. "Wir beschäftigen uns mit den anstehenden sportlichen Aufgaben. Alles Weitere wird zu gegebener Zeit erfolgen", betonte Heldt. Am 30. April ist Schalke in der Bundesliga zu Gast beim FC Bayern.

Bayern-Fans sind gespalten

Neuer stößt in München nicht nur auf Gegenliebe. Eine große Gruppe von Anhängern hatte ihn beim Pokal-Halbfinale zwischen beiden Mannschaften am 2. März übel beschimpft. Die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters hatten dies in aller Klarheit verurteilt und sich bei Neuer entschuldigt. Doch die Pfiffe des Münchner Publikums lassen Neuer noch kalt, schlimmer wären da schon Pfiffe aus dem Schalker Lager. "Es ist schwerer, wenn man von der eigenen Familie ausgepfiffen wird, als von noch Fremden", erklärte der Torhüter auf der Pressekonferenz.

In die Diskussion griff am Mittwoch auch Franz Beckenbauer ein. "Ich sage den Fans, die sich gegen die Verpflichtung ausgesprochen haben: Wir brauchen Neuer dringender denn je, Bayern hat eine total verunsicherte Abwehr", sagte er in Sport Bild, diese Abwehr musse nächste Saison stabilisiert werden. "Dafür ist Neuer der richtige Mann." Ähnlich sieht Oliver Kahn die Situation bei seinem früheren Klub. Neuer könne beim FC Bayern "eine erfolgreiche Ära prägen", sagte der ehemalige Nationaltorhüter.

Der FC Bayern jedenfalls hat Neuer in der Tat bitter nötig. Seit dem Rücktritt von Kahn am Saisonende 2008 versuchten sich als dessen Nachfolger Michael Rensing, Jörg Butt und Thomas Kraft - ohne den gewünschten Erfolg. An der Säbener Straße wäre Neuer deshalb ein willkommener Mitspieler. "Er sollte zu uns passen", sagte Nationalspieler Miroslav Klose und betonte: "Ich gehe fest davon aus, dass das was wird." Nicht nur er.

Quelle: SID/can

 
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