1. Bundesliga 17/18
| 14.04 Uhr

Blackout beim Videobeweis
DFL will Hintergründe "schonungslos offenlegen"

Panne beim Videobeweis: DFL will Hintergründe schonungslos offenlegen
Schiedsrichter Sascha Stegemann (r) und ein Operator im Videoassistcenter. FOTO: dpa, ve nic
Frankfurt/Main. Der Videobeweis kann zum Bundesligaauftakt gleich in drei Spielen nicht oder nur eingeschränkt zum Einsatz kommen. Krasse Fehlentscheidungen bleiben zwar aus, die DFL ist jedoch spürbar verärgert.

Der gefeierten Premiere folgte ein Technik-Blackout: Nach massiven Problemen mit dem Videobeweis zum Bundesligaauftakt hat die Deutsche Fußball Liga den Anbieter Hawkeye heftig kritisiert und die Geschäftsführung zu einem Krisengipfel nach Frankfurt einbestellt. "Für die DFL ist diese Situation nicht hinnehmbar", teilte die Dachorganisation des deutschen Profifußballs verärgert mit. Bei dem Treffen Anfang der Woche "sollen die Hintergründe der technischen Schwierigkeiten schonungslos offengelegt und die Konsequenzen für das weitere Vorgehen besprochen werden".

Bei den Partien TSG 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen (1:0) und Hertha BSC gegen VfB Stuttgart (2:0) kam der Videoassistent erst mit Beginn der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Bei der Partie des Hamburger SV gegen den FC Augsburg (1:0) fiel das technische Hilfsmittel ganz aus. Zudem stand bei keinem Spiel die zur Unterstützung bei Abseitsentscheidungen vorgesehene kalibrierte Hilfslinie zur Verfügung. "Mit der Technik müssen sie noch ein wenig üben", stellte Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann süffisant fest.

Dabei hätte der Ausfall des Videoassistenten in der ersten Halbzeit beinahe fatale Folgen für die TSG gehabt, als Bremens Florian Kainz aus fünf Metern am leeren Tor vorbei schoss. "Zum Glück war der Ball nicht drin, denn es war Abseits", meinte Nagelsmann erleichtert.

Krasse Fehlentscheidungen blieben somit aus. "Wenn die Referees richtige Entscheidungen treffen, braucht man keinen Videoassistenten", stellte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus im ZDF-Sportstudio fest. Die momentane Situation bezeichnete sie jedoch als "unbefriedigend".

Bei der Bundesligapremiere am Freitagabend hatte das Zusammenspiel zwischen Referee und Videoassistent in der Schlüsselszene des Saisoneröffnungsspiels Bayern München gegen Bayer Leverkusen (3:1)
noch prächtig funktioniert. Schiedsrichter Tobias Stieler verließ die Münchner Arena daher kurz vor Mitternacht rundum glücklich. "Wir Schiris sind nicht perfekt, wir machen Fehler. Und wenn sie dann so korrigiert werden - wunderbar", lautete das Fazit des 36 Jahre alten Unparteiischen aus Hamburg.

Stieler hatte ein Halten des Leverkuseners Charles Aranguiz an Robert Lewandowski im Strafraum nicht eindeutig wahrgenommen. "Vom Gefühl her war da was, war es nicht ganz sauber. Aber ein Elfmeter muss für mich hundertprozentig sein", begründete Stieler den zunächst ausgebliebenen Pfiff.

Kein Einschreiten bei Bellarabis Foul – für Strunz "unbegreiflich" 

Nach Rücksprache mit Videoassistent Jochen Drees, der am Bildschirm in Köln die Szene überprüfte, zeigte er dann doch auf den Punkt. "Wir kamen rasend schnell zu der richtigen Erkenntnis, dass es Strafstoß für Bayern München geben muss", berichtete Stieler. Laut DFB dauerte der komplette Vorgang vom Foul bis zum Elfmeterpfiff 36 Sekunden. "Das ist genau die Situation, wo der Videoassistent helfen kann, den Fußball gerechter zu machen", sagte Stieler.

Doch es lief nicht alles rund. Bei einem rüden Foul von Leverkusens Karim Bellarabi an Joshua Kimmich, das Stieler nicht einmal mit Gelb ahndete, griff der Videoassistent nicht ein. Dabei hätte es Rot geben müssen. "Bei solch einer klaren Szene muss es ein Einschreiten geben. Es ist unbegreiflich, dass es keine Konsequenzen gab", monierte TV-Experte Thomas Strunz am Sonntag im "Doppelpass" bei Sport1.

RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick sprach sogar von einer vierfachen Fehlentscheidung. "Neben dem Schiedsrichter und dem Videoassistenten hätten das auch der Assistent an der Linie und der vierte Offizielle erkennen können", sagte Rangnick. Stieler war dennoch begeistert. "Es ist eine super Sache für den Fußball und uns Schiedsrichter", sagte er. Nur muss sie auch funktionieren.

(dpa)
 
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