1. Bundesliga 16/17
| 18.05 Uhr

Derby als Schlüsselspiel
BVB mit Sorgen, Schalke mit breiter Brust

Die größten Momente des Revierderbys
Die größten Momente des Revierderbys
Dortmund/Gelsenkirchen. Acht Plätze und sieben Punkte trennen die Erzrivalen in der Tabelle, in den vergangenen Jahren ist Borussia Dortmund Schalke 04 davongezogen und jetzt ein Vorbild für den Neubeginn der Königsblauen - doch vor dem 171. Revierderby hat sich die Stimmung plötzlich gedreht.

Beim BVB wachsen nach drei Bundesligaspielen ohne Sieg die Sorgen, der S04 kommt nach fünf Siegen in vier Wochen mit breiter Brust. Zwar rangiert der BVB in der Tabelle noch immer vor dem Erzrivalen, sieht aber nach zuletzt drei Bundesliga-Partien ohne Sieg Handlungsbedarf. "Das Derby kommt zur richtigen Zeit. Wir wollen ein paar Dinge geraderücken", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc dem "Kicker".

"In der Vergangenheit haben wir in Dortmund nicht allzu viel geholt - ich glaube, das sollte sich ändern", sagte Jungnationalspieler Max Meyer vor der Neuauflage des Ruhrpott-Klassikers am Samstag (18.30 Uhr/Live-Ticker).  "Die Mannschaft ist heiß, wir sind in einer guten Form", ergänzte Trainer Markus Weinzierl, dessen Team am Freitagabend beim öffentlichen Abschlusstraining von rund 4000 Fans angefeuert wurde.

Der Trend spricht für Königsblau: Nach dem katastrophalen Saisonstart mit fünf Bundesligapleiten sind die Gelsenkirchener seit fünf Wochen ungeschlagen - sie haben als Tabellen-14. aber noch immer großen Nachholbedarf.

Schalker Abschlusstraining vor Derby vor tausenden Fans FOTO: dpa, a htf

Dortmunds Schwung der ersten Wochen ist weg

"Wir haben nur sieben Punkte, das ist zum jetzigen Zeitpunkt zu wenig", meinte Kapitän Benedikt Höwedes, "wir brauchen dringend die Punkte. Da ist natürlich Brisanz drin." Auch deshalb, weil der so furios gestartete BVB ins Straucheln geraten ist. Dass gegen den Zweitligisten Union Berlin erst das Elfmeterschießen den Einzug ins Pokal-Achtelfinale brachte, bestätigte: Der Schwung der ersten Wochen ist weg - auch weil zuletzt wichtige Leistungsträger verletzt fehlten und die Jungen viel häufiger einspringen mussten als geplant.

"Wir sind nicht glücklich über die Ergebnisse, "aber man muss die Lektionen so nehmen, wie sie kommen", sagte Trainer Thomas Tuchel, für den das Derby "wie ein Pokalfinale" ist.  Vor allem auf die Rückkehr seines Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang hofft Dortmund. Denn der 27-Jährige ist Derby-Spezialist: In den letzten sechs Duellen mit Schalke traf der Gabuner, der zuletzt wegen Wadenproblemen pausieren musste, viermal - unvergessen ist sein Jubel mit Batman-Maske an der Seite von Marco Reus. Zudem stiegen Raphael Guerreiro und André Schürrle am Donnerstag wieder ins Teamtraining ein. 

"Bei André Schürrle sieht es aus, als ob die wenigen Trainingseinheiten reichen, um im Kader zu sein", sagte Tuchel. Sein vorerst letztes Spiel hatte Schürrle am 27. September in der Champions League gegen Real Madrid bestritten und dabei den Treffer zum 2:2-Endstand erzielt.

Dagegen dürfte die Partie gegen Schalke für Europameister Raphael Guerreiro noch zu früh kommen. "Bei ihm ist das Risiko größer", sagte Tuchel. Guerreiro hatte sich beim Einsatz für die portugiesische Nationalmannschaft einen Faserriss zugezogen.

Bei allem Druck überwiegt die Vorfreude: "Wenn du den Menschen hier in die Augen schaust, dann spürst du sofort selbst großen Ehrgeiz, das Derby zu gewinnen. Die Fans sprechen dich an und sagen: 'Los, komm! Wir müssen dieses Derby gewinnen. Wir wollen den Derbysieg!'", sagte Torjäger Aubameyang in einem Interview mit "bundesliga.de", "die Atmosphäre ist bei diesem Spiel einfach einmalig."

Dass Aubameyang und seine pfeilschnellen Sturmkollegen vom Gegner oft nur durch Fouls zu stoppen sind, hatte Tuchel beklagt. Für Schalke allerdings kein Grund zur Zurückhaltung: "Wir kommen nicht und sagen: Bei Foul neun hören wir auf", sagte Sportvorstand Christian Heidel im Interview mit dem sid. Der langjährige Mainzer Manager, der mit Tuchel sechs Jahre zusammenarbeitete, betonte aber auch: "Fouls dürfen kein regelmäßiges Stilmittel sein." Die Klage des BVB-Coaches, seine Spieler würden absichtlich gefoult, hält Heidel für "zu weit hergeholt".

BVB als Vorbild

Eigentlich sollte der BVB seinem Nachbarn mindestens einen Schritt voraus sein. Denn unter Heidel bemühen sich die Königsblauen, den Dortmundern nachzueifern. Der Revierrivale sei einer der Klubs, die "mit einem klaren Plan, Kontinuität und Sachverstand" arbeiten, "das sollte uns Vorbild sein", sagte der Schalker Manager.

Um die Jahrtausendwende dominierten die Gelsenkirchener noch das Derby, blieben zwischen 1999 und 2004 in 15 Duellen ungeschlagen. Von den letzten sechs verlor der BVB aber nur noch eins. Die Wachablösung macht Heidel an einem anderen Ex-Mainzer fest: "Dortmund hat 2008 einfach eine sehr, sehr glückliche und gute Personalentscheidung getroffen und meinen Ex-Trainer und Freund Jürgen Klopp geholt. Damit hat sich der Verein komplett verändert."

Klopps "brutaler Umschalt-Fußball" (Heidel) dient Schalke jetzt als Blaupause. "Pressing, Gegenpressing, offensiv verteidigen" - das sollen die Königsblauen unter Trainer Markus Weinzierl bieten, "das muss erstmal in die Köpfe". Der BVB ist dagegen schon eine Stufe weiter. "Heute geht es darum, das Spiel der Mannschaft im eigenen Ballbesitz zu optimieren - wie bei Pep Guardiola, der es bei Bayern nahezu in Perfektion gemacht hat", sagte Heidel mit Blick auf den Gegner: "Das ist eine logische Entwicklung."

Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor

Nicht nur den Profis, sondern auch den Polizisten steht eine besondere Herausforderung bevor. Sie stufen die Partie als Risikospiel ein. Im Rahmen eines Großeinsatzes wird es schon in den frühen Morgenstunden starke Polizeipräsenz auf den Bahnhöfen in Dortmund und Gelsenkirchen geben. "Wir werden schon im Vorfeld gewaltbereite Fans vorsorglich trennen", sagte Polizeisprecherin Cornelia Weigandt.

Das Derby verlief zuletzt weitgehend friedlich. Grund für das 2014 verschärfte Sicherheitskonzept mit verringertem Kartenkontingent für Gäste und genauer Durchsuchung der Auswärtsfans waren Ausschreitungen bei vorangegangenen Partien. 7000 Tickets und damit 700 mehr als im Vorjahr gingen laut BVB an die Schalker.

(sid)
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