Berlin - Cottbus 0:0: Pantelic vergibt Last-Minute-Sieg
zuletzt aktualisiert: 06.10.2007 - 11:15Berlin (RPO). Bundesligist Energie Cottbus hat auch im zweiten Spiel unter seinem neuen Trainer Bojan Prasnikar eine Niederlage verbucht. Die Lausitzer erkämpften sich in einem schwachen Berlin-Brandenburg-Derby bei Hertha BSC ein 0:0.
Nach dem Schlusspfiff riss sich Marko Pantelic wütend das Trikot vom Leib, bekreuzigte sich und ließ sich von Kapitän Arne Friedrich kurz tröstend in den Arm nehmen. Der 29 Jahre alte Stürmer von Hertha BSC Berlin hatte mit seinem verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit für den einzigen Aufreger beim ansonsten ereignisarmen Berlin-Brandenburg-Derby gesorgt.
Doch mehr als die äußere Enttäuschung ließ sich der eigentliche Top-Torjäger der Herthaner (5 Treffer) über seine Gefühlswelt nach dem finalen Fehlschuss nicht entlocken. Wie schon seit einigen Monaten zog der stolze Serbe seinen Boykott gegen die angeblich zu kritische Presse durch - an diesem Tag wohl liebend gerne. Die Diskussionen über den umstrittenen Strafstoß und seinen strammen Schuss an die Latte überließ Pantelic anderen.
Manager Dieter Hoeneß vermied es, auf den Unglücksraben verbal einzuhauen, allerdings war ihm die Enttäuschung deutlich anzumerken. "Mir wäre es recht gewesen, so ein Gurkenspiel mit einem glücklichen Elfmeter zu gewinnen", sagte Hoeneß. Glücklich deshalb, weil die Entscheidung von Schiedrichter Markus Schmidt (Stuttgart) äußerst zweifelhaft war. Angeblich soll sich Christian Bassila bei Herthas Josip Simunic aufgestützt haben. "Ich weiß nicht, was der Schiri da gesehen hat", verteidigte sich Bassila.
Die Entscheidung brachte auch den Cottbuser Manager Steffen Heidrich auf die Palme. Der Pfiff sei ein "absolutes Unding" gewesen, polterte Heidrich und kritisierte den Schiedsrichter: "Wenn ich in der Nachspielzeit einen Elfmeter pfeife, dann muss er glasklar sein. Man hätte uns beinahe um den Lohn unserer Arbeit gebracht."
Dank Pantelic' Nervenschwäche entführten die etwas engagierteren Gäste vor 48.719 Zuschauern dennoch den verdienten Punkt, der das seit zwölf Partien sieglose Tabellenschlusslicht jedoch nur wenig voranbringt. Der neue Trainer Bojan Prasnikar attestierte seinem Team im Vergleich zu seiner Premiere gegen Eintracht Frankfurt (2:2) einen "weiteren Schritt nach vorne, doch auf uns wartet noch sehr viel Arbeit".
Die kündigte auch sein Berliner Kollege Lucien Favre seinen Spielern an. Das Ergebnis sei für ihn eine "große Enttäuschung", doch viel mehr mache ihn die spielerische Armut zu schaffen. "Wir bewegen uns zu wenig und viel zu langsam. Das ist unser größtes Problem", erklärte Favre und bat wie schon nach den zwei Niederlagen zuvor um "mehr Zeit und Geduld".
Diese scheint Manager Hoeneß zumindest mit den Spielern langsam zu verlieren. Die erste Halbzeit, in der Hertha mit einer Pantelic-Chance lediglich einmal gefährlich vors Cottbuser Tor kam, nannte der 54-Jährige "grausam" und forderte: "So werden wir hoffentlich nicht noch einmal auftreten."
Der schwer am Knie verletzte Brasilianer Lucio verfolgte die desolate Vorstellung mit Krücken und einem Hertha-Schal um den Hals von der Tribüne aus und wurde bereits gegen Cottbus schmerzlich vermisst. "Lucio hat uns als kreativer Spieler gefehlt", meinte Kapitän Friedrich. Hertha will in der Winterpause auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werden, denn Lucio kehrt frühestens in acht Monaten zurück.
Auf Seiten der Cottbuser gefielen vor allem Dimitar Rangelow auf der rechten Angriffsseite sowie Christian Bassila als Balleroberer. Bei den Berlinern wussten lediglich der zumindest lauffreudige Pantelic und mit Abstrichen auch Gilberto zu überzeugen.
Statistik
Berlin: Drobny - Friedrich, von Bergen, Simunic, Fathi - Chahed (46. Ebert), Mineiro, Dardai (46. Grahn), Gilberto - Andre Lima (64. Okoronkwo), Pantelic. - Trainer: Favre
Cottbus: Piplica - Vragel da Silva, Kukielka, Mitreski, Cvitanovic - Bassila - Angelow, Rost - Skela - Sörensen (64. Rivic), Rangelow (90.+2 Ziebig). - Trainer: Prasnikar
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Tore: Fehlanzeige
Zuschauer: 48.719
Beste Spieler: Gilberto, Pantelic - Piplica, Rangelow
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Gilberto - Bassila (2), Rost (3), Rangelow (2), Mitreski (2)
Bes. Vorkommnis: Pantelic schießt Foulelfmeter an die Latte (90.+1)
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