1. Bundesliga 16/17
| 13.01 Uhr

Talente statt fertige Stars
Die Bundesliga investiert in die Kategorie U21

Nur der FC Bayern München kann sich fertige Stars leisten
Breel Embolo ist ein Transfer für die Zukunft, war dabei aber nicht billig. FOTO: dpa, mb hak
Düsseldorf. Das internationale Transfer-Karussell nimmt immer mehr Fahrt auf: Während die Konkurrenz Unsummen für teure Stars investiert, setzen die Bundesliga-Klubs bisher überwiegend auf Talente.

Zahlt Manchester United 110 Millionen Euro für Paul Pogba? Überweist Juventus Turin wirklich 95 Millionen für Gonzalo Higuain? Die Schlagzeilen auf dem Transfermarkt werden von den großen Namen und den noch größeren Summen beherrscht. Und während besonders die Klubs in England und Italien mit dem Geld um sich werfen, geht in der Bundesliga der Trend in die andere Richtung: Junge, hungrige Talente für möglichst wenig Kohle kaufen. Keine Liga der Welt investiert so stark in die Kategorie U21.

Talente zu verpflichten ist "alternativlos"

Die Transferpolitik, "schon jetzt Europas Top-Talente zu verpflichten", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund sei "schlicht alternativlos". Fertige Stars kann sich in Deutschland fast nur noch der FC Bayern leisten, die anderen Klubs müssen kreativer sein. Und so konnte sich etwa der BVB im Sommer trotz der Konkurrenz namhafter und noch zahlungskräftigerer Vereine die Dienste der Talente wie Ousmane Dembélé (19, 15 Millionen) oder Emre Mor (18, sieben Millionen) leisten. Die Transfers von gestandenen Nationalspielern wie Mario Götze und André Schürrle wurden möglich durch die Verkäufe von Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan. Revierrivale Schalke 04 überraschte mit der Verpflichtung von Breel Embolo (19,27 Millionen). Mit Spielern wie Embolo "kauft man auch Potenzial ein", sagte Schalke-Manager Christian Heidel, der gerade dabei ist, Leroy Sané für sagenhafte 50 Millionen an Manchester City zu verkaufen.

Für Transfers auf die Insel wird in der Szene mittlerweile mit einem 20-Prozent-Aufschlag auf den eigentlichen Spielerpreis gerechnet. "Es entsteht eine Blase. Und ich bin gespannt, was passiert, wenn die einmal platzt", sagte Watzke. Doch noch fließt das Geld und selbst durchschnittliche Spieler können überdurchschnittlich viel verdienen. "Manche der Premier-League-Spieler müssten jeden Abend eine Kerze anzünden", sagte Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann dem "kicker".

Entwicklungs-Perspektive statt Rekord-Gehälter

Beim Gehalt können die Bundesliga-Klubs mit ihren englischen Konkurrenten nicht mithalten, sie brauchen einen Plan, gutes Scouting und gute Kontakte. Statt noch mehr Millionen auf dem Konto bieten Klubs wie Dortmund, Schalke oder Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg eine Entwicklungs-Perspektive.

"Wenn es alleine um die Höhe des Gehalts gehen würde, wäre es schwer, so ein Rennen immer zu gewinnen. Aber so ist es ja nicht", sagte Watzke. Und so konnte Mönchengladbach Mamadou Doucoure (18) ablösefrei von Paris St. Germain holen, Borja Mayoral (19) entschied sich für Wolfsburg, Jesus Vallejo (19, beide von Real Madrid ausgeliehen) für Eintracht Frankfurt und der Hamburger SV schnappte sich Alen Halilovic (20) für fünf Millionen vom FC Barcelona. Selbst die 35 Millionen, die der FC Bayern für Renato Sanches (18) ausgegeben haben, gelten als bestens investiert. Die Preise der neuen Bundesliga-Talente dürften in Zukunft noch deutlich steigen.

(sid)
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