Bayern Münchens Superstars: Robben stellt Ribery in den Schatten
VON DENIS CANALP UND BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 12:30Düsseldorf (RPO). Franck Ribery und Arjen Robben haben vieles gemeinsam. Beide sind 26 Jahre alte, beide spielen bei Bayern München, beide sind auf der Außenbahn zuhause. Doch zuletzt war es selten der linke, sondern vielmehr der rechte Teil der Flügelzange, der überragte und die Bayern in allen drei Wettbewerben im Rennen hielt – Robben läuft Ribery den Rang ab.
Die R-Frage regiert derzeit unter den Fans des deutschen Rekordmeisters. Wer ist wichtiger, Robben oder Ribery? Während sich Ribery mit Verletzungen herumplagt und nur sporadisch zu Einsätzen kommt, ist es der sonst so verletzungsanfällige Robben, der sowohl die Bundesliga als auch in der Champions League aufdreht und für Tore und positive Schlagzeilen am Fließband sorgt.
"Robery" oder One-Man-Show?
Anfangs noch als neue Flügelzange namens "Robery" gepriesen, verkommt das Spiel der Bayern immer mehr zur One-Man-Show und die trägt eindeutig Robbens Namen. Traf der Niederländer in der laufenden Saison – und das gelang ihm in 17 Bundesligaspielen schon zehn Mal – gewann sein Team immer.
Zudem bereitete der ehemalige Akteur von Real Madrid fünf weitere Treffer vor. Die Bayern holten mit dem 26-Jährigen im Schnitt 2,59 Punkte. In der Königsklasse markierte Robben zudem in sechs Spielen zwei Tore, unter anderem das wichtige 2:3 in Florenz, welches den FC Bayern den Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse bescherte.
Ribery hinkt hinterher
Zum Vergleich: Ribery machte in seiner starken Premierensaison im Bayern-Jersey elf Tore und acht Vorlagen – das allerdings in 28 Spielen. Die Münchener holten mit ihm durchschnittlich 2,39 Punkte. In der Europa League kam er in elf Partien auf drei Tore und stolze acht Assists. Eine starke Bilanz, doch die aktuelle Spielzeit spricht eine andere Sprache: Gerade einmal zwölf Einsätze stehen für den kleinen Franzosen zu Buche, in denen er drei Tore erzielte und vier Treffer des Rekordmeisters vorbereitete.
Ist Ribery noch unentbehrlich für die Bayern? Nicht wenige Experten meinen, dass der FC Bayern den trickreichen Flügelflitzer für gutes Geld im Sommer veräußern und langfristig das Juwel Thomas Müller auf Riberys Arbeitsplatz verfrachten sollte. Die Münchener würden Ribery jedenfalls gerne halten, weil sie von der individuellen Klasse Riberys überzeugt sind.
"Ich habe gestern das Thema in einem Gespräch mit ihm angeschnitten und ihn gefragt, wie er sich denn nun seine Zukunft vorstellt", sagte Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger: "Er hat geantwortet, dass er sich in den nächsten Wochen erst einmal auf das Sportliche konzentrieren will." Neben Real Madrid sollen auch Manchester United und der FC Chelsea Interesse haben.
Van Gaal: "Dafür wird er bezahlt"
In Sachen Robben verfällt Bayern-Trainer Louis van Gaal nicht in Euphorie und schiebt der Hysterie einen Riegel vor. "Dafür wird er bezahlt, Tore zu schießen. Da muss sich ein Trainer nicht bedanken", knurrte van Gaal nach dem mühsam erkämpften 2:1 gegen den Vorletzten SC Freiburg.
Trotz zweier Tore Robbens wollte er ihm kein Extralob zollen: "Wenn ein Spieler ein Tor schießt, heißt das nicht, dass er gut gespielt hat. In der zweiten Halbzeit war Arjen ziemlich gut, in der ersten Halbzeit überhaupt nicht." Vor der Pause hatte Robben in der Tat die schlechteste Zweikampfbilanz aller Feldspieler, bevor er dann doch noch seine Extraklasse unter Beweis stellte.
Die Ablöse von rund 24 Millionen Euro hat der Niederländer zum Teil wieder eingespielt, für Bundesliga und Königsklasse große Ziele. Und einen Wunschpartner für die nächste Saison hat Robben auch: "Ich hoffe sehr, dass Ribery bleibt. Ich vertraue dem Verein, dass er alles dafür tut, um Franck zu halten."
Denn Robben weiß, dass ein Superstar zu wenig ist, um auf Dauer in der Champions League ein gewichtiges Wörtchen mitzureden: "Ich habe für vier Jahre unterschrieben und fühle mich sehr wohl. Der Verein ist sehr gut für mich. Mein Ziel ist es, irgendwann mit Bayern die Champions League zu gewinnen." Die Bayern brauchen für ihre ehrgeizigen Ziele Robben und Ribery – oder eben einen Spieler vergleichbarer Klasse als Partner für den Niederländer.
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