1. Bundesliga 14/15 Bundesliga
| 07.15 Uhr
Bayern München stellt neuen Coach vor
Pep Guardiola – der beste Trainer der Welt kommt
Bundesliga 13/14: Die ersten Fotos von Guardiola in München
Bundesliga 13/14: Die ersten Fotos von Guardiola in München FOTO: Facebook
Düsseldorf. Heute um 12.05 Uhr beginnt die Amtszeit des neuen Bayern-Trainers. Er soll bei den Münchnern in den kommenden drei Jahren eine Ära prägen. Die Erwartungen an den Nachfolger von Jupp Heynckes sind gigantisch. Von Martin Beils

Der Mann, den sie Tiger nennen, bleibt gelassen. Vielleicht ist Hermann Gerland der einzige, der sich nicht anstecken lässt, von der Hysterie die gerade München, Deutschland und die ganze Fußballwelt erfasst. Es bringt ihn nicht aus der Fassung, dass Pep Guardiola seinen Dienst antritt. Und dass der ihn, den etwas kauzigen Gerland, in sein Trainerteam geholt hat. Er weiß auch gar nicht, warum er ihn als einzigen aus dem Stab von Jupp Heynckes übernimmt, wenn er heute Mittag beim FC Bayern München anfängt. Gerland (57) sagt im "11Freunde"-Interview: "Ich wünsche mir, dass Guardiola, wenn sich eines Tages unsere Wege wieder trennen, sagt: ,Ich konnte mich auf den Alten verlassen.'"

Gerlands Gelassenheit tut in der aufgeheizten Atmosphäre, die München gerade erlebt, gut. Die Steueraffäre Uli Hoeneß, das Triple, der Heynckes-Abschied und nun heute um 12.05 Uhr der Beginn einer neuen Ära. So zumindest haben es sich Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer ausgedacht. Drei Jahre soll Guardiola mindestens bleiben, Erfolge feiern wie in seinen vier Jahren beim FC Barcelona und vor allem einen Stil bilden, der unverwechselbar und krisenfest ist. Eine Kunstform soll erwachsen, etwas Einzigartiges.

Doch was lässt sich verbessern in einer Mannschaft, die in der vergangenen Saison alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab? Die die Bundesliga dominiert hat wie noch nie ein Team in den vergangenen Jahren. Die Barcelona in dessen Jahr eins nach Guardiola zerschmettert hat. Es geht für die Bayern darum, an Europas Spitze zu bleiben und sich zu behaupten gegen all die Spanier, die Engländer, die Italiener, die Dortmunder. Oben bleiben ist schwerer als nach oben klettern. Noch nie ist es einem Champions-League-Sieger gelungen, den Titel zu verteidigen.

Guardiolas kann ein Spiel lesen und Schlüsse daraus ziehen wie kein Zweiter. Diese Fähigkeit gepaart mit exzellenter Mannschafts- und Menschenführung hat ihm den Ruf des besten Trainers der Welt eingebracht. Stunde um Stunde verbrachte er im Keller des Stadions Camp Nou und starrte auf den Plasmafernseher, den er aus eigener Tasche bezahlt hatte.

Tüftler und Erfinder des "hängenden Stürmers"

Eine Episode charakterisiert Guardiola, den Tüftler-Trainer, besonders gut. Im Frühling 2009 knackt er in seinem schlichten Büro den Code von Real Madrid. Beim endlos erscheinenden Videostudium erkennt er den Freiraum, der sich auftut, wenn Madrids Mittelfeldspieler den ballführenden Akteur angreifen und die Abwehrspieler nicht nachrücken. Er ruft Lionel Messi, bis dahin bei ihm Außenstürmer zu sich, zeigt ihm diese 25 Meter Freiraum, macht aus ihm einen "hängenden Mittelstürmer", der genau diesen Raum nutzt und gewinnt mit 6:2 gegen Real. "Später wird Guardiola sagen, das seien die besten Momente in einem Trainerleben. Jedes Mal wieder, allein in der Zelle, wenn er die eine Schwäche des Gegners entdeckt, die seine Elf ausnutzen wird", schreibt "Die Zeit".

Guardiola wird sein Kämmerchen in München finden, er wird Europas Fußball zerpflücken und immer neue Lösungen finden. Der 42-Jährige ist ein Kind seiner Zeit. Der Wandel wird immer schneller. Die Verfalldaten kommen in immer engerem Takt. Heynckes hat ein optimales System für die Bayern entwickelt, Guardiola aber soll eine Vielzahl von Formationen bauen, die jede zu ihrer Zeit zum Einsatz kommen und die Gegner überraschen. Vom derzeit favorisierten 4-2-3-1-System zu einem 4-3-3 nach der Prägung seines Lehrmeisters Johan Cruyff bis zu einem 4-1-4-1 wird die Palette reichen.

Der Katalane Guardiola ist vom Fußball besessen. Er verbeißt sich in die Herausforderungen, die ihm die Gegner, aber auch die Ansammlung Hochbegabter in den eigenen Reihen vorsetzen. Er saugt das Wissen auf. Bei seinen argentinischen Vorbildern Cesar Luis Menotti und Marcelo Bielsa holt er sich Rat. Er sucht die Nähe zu Künstlern und Wissenschaftlern, er beschäftigt sich mit Theater und Film, stellt Analogien zum Sport her.

Suche nach Perfektion

Diese ständige Suche nach Perfektion, die mit dem Modewort Akribie nur unzureichend beschrieben wäre, ist seine Stärke und seine Schwäche zu gleich. Sie nagt an ihm. Nach vier Jahren als Trainer beim FC Barcelona zog er sich zurück. Er konnte nicht mehr, und die Mannschaft hielt mit der Schlagzahl ihres Trainers auch nicht mehr mit.

Ein Jahr lang hat er sich zurückgezogen und Kraft gesammelt. Mit der Familie ging er nach New York. An einen der wenigen Plätze der Welt, an dem einer der Größten des Fußballs unbehelligt leben kann, weil dieser Sport dort kaum Bedeutung hat. Doch die Fährte ins neue Abenteuer war gelegt. Systematisch näherte er sich dem FC Bayern . Er hinterließ Telefonnummern, pflegte lose den Kontakt, brachte sich über Mittelsmänner ins Gespräch. Anfang November rief Guardiola Rummenigge an und sagte den entscheidenden Satz: "Ich will zu Bayern München." Und Bayerns Bosse sagten: "Wir wollen Guardiola."

Seitdem lernt Guardiola deutsch. Deutsche Sprache, schwere Sprache. Das Wort ist das wichtigste Mittel eines Trainers. Schon als Leader unter Cruyff waren Guardiolas Kabinenansprachen der Schlüssel zum Erfolg. In Barcelona konnte er Schwächlinge stark machen und Großmäuler klein reden, weil seine Worte saßen. Nun muss ihm das in einer fremden Sprache gelingen.

Zweifel waren sein ständiger Begleiter, als er 2007 das B-Team von Barcelona übernahm und 2008 Frank Rijkaard als Chefcoach der ersten Mannschaft ablöste. Doch nun sind sie von anderer Dimension. Kann es der Mann, der die Jugendakademie des FC Barcelona durchlaufen hat und der eins geworden ist mit diesem Klub, auch in der Fremde seine Fähigkeiten entfalten? Oder haben, wie "Der Spiegel" schrieb, die Spötter recht, die behaupten, "dass mit Könnern wie Xavis, Iniesta und Messi in der Startelf sogar Peter Neururer die Champions League gewonnen hätte?

Quelle: RP/gre/can/csi/seeg
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar