1. Bundesliga 16/17
| 14.32 Uhr

Derbyzeit im Norden
Duell Werder gegen HSV sorgt für Alarmstimmung

Porträt in Bildern: Das ist Bruno Labbadia
Porträt in Bildern: Das ist Bruno Labbadia FOTO: dpa, awa hae jhe
Bremen. Das Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV hält den Norden in Atem - die Polizei ist wegen der verfeindeten Fanlager in Alarmbereitschaft.

Alkoholverbot für die Fans, Alarmbereitschaft für die Polizei und ein historischer Kostenstreit: Das brisante Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (Sonntag, 15.30 Uhr/im Live-Ticker) hält einmal mehr den Fußball-Norden in Atem.

Und während Spieler, Trainer und Klub-Bosse die verfeindeten Fanlager zur Besonnenheit aufrufen, tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf: Wer soll die zusätzlichen Sicherheitskosten für den Bundesliga-Showdown bezahlen?

"Wir rechnen mit einer hohen Zahl von Gästefans, in deren Reihen sich zahlreiche gewaltbereite Problemfans und Gewalttäter befinden", sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und bekräftigte, die durch das Risikospiel entstehenden Mehrkosten von etwa 300.000 der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Rechnung zu stellen - ein Novum im deutschen Fußball.

Bruno Labbadia leitet erstes HSV-Training FOTO: dpa, ahe nic

Etwa 1000 Polizisten sollen am Sonntag für die Sicherheit sorgen, bei "normalen" Spielen reichen 120 Beamte. "Bei den vergangenen Begegnungen konnten schwere Auseinandersetzungen nur durch starke Polizeipräsenz verhindert werden", sagte Mäurer zur Begründung für seinen Vorstoß. Bei Werder und der DFL regt sich massiver Widerstand. "Dass wir das nicht toll finden, ist klar. Dass wir da noch weitere Schritte einleiten auch", sagte Werder-Sportchef Thomas Eichin. Damit steuert der Gebührenkonflikt auf eine Auseinandersetzung vor Gericht zu.

"Der Alleingang des Bundeslandes Bremen löst keine Probleme und ist rechtlich äußerst fragwürdig. Sollte daher ein Gebührenbescheid eingehen, wird sich die Liga mit allen juristischen Möglichkeiten dagegen zur Wehr setzen", hatte die DFL bereits angekündigt. Man werde alle Bescheide an Werder Bremen weiterreichen. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Bremische Bürgerschaft ein Gesetz verabschiedet, demzufolge ein Verschicken von Kostenbescheiden rechtlich möglich ist, wenn bei einer gewinnorientierten Veranstaltung mit mehr als 5000 Teilnehmern Gewalttätigkeiten zu erwarten sind und deshalb erhöhte Polizeikosten entstehen.

Die Fan-Lager von Werder und dem HSV pflegen eine innige Abneigung. Das Duell der Erzrivalen erhält bei der 102. Auflage durch die sportlich angespannte Situation eine besondere Brisanz: Dem HSV droht als Tabellenletzter mehr denn je der erste Abstieg der Vereinsgeschichte. Die Polizei ist auf alles gefasst und hat schon einmal ein Alkoholverbot in allen Zügen des Bremer Regionalverkehrs ausgesprochen, um Krawallen vorzubeugen. Glasflaschen und Pyro-Technik sind ohnehin verboten.

Die schmutzige Seite des 100. Nord-Derbys FOTO: dpa, crj jhe

"Die Zweikämpfe sollten nur auf dem Feld geführt werden", sagte Werder-Kapitän Clemens Fritz. Und auch sein Trainer Viktor Skripnik hofft auf ein friedliches Derby und appellierte an die Fans: "Jede Rangelei, jede brennende Pyro-Fackel lenkt von unserem Spiel ab. Das schadet der Mannschaft."

Die Polizei versucht schon im Vorfeld, ein Aufeinandertreffen der verfeindeten Anhänger zu verhindern. Fanmärsche durch die Innenstadt sind verboten, die Hamburger werden in Shuttle-Bussen vom Hauptbahnhof zum Weserstadion gefahren, vor Ort werden erstmals Sichtschutzzäune eingesetzt, um Provokationen zu unterbinden.

"Wir machen alles möglich, um die Veranstaltung im Weserstadion zu einem ausgelassenen, aber sicheren und ungefährlichen Fußballfest werden zu lassen", sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald, der seit mehr als drei Wochen mit den HSV-Verantwortlichen und der Polizei "in engem Kontakt" steht. Und Skripnik meinte: "Alles soll auf dem Platz entschieden werden."

(sid)
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