Gladbachs Superstar lässt Kritiker verstummen: Reus gibt die perfekte Antwort
zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 11:49Mönchengladbach (RPO). Marco Reus hatte mit einem Tor und einer Vorlage großen Anteil am sensationellen 3:1-Erfolg von Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München. Der kommende Dormunder gab mit seiner Leistung die perfekte Anwort auf die kritischen Stimmen in der Winterpause.
Der Borussia-Park bebte, die Gladbacher Fans waren völlig aus dem Häuschen: Die Überraschungsmannschaft der Saison sorgt weiter für Furore. "Wir haben dem ganzen Druck und dem Gerede, dass hier alles zusammenfällt, standgehalten. Das beweist unsere Klasse und dass wir einiges aushalten können", meinte Stürmer Mike Hanke nach dem 3:1 (2:0)-Erfolg gegen den Tabellenführer Bayern München. Selbst Bayern-Coach Jupp Heynckes war nach der zweiten Saisonniederlage gegen seinen ehemaligen Club begeistert vom Gegner. "Was Borussia bisher geleistet hat ist überragend. Sie werden nächstes Jahr europäisch spielen."
Die Himmelsstürmer von Lucien Favre ließen sich weder vom Wechseltheater um Marco Reus noch von den selbstbewussten Sprüchen der Münchner irritieren und zogen ihren Matchplan eiskalt durch. Mit einer kompakten Defensive aller Feldspieler und blitzschnellen Kontern überraschten sie die Bayern und profitierten dabei auch wie beim 1:0 im Hinspiel von einem groben Fehler des Nationaltorhüters Manuel Neuer. Der Schlussmann spielte Marco Reus den Ball genau vor die Füße, und der traf aus 28 Metern zum 1:0 (11.) ins leere Tor.
Dass ausgerechnet Reus den Führungstreffer gegen den Herbstmeister erzielte und Gladbach damit auf die Siegerstraße brachte, hat eine pikante Note. Hatten die Bayern doch nach seiner Entscheidung, zukünftig für Borussia Dortmund zu spielen, gestichelt, er habe wohl den Konkurrenzkampf in München gescheut. Mit seinem elften Bundesligatreffer gab der Jung-Nationalspieler die richtige Antwort.
"Danke, Marco"
Bei seinem ersten Auftritt im Borussia-Park nach der Bekanntgabe seines Wechsels wurde der Shooting-Star freundlich und mit Spruchbändern "Danke, Marco" empfangen. "Das ist natürlich wichtig für einen Spieler, dass er nicht ausgepfiffen wird und von der Mannschaft unterstützt wird. Aber ich war nicht nervös", sagte Reus.
Seinen Nachfolger haben die Gladbacher schon in den eigenen Reihen gefunden. Mit seinen beiden Treffern zum 2:0 und 3:0 (41./71.) stieg U 21-Nationalspieler Patrick Herrmann zum Matchwinner auf. "Er ist schnell, vor dem Tor sehr gut und hat im Training Qualität gezeigt. Aber der Vergleich mit Marco Reus ist übertrieben", sagte Trainer Favre. Mit fünf Treffern ist Herrmann zweitbester Torschütze im Team hinter Reus. "Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt. Das fühlt sich gut an", meinte der Doppeltorschütze.
Mit 17 war Herrmann aus Saarbrücken ins Leistungszentrum nach Gladbach gekommen, seit drei Monaten gehört er zu Favres Stammspielern. Blitzschnell, spielintelligent, dribbelstark: Gegen Bayern spielte das Leichtgewicht seine Stärken voll aus. "Zwei Tore, damit hätte ich nie gerechnet. Das war ein schönes Erlebnis", sagte der Shootingstar, der auch Borussias letztes Liga-Tor 2011 erzielt hatte. Dann besann sich Herrmann wieder auf ruhigere Töne: "Der Sieg steht heute im Vordergrund. Am Ende zählen die drei Punkte."
Eigentlich galt Herrmann als Vorbereiter und ein Routinier wie Mike Hanke als Vollstrecker. Inzwischen sind die Rollen vertauscht - so wie beim 2:0. "Ich hab Patrick ein wenig davon erzählt, wie ich früher die Tore gemacht habe", scherzte Hanke und wurde dann doch wieder ernst. "Patrick ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Er ist ein sehr junger Spieler und will immer dazu lernen." Bis in die U21-Nationalmannschaft hat Herrmann, dessen Vertrag am Niederrhein bis 2014 läuft, es schon geschafft. Auch hier gilt: Ende offen.
Alle loben Herrmann
So wie für die Borussia. 36 Punkte hat Gladbach nach 18 Spieltagen gesammelt - so viele wie in der gesamten vergangenen Saison. Mit nur zwölf Gegentoren stellt die einstige Schießbude der Liga die beste Abwehr. "In der Verteidigung sind wir bereits sehr, sehr gut", sagt sogar Favre, der sich mit Lob sonst zurückhält. Dabei musste der Schweizer gegen die Bayern auf den gesperrten Abwehrchef Dante verzichten. Doch Ersatz Roel Brouwers vertrat den Brasilianer mit einer tadellosen Leistung - so wie vor ihm Herrmann, der sich noch im Kabinengang die Komplimente seiner Teamkollegen abholte.
Allerdings: So kreativ wie auf dem Platz ist Patrick Herrmann nicht immer. Als er 2008 als Neuzugang auf dem Mannschaftsabend ein Lied singen musste, entschied er sich auf die Schnelle für "Alle meine Entchen". Als Zugabe gab es "Katzeklo".
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