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Lukas Podolski Zuschauer 2012 dpa
  Foto: dpa
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Superstar forciert Abschied: Podolski und der FC – eine Ehe geht zu Ende

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012 - 11:49

Köln (RPO). Lukas Podolski hat mit einem Interview harsche Kritik an seinem Arbeitgeber 1. FC Köln geübt. Die Aussagen des Nationalspielers deuten endgültig auf einen Abschied im Sommer hin. Und die Gründe, wieso der Superstar seinen FC verlässt, liegen auf der Hand. 

Das Gehalt

Der FC hat ein neues Paket geschnürt, um Podolski in seiner Heimat zu verankern. Fünf Millionen Euro Gehalt soll der Nationalspieler kassieren, wenn er in Köln verlängert. Für ihren Superstar gehen die Kölner an die Schmerzgrenze. Podolski würde den Rahmen der ohnehin schon klammen Vereinskasse mit seinem neuen Vertrag sprengen. Für das Geld könnte der FC in neue Spieler investieren und den Kader in der breite stärker machen, auch wenn Podolski in der vergangenen Woche betonte, dass es ihm nicht auf das Geld ankomme.

Die Ablösesumme

Die Verbindlichkeiten der Kölner belaufen sich auf mehr als 20 Millionen Euro. Geld für neue Spieler war in der Winterpause nicht vorhanden und wird auch in der kommenden Transferperiode nicht vorhanden sein – es sei denn, der FC verkauft Podolski. Schon jetzt liegt dessen Marktwert bei rund zehn Millionen Euro. Sollte Podolski bei der EM in seinem Heimatland Polen und in der Ukraine treffen, steigt der Wert weiter an. Dann könnte Köln Podolski sicher für 20 Millionen Euro verkaufen. Aber: Investor Franz-Josef Wernze ist an einem möglichen Podolski-Transfer mit zehn Prozent beteiligt, half dem FC im Jahr 2009 mit einer Million Euro, den verlohrenen Sohn aus München zurückzuholen. Sollte Köln zehn Millionen Euro für Podolski erhalten, muss der Verein eine an Wernze abgeben. Immer noch ein gutes Geschäft für den FC, der mit Podolski als Kapital den Schuldenberg abbauen könnte.

Info

Novakovic beendet Nationalelf-Karriere

Milivoje Novakovic vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln beendet nach der verpassten EM-Qualifikation mit Slowenien seine Karriere in der Nationalmannschaft. "Ja, ich werde aufhören und nicht mehr für die Auswahl meines Heimatlandes zur Verfügung stehen", sagte der 32 Jahre alte Stürmer dem Express. Er wolle sich ab sofort nur noch auf den Verein konzentrieren. WM-Teilnehmer Slowenien hatte in der Qualifikation für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine hinter Italien, Estland und Serbien nur den vierten Platz belegt.

Chaos im Vorstand

Podolskis Ziehvater Wolfgang Overath trat auf der Jahreshauptversammlung des Klubs im vergangenen November als FC-Präsident zurück, seitdem ist der Klub auf der Suche nach einem neuen starken Mann. Mit Overath verließen auch die Stellvertreter Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch ihre Ämter. Seitdem ist der FC führungslos, eine Task Force sucht händeringend nach einem Overath-Nachfolger. Der frühere Profi war für Podolski so etwas wie eine Vaterfigur, hat sich immer hinter den 26-Jährigen gestellt. Das latente Chaos in der Führungsriege nervt Podolski nur noch.

Gebrochene Versprechen

In seinem Interview mit der "Bild am Sonntag", für das Podolski am Montag zum Rapport bei FC-Geschäftsführer Klaus Horstmann antreten muss und wahrscheinlich mit einer Gelstrafe getadelt wird, beklagte sich der Stürmer über nicht eingehaltene Versprechen des FC. Bei seiner Rückkehr aus München 2009 versprach der Verein Podolski, um ihn herum eine Mannschaft aufzubauen, die sich in den kommenden Jahren in der Bundesliga-Spitzengruppe etablieren kann und das internationale Geschäft erreicht. Leere Versprechen, denn der FC hat lieber Mitläufer und Söldner als Spieler mit Herz verpflichtet, die den Verein mit Podolski als Führungsfigur wieder nach oben führen.

Volker Finke

Die Posse um Frank Schaefer in der vergangenen Saison hat Podolski Sportmanager Volker Finke nie verziehen. Finke sagte in einem Interview, dass Schaefer wegen seiner starken katholischen Glaubens kein normaler Bundesliga-Trainer sei und bei ihm "alle Regeln, die sonst im Fußball gelten, außer Kraft" gesetzt seien. Daraufhin trat Schaefer, unter dem der FC sieben Heimspiele in Serie gewann, von seinem Amt zurück, Finke übernahm bis Saisonende. Schaefer und Podolski verband eine innige Beziehung, die Finke mit seinen Äußerungen zerstört hat. Das nimmt Podolski dem Manager heute noch übel. Eine Zusammenarbeit zwischen Finke und Podolski über die Saison hinaus ist nicht vorstellbar.

Perfektes Alter

Mit 26 Jahren ist Podolski im perfekten Fußballer-Alter. Wenn er noch einmal einen dicken Vertrag unterzeichnen kann, dann jetzt. Und seine Leistungen sprechen für ihn: 15 Tore erzielte Podolski in der bisherigen Saison und hat damit aussichtsreiche Chancen auf die Torjäger-Kanone. Bei der EM wird er sein 100. Länderspiel für Deutschland bestreiten – ebenfalls eine gute Werbung für sich selbst. Bislang spielte Podolski nur für zwei Vereine – Köln und Bayern. Es ist nun an der Zeit, eine neue Herausforderung zu suchen. Genügend Interessenten gibt es: Galatasaray Istanbul, Spartak Moskau und der FC Arsenal sollen mit einem Podolski-Transfer liebäugeln.

Sportliche Perspektive

Die ist in Köln nicht gegeben. Zwar spielt der FC die beste Saison seit Jahren, der momentane zwölfte Platz schwächt diesen Rekord allerdings stark ab. Die Macher in Köln wollen seit Jahren hoch hinaus, vor jeder Saison sind die Hoffnungen der Fans groß – um dann nach wenigen Wochen wieder enttäuscht zu werden. Der FC muss sich eingestehen, nicht mehr als eine Mannschaft zu sein, die Jahr für Jahr um die Existenz in der Bundesliga kämpft. Ein Spieler wie Podolski hat das Recht und die Pflicht, höhere Ziele anzustreben und um Titel mitspielen zu wollen. Das kann er in Köln in den kommenden Jahren nicht, weshalb er wechseln muss.

Der Berater

Das Umfeld Podolskis treibt den Abschied des Bergheimers aus seiner Heimat an. Berater Kon Schramm wird das Interview in der "Bild am Sonntag" forciert haben, weil er selbst großes Interesse an einem Transfer Podolskis hat – schließlich verdient ein Berater an einem neuen Vertrag immer mit. Mit diesem Kalkül wird Schramm seinen Schützling bis zur Entscheidung im Sommer, ob Podolski seinen 2013 auslaufenden Vertrag verlängert oder nicht, leiten – und zu einem Wechsel bewegen.

Persönlichkeit

Dank des Video-Portals Youtube bleibt das Interview Podolskis nach seinem ersten Bundesliga-Treffer beim 1:1 in Rostock am 13. Dezember 2003 unvergessen: Der damals 18-Jährige stammelte vor dem Mikrofon mit Kölschen Dialekt und erreichte mit diesem Interview Kultstatus. Heute spricht Podolski vor der Presse flüssig und medienwirksam. Aus dem Bubi ist ein echter Profi geworden. Und sein Marktwert geht über den sportlichen Wert hinaus: Podolski ist für jeden Verein interessant, weil den Klubs durch einen Transfer hohe Marketingeinnahmen winken. Das Interview vom Wochenende zeigt, dass sich Podolski nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Im Gegenteil: Podolski tanzt mittlerweile anderen auf der Nase herum.

Die Fans

Podolski wird in Köln vergöttert, steht in der Beliebtheit sogar noch Stufen über dem Karnevalsprinz und Willy Millowitsch. Und trotzdem wäre der treue Kölsche Anhang nicht böse, wenn das Idol den Verein im Sommer verlassen würde. Viele Fans raten Podolski sogar, Köln den Rücken zu kehren, weil er hier keine Perspektiven mehr hat. Auch wenn Podolski geht, wird er in Köln auf ewig ein Held bleiben. Und das macht einen Abschied erträglicher.

Quelle: seeg/csi/seeg/sgo/pst

 
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