Nach dem Pokalfinale in Berlin: Olympiastadion verliert seinen Zauber
zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 - 13:33Berlin (RPO). Das Fünf-Sterne-Theater wird zur Provinz-Bühne: Nach dem Abpfiff des DFB-Pokalfinals zwischen Bayern München und Werder Bremen beginnt für das Berliner Olympiastadion nun eine weniger ruhmreiche Ära. Durch den Abstieg von Hertha BSC Berlin aus der Bundesliga machen die Top-Teams in Zukunft einen großen Bogen um den WM-Endspielort von 2006.
"Das ist natürlich schade. Wir hoffen, dass Hertha so schnell wie möglich wieder aufsteigt", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger schon mehrfach über die Lage in Berlin. Zumindest die Nationalmannschaft bringt 2010 noch einmal Glanz ins weite Stadionrund der Hauptstadt. Am 8. Oktober 2010 tritt Deutschland im Olympiastadion zum EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei an.
Doch im Alltag geben künftig die Teams aus Paderborn, Fürth oder Oberhausen ihre Visitenkarte in Berlin ab. Statt 50.000 erwartet man in Zukunft 20.000 Besucher pro Spiel. Die riesige Schüssel wird nur noch zu einem Drittel gefüllt sein und dürfte bei den Zweitliga-Teams als Stimmungstöter keine allzu große Beliebtheit genießen.
Große Hoffnungen nicht erfüllt
Dabei hatte der deutsche Fußball mit dem Aufstieg der Hertha im Jahr 1997 große Hoffnungen an das Berlin-Projekt geknüpft. Die "Alte Dame" sollte im wiedervereinten Deutschland dafür sorgen, dass die Hauptstadt dauerhaft in der Bundesliga vertreten bleibt. Zunächst konnte der Klub die Erwartungen erfüllen und katapultierte sich mit der Qualifikation für die Champions League im Jahr 2000 sofort in die europäische Beletage.
In den Folgejahren schaffte Hertha mehrfach den Sprung in den Uefa-Cup. Auch wenn ein Titel oder die Rückkehr in die Champions League ausblieben, garantierte Manager Dieter Hoeneß in seiner 13-jährigen Amtszeit zumindest deutschen Erstliga-Fußball - allerdings zu einem hohen Preis. Rund 33 Millionen Schulden hinterließ Hoeneß bei seinem Abschied im Juni 2009.
Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz müssen nach dem fünften Bundesliga-Abstieg der Klub-Geschichte nun beweisen, dass sie es können. Alles andere als der direkte Wiederaufstieg dürfte dem Duo große Probleme bereiten. "Unser Ziel kann nur die sofortige Rückkehr ins Oberhaus sein", hatte Gegenbauer unlängst gesagt.
Ausgerechnet vor dem Neubeginn in der zweiten Liga wurde das Stadion mit einer komfortablen Extravaganz ausgestattet. Ab dem Pokalfinale werden die Mannschaften per Rolltreppe auf das Spielfeld gebracht. Der Senat ließ das teure Stück für über 500.000 Euro installieren.
Damit sollen die Chancen auf die Austragung eines sportlichen Großereignisses, beispielweise eines Champions-League-Finales, gesteigert werden. Das DFB-Pokalfinale jedenfalls hat man sich schon mal für fünf weitere Jahre bis 2015 gesichert. Es garantiert dem Stadion zumindest ein echtes Highlight im Jahr.
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