Schuldzuweisungen beim HSV: Oenning: "Mir hat die Leidenschaft gefehlt"
zuletzt aktualisiert: 17.09.2011 - 21:26Hamburg (RPO). Wer genau hinhörte beim Hamburger SV, der vernahm nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach die ersten eindeutigen Schuldzuweisungen. Die Nervosität und die Verzweiflung steigen in dem Maße, in dem der Glaube an Besserung abnimmt.
Gladbach sollte die Wende sein, es könnte aber der Anfang vom Ende von Trainer Michael Oenning werden. Der Coach ist mit nur einem Sieg in jetzt 14 Spielen die personalisierte Erfolgslosigkeit, und er ging nach der erneuten Pleite verbal auf seine Spieler los: "Mir hat die letzte Leidenschaft gefehlt. Wir brauchen eine Mannschaft, die sich mit allem, was sie hat, wehrt."
"Stinksauer" sei er, weil der entscheidende Treffer wieder durch eine Standardsituation gefallen sei: "Das ärgert mich maßlos, das darf nicht sein. Das ist sehr enttäuschend, da nehme ich die Mannschaft voll mit ins Boot."
Noch steht Arnesen zum Trainer
Der dringend notwendige Befreiungsschlag wurde erneut verpasst. Mit einem Punkt steht der Klub ganz unten und der Abstand zum sicheren Mittelfeld wächst mit jedem Spieltag.
Noch hat Sportdirektor Frank Arnesen offenbar Geduld, jedenfalls am Samstag, kurz nach dem Spiel: "Michael Oenning fährt auf jeden Fall mit nach Stuttgart." Aber auch der Däne weiß, dass sich die Treue zum Coach auf Dauer nicht durchhalten lässt. "Was soll ich sagen, jeder wird an Punkten gemessen", sagte der völlig enttäuschte Kapitän Heiko Westermann auf die Frage nach dem Trainer.
Mönchengladbach als Vorbild für den Umschwung hatte Oenning selbst am Donnerstag genannt. Erst im Schlussspurt der vergangenen Saison konnte sich das Team retten, in der Relegation gegen den VfL Bochum. Jetzt gehört es mit 13 Punkten zu Spitzengruppe, hat schon vier Saisonsiege eingefahren.
"Wir sind sicherer und selbstbewusster geworden, haben die Relegation gewonnen und dieses Erfolgserlebnis mit in die Saison genommen. Wir haben das Gefühl, jedes Spiel gewinnen zu können", sagte Sportchef Max Eberl: "Entscheidend war der Trainerwechsel."
Trainerwechsel entscheidend für Gladbacher Erfolg
Lucien Favre folgte am 14. Februar auf Michael Frontzek und übernahm die Mannschaft mit 16 Punkten nach 22 von 34 Spieltagen abgeschlagen am Tabellenende. Das Team versteht offenbar, was der Schweizer von ihr fordert. "In der ersten Halbzeit waren wir nicht so gut, dann haben wir schnell kombiniert und es gut gemacht. Wir hatten fünf, sechs klare Chancen und verdient gewonnen."
Dass das entscheidende Tor aus einem Standard fiel, lag am mehrmals stark haltenden HSV-Keeper Jaroslav Drobny und den verlässlichen Unachtsamkeiten in der Abwehr. Bereits zum achten Mal in dieser Saison fiel ein Gegentor nach einem ruhenden Ball. Von kurz hinter der Mittellinie segelte die Freistoßflanke von Juan Arango in den Strafraum, die Igor de Camargo (66.) unbedrängt einköpfen konnte. "So frei möchte ich bei einem Freistoß auch mal stehen", zürnte Westermann.
Angsthasenfußball im eigenen Stadion
Aber das Gegentor war ja nur ein Problem der Hamburger. Nach vorne ging im Grunde nichts. Keine Chancen, kein Tempo, keine Kombinationen. Oenning hatte sich für eine Defensivtaktik mit drei "Sechsern" entschieden, Angsthasenfußball im eigenen Stadion. "Wir haben auch Probleme nach vorne", sagte Mladen Petric, der als einziger Angreifer völlig in der Luft hing, "wir schaffen es nicht, mit Tempo in die Spitze zu spielen."
Der Kroate hat in seinen drei Jahren in Hamburg schon so manche Krise und viel Frust erlebt. Aber die Situation jetzt? "Es gab schon einige Phasen, wo es nicht gut lief", sagte der Kroate, "aber das jetzt ist eine lange Durststrecke, immer wieder Misserfolge, das geht schon an die Substanz."
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