1. Bundesliga 16/17
| 11.27 Uhr

Bundesliga, 6. Spieltag
Zehn Hingucker: Schuberts Debüt und Lewandowskis Gala

Lewandowskis Fünf-Tore-Gala gegen Wolfsburg
Lewandowskis Fünf-Tore-Gala gegen Wolfsburg FOTO: afp, tk/ej
Düsseldorf. Der 6. Spieltag der Bundesliga hatte einige Überraschungen und Kuriositäten parat. André Schuberts Gladbacher überrennen den FC Augsburg, Robert Lewandowski nimmt den VfL Wolfsburg alleine auseinander und braucht dafür gerade einmal neun Minuten, Markus Gisdol fühlt sich vom Schiedsrichter ungerecht behandelt, Dante erlebt schon wieder ein Trauma. Das und vieles mehr finden Sie in unseren zehn Hinguckern des Spieltags.

Debüt des Tages: André Schubert

Alle Augen richteten sich in Mönchengladbach auf einen Mann: Interimscoach André Schubert. Der 44-Jährige sollte den Schock des Rücktritts von Trainer Lucien Favre vertreiben – und für die ersten Punkte der Saison sorgen. Das gelang Schubert – und wie. Nach 21 Minuten stand es 4:0 gegen den FC Augsburg. Alle fünf Ligaspiele und auch das Champions-League-Debüt hatte die Borussia vorher verloren, jetzt gab es endlich den Brustlöser. "Das tut gut", sagte Manager Max Eberl, der nun mit etwas mehr Ruhe einen neuen Chefcoach suchen kann. Oder hat er ihn in Schubert vielleicht schon gefunden? Er habe gelernt, dass er im Fußball nichts ausschließen könne, sagte Eberl zuletzt auf die Frage, ob Schubert nicht doch eine Dauerlösung sein könnte. Doch Eberl verfolgt den Plan, einen neuen Trainer zu finden. Obwohl Schuberts Debüt zur umjubelten Premiere wurde. "Die Mannschaft hat sich mit einer unglaublichen Moral den Sieg erarbeitet. Das tut gut nach dieser langen und spannenden Zeit", sagte Eberl und fügte erleichtert hinzu: "Es war für alle ein Gefühl, dass wir lange nicht mehr hatten."

Torjäger des Tages: Robert Lewandowski

Schubert feiert erfolgreiches Debüt auf Borussias Bank FOTO: dpa, fg fdt

Wie ein Baby umklammerte Robert Lewandowski den Ball, er hielt ihn vor seinem Bauch, als wolle er ihn schützen. Ob er mit diesem Ball einen, mehrere oder alle seiner fünf Treffer beim 5:1 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg erzielt hatte, war zu vorgerückter Stunde nicht zu klären, "ich wollte", sagte er, "einfach einen Ball von diesem Spiel haben". Als Trophäe, als Erinnerung an einen denkwürdigen Abend, den auch der Pole selbst einen "Wahnsinn" und "unglaublich" nannte. Drei Treffer in 3:22 Minuten, vier in 5:42, fünf in 8:59 – von der 51. bis zur 60. Minute zerschredderte der in der 46. Minute eingewechselte Lewandowski die Rekordlisten aus 52 Jahren Bundesliga. Danach redete er für seine Verhältnisse fast wasserfallartig, unter anderem behauptete er: "Ich habe noch nie fünf Tore in 45 Minuten geschossen, das war das erste Mal in meinem Leben." Unklar blieb, ob er überhaupt schon einmal fünf Tore in einem Spiel geschossen hatte. Lewandowski wäre nicht Lewandowski, hätte er diesen ganz besonderen Abend groß gefeiert. Mitnichten. Er führte nach Schlusspfiff keine Tänzchen auf, posierte nicht vor der Südtribüne. Er sprach über seine fünf Tore, das schon, aber bald betonte er lieber, dass es erst der 6. Spieltag sei und der FC Bayern noch nichts gewonnen habe. Er verhielt sich fast, als sei nichts gewesen. Nur den Ball, den ließ er nicht mehr los.

Comeback des Tages: Vedad Ibisevic

Nach seinem zweiten Streich gab es bei der Mannschaft kein Halten mehr. Alle Spieler von Hertha BSC stürmten auf Vedad Ibisevic zu und begruben den Matchwinner unter sich. Mit seinen ersten beiden Toren nach 601 Tagen Ladehemmung machte der Zugang vom VfB Stuttgart die Hertha und sich selbst froh. "Es ist eine große Freude, dass es auch noch zu einem zweiten Tor gereicht hat", sagte der 31-Jährige. Allein vor Kölns Keeper Timo Horn schlug der Bosnier eiskalt zu. Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) pfiff die Partie gar nicht mehr an, und die Hertha feiert wie schon lange nicht mehr. Beim ersten Tor hatte Ibisevic sein perfektes Timing beim Kopfball demonstriert und Horn mit einem tückischen Aufsetzer keine Chance gelassen (43.). Mit dem Doppelpack endete für den 63-maligen bosnische Nationalspieler eine lange Leidenszeit. Am 29. Januar 2014 hatte er zuletzt in der Liga getroffen, für den VfB gegen die Bayern. Danach folgte eine schwere Phase mit einem Ermüdungsbruch und anschließender Formschwäche. Kurz vor Saisonstart dann der Transfer nach Berlin, wo ein erfolgreiches Kapitel in der wechselhaften Karriere folgen soll. Der Anfang ist gemacht.

Dante erlebt Debakel bei Rückkehr nach München FOTO: dpa, geb fdt

Aufreger des Tages: Markus Gisdol

Markus Gisdol konnte sich den Wutausbruch nicht verkneifen. Nach seinem Verweis auf die Tribüne unterstellte Hoffenheims Trainer dem Schiedsrichter-Gespann, mit zweierlei Maß zu messen. Wenn Bayern-Coach Pep Guardiola einen Assistenten berühre und sogar umarme, bleibe dies folgenlos. Er jedoch werde für ein kleineres Vergehen hart bestraft. "Da hätte allein Pep Guardiola vom FC Bayern schon fünf mal auf die Tribüne gemusst, so wie der die vierten Schiedsrichter umarmt und anfasst. Da stimmen die Verhältnisse nicht. Das kann ich nicht so stehen lassen", sagte Gisdol hörbar verärgert. "Das ist ein absoluter Witz! Das kann und darf nicht sein, dass der Schiedsrichter da so eingreift", sagte Gisdol nach dem 1:1 (1:0) gegen Borussia Dortmund. Der 1899-Coach war von Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) in der 52. Minute auf die Tribüne geschickt worden, nachdem er den vierten Offiziellen während einer Beschwerde am Arm gezogen hatte.

Krise des Tages: Michael Frontzeck und Hannover 96

6. Spieltag: Fakten

Für Hannovers Trainer Michael Frontzeck wird die Luft ganz dünn. Beim 1:3 im Kellerduell gegen die zuvor punktlosen Stuttgarter spielte sein Team schon wie ein Absteiger und ist erstmals seit sieben Jahren Letzter. Kein Mumm, keine Ideen, keine Qualität. "Es ist schwierig, ein Spiel zu gewinnen, wenn Du diese Fehler machst", schimpfte Frontzeck. Klubchef Martin Kind versicherte zwar, am Samstag in Wolfsburg werde der Coach noch auf der Bank sitzen. Eine weitere Niederlage aber könnte schon das Ende von Frontzecks kurzer Amtszeit bedeuten. Kinds Worte nach dem Spiel lassen für Frontzeck wenig Gutes erahnen: "Die Gesamtleistung ist so nicht befriedigend, das ist gar keine Frage. Die defensive Stabilität hat sich nicht bestätigt, das muss man deutlich sagen. Vorne fehlt sicher auch die Durchschlagskraft. Wir werden die Spiele gemeinsam analysieren. Wir sind noch am Anfang der Saison. Jetzt sind wir Tabellenletzter. Das ist ein Platz, der den Leistungen entspricht. Abstieg ist nicht möglich. Erstmal ist Vertrauen da. Wir werden arbeiten und die Herausforderung annehmen." Einen Tag später erhöhte Kind den Druck auf Frontzeck noch einmal. "Wir müssen Ergebnisse liefern – keine Frage", sagte der Klubboss. Längst geistert wieder der Name von Ex-Trainer Mirko Slomka durch die Stadt.

Unglücklichste Rückkehr des Tages: Dante

Dante dürfte sich wieder einmal wie im falschen Film gefühlt haben. So schmerzhaft wie das 1:7 im WM-Halbfinale mit Brasiliens Nationalteam gegen den späteren Weltmeister Deutschland war die 1:5-Demütigung des VfL Wolfsburg am Dienstag beim FC Bayern München natürlich nicht. Aber kräftig durchgerüttelt wurde der Innenverteidiger wieder einmal. Und das an dem Abend, an dem ihn der FC Bayern offiziell verabschiedete. Untermalt vom legendären Dante-Song ("Und Pokal auch") wurde der ehemalige Bayern-Profi vor dem Spiel von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit dem obligatorischen Blumenstrauß beschenkt. Dafür war wegen des kurzfristigen Wechsels kurz vor Ende der Transferfrist keine Zeit mehr gewesen. Auch die Fans in der Arena jubelten Dante, der in drei Jahren für die Münchner unter anderem drei Meisterschaften und die Champions League gewann, noch einmal zu. Danach nahm Robert Lewandowski bei seinem Tor-Festival aber keine Rücksicht auf den ehemaligen Teamkollegen, der zusammen mit der Wolfsburger Defensive in den denkwürdigen neun Minuten völlig überfordert war. "Dante ist ein super Spieler, er kann nicht viel machen", nahm Fünffachtorschütze Lewandowski den Brasilianer aber in Schutz. Trost war das für Dante nach starker erster Hälfte nicht.

Kampfansage des Tages: Sandro Wagner

Nachdem er sich von der Resterampe direkt in die Herzen der Lilien-Fans geschossen hatte, schickte Sandro Wagner gleiche eine Kampfansage an die Konkurrenz. "Es war kein Zufall, dass wir gewonnen haben", sagte der Matchwinner des Bundesligisten Darmstadt 98 nach dem 2:1 (1:1) gegen Werder Bremen: "Das ist das Ergebnis harter Arbeit. Wir wollen in der Liga bleiben." Ausgerechnet Wagner. Noch vor ein paar Wochen stand die Karriere des Ex-Bremers, der den Aufsteiger mit seinen beiden Toren (31., Foulelfmeter und 84.) zum ersten Bundesliga-Heimsieg seit über 33 Jahren geführt hatte, mächtig auf der Kippe. "Bei Hertha BSC durfte er im Training auf das leere Tor schießen", sagte Lilien-Trainer Dirk Schuster: "Sandro hat prima in unser Beuteschema gepasst – wir haben zugegriffen, weil er uns sehr schnell klar gemacht hat, dass er sich beweisen will." Erst Anfang August wechselte der 27-Jährige, U21-Europameister von 2009, aus Berlin zu den Hessen, die in der Liga für Wirbel sorgen. "Das ist wichtig für die Moral. Wir haben gegen sehr gute Gegner Punkte geholt", sagte Wagner, der vor fünf Jahren in 30 Spielen das Werder-Trikot getragen hatte: "Jetzt weiß jeder einzelne in der Mannschaft, dass er gut genug ist für die Bundesliga und sich nicht verstecken braucht. Jeder freut sich wie ein Schnitzel – so muss es weitergehen."

Konstanz des Tages: Pierre-Emerick Aubameyang

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang ist der erste Bundesliga-Profi, der an den sechs ersten Spieltagen einer Saison jeweils getroffen hat. Sein Ausgleichstor beim 1:1 in Hoffenheim reichte jedoch nicht, um den ersten Punktverlust des BVB unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel zu verhindern. Trotz der eingebauten Torgarantie des neuen Rekordstürmers hat Borussia Dortmund im Fernduell mit dem "FC Bayern Lewandowski" zum ersten Mal den Kürzeren gezogen und die Spitze der Bundesliga an den Rekordmeister verloren. Nach elf Pflichtspiel-Siegen in Folge unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel kam der BVB am 6. Spieltag ausgerechnet beim Krisenklub 1899 Hoffenheim nicht über ein 1:1 hinaus. Aubameyang befindet sich beim BVB historisch gesehen in guter Torjäger-Gesellschaft: Lothar Emmerich hatte 1965/66 sogar neun Tore in den ersten sechs Partien erzielt. Der Gabuner traf jetzt nicht nur sechs Mal in Serie, sondern netzte saisonübergreifend in seinen letzten acht Bundesligapartien mindestens einmal ein – das gelang im BVB-Trikot bisher nur einem gewissen Robert Lewandowski.

Tor-Premiere des Tages: Mahmoud Dahoud

Gladbachs neuer Trainer André Schubert krempelte nach nur zwei Trainingseinheiten die Startelf ordentlich um. Die zuletzt verletzten Patrick Herrmann, Alvaro Dominguez und Fabian Johnson kehrten ins Team zurück, ebenso Julian Korb und Lars Stindl, der mit Raffael das Offensivduo bildete. Aber einen Spieler rotierte Schubert nicht auf die Bank: Mahmoud Dahoud. Der 19-Jährige, der vergangene Woche noch unter Lucien Favre sein Startelf-Debüt in der Bundesliga im Derby beim 1. FC Köln (0:1) gefeiert hatte, durfte auch unter Schubert von Beginn an auflaufen. Und der zentrale Mittelfeldspieler rechtfertigte das Vertrauen des Trainers. In der 21. Minute erzielte der Youngster das zwischenzeitliche 4:0 der Borussen beim 4:2-Sieg über Augsburg sein erstes Tor in der Bundesliga – mit einem trockenen, platzierten Schuss aus gut 20 Metern. Zweikampfstark, spielfreudig, zielstrebig und mit Abschlussqualitäten wie beim 4:0 – Dahoud, den in Gladbach alle nur "Mo" rufen, macht Spaß. Er hat sich erst einmal in der Startelf festgespielt.

Ausflug des Tages: Manuel Neuer

Manuel Neuers Ausflüge sind spätestens seit der WM berühmt. Doch die Abenteuerlust geht bisweilen mit dem Weltmeister-Keeper durch. Gegen Wolfsburg hätte er mit einer missglückten Rettungstat an der Mittellinie fast das 0:2 verursacht. Neuer nahm den Ball mit der Brust mit, legte sich das Spielgerät dann aber zu weit vor. Daniel Caligiuri spielte den Ball zu Josuha Guilavogui, Neuer grätschte ins Leere und musste mitansehen, wie der Franzose aus mehr als 50 Metern das leere Bayern-Tor ins Visier nahm. Zum Glück für Neuer traf Guilavogui aber nur den Außenpfosten – es hätte ein Tor des Monats sein können. Und wer weiß, vielleicht hätte Neuers Trainer Pep Guardiola dann auch erstmals als Bayern-Trainer ein Spiel in der Hinrunde verloren. Das blieb dem Katalanen erspart, auch weil er mit der Einwechslung Robert Lewandowskis ein goldenes Händchen bewies. Lewandowski erzielte in neun Minuten fünf Tore und drehte das Spiel im Alleingang. Mit dem Ergebnis, das nachher niemand mehr über Neuers missglückten Ausflug aus seinem Tor sprach.

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